Autohaus Graupner: Schöner alter Golf
Der vierte Platz beim Bundesbildungspreis 2013 geht an das Autohaus Graupner. Die Auszubildenden des Kfz-Betriebs in Brandis bei Leipzig restaurieren in Teamarbeit einen 30 Jahre alten Golf I.

Die Aufbereitung eines Oldtimers erfreut sich als Projektarbeit für Auszubildende in einigen Autohäusern großer Beliebtheit. Das verwundert nicht, stärken solche Tätigkeiten doch nachweislich die Motivation der jungen Mitarbeiter. Und der Aufwand hält sich ebenfalls in Grenzen; schließlich lässt sich in vielen Betrieben ein mehr oder weniger heruntergekommenes altes Schätzchen finden oder als Inzahlungnahme günstig auf den Hof bringen.
Etwas anders nahm die Geschichte im Autohaus Graupner in Brandis bei Leipzig ihren Lauf. Hier wollten die Azubis nicht irgendeinen x-beliebigen Wagen restaurieren; es sollte ein Golf der ersten Generation sein. Schließlich handelt es sich bei Graupner um ein VW-Autohaus.
Bevor die gewerblichen Azubis unter der Aufsicht des Ausbildungsverantwortlichen Frank Brunner ihr handwerkliches Geschick bei den Instandsetzungsarbeiten an Karosserie und Mechanik üben und unter Beweis stellen konnten, waren ihre kaufmännischen Kollegen gefragt. Sie mussten im Internet nach einem geeigneten Fahrzeug Ausschau halten, den Kauf abwickeln und zugleich kalkulieren, was sie noch für Ersatzteile und Fremdarbeiten wie die Lackierung investieren mussten. Denn Geschäftsführer Ingo Graupner steht zwar voll und ganz hinter dem Projekt, dennoch ist das Budget – genau wie im richtigen Leben – begrenzt.
Die Planung und Dokumentation sämtlicher Tätigkeiten ist nach Ansicht des Ausbilders ebenso wichtig wie die eigentliche Arbeit. Und so betont er stolz, dass das theoretische Konzept bereits zu 100 Prozent stand, als der alte Golf im Januar 2013 zu einem Anschaffungspreis von 1.000 Euro in den Betrieb kam. Abschließen wollen die Azubis ihre Arbeit bis zum Sommer, wenn in Leipzig ein großes Oldtimertreffen stattfindet, das ihr Betrieb als Sponsor unterstützt.
Qualifizierte Bewerberauswahl
Um als mittelgroßer Betrieb ein derartiges Projekt auf die Beine stellen zu können, braucht man natürlich auch die richtigen Auszubildenden. Deren Auswahl ist für Ingo Graupner Chefsache. Bei der ersten Sichtung der Bewerber arbeitet er mit der Agentur für Arbeit zusammen, die endgültige Entscheidung erfolgt nach Betriebspraktikum, Vorstellungsgespräch und einem eigens entwickelten Einstellungstest.
Dieses Verfahren bietet auch Jugendlichen eine Chance, die weniger durch herausragende Zensuren glänzen als vielmehr mit praktischem Können und großem Engagement punkten. „Wir investieren viel Zeit, um die richtigen Bewerber zu bekommen“, sagt der Geschäftsführer. „Aber davon profitieren wir dann später umso mehr.“
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