Autohaus Sorg: Mit der Region eng verbunden

Redakteur: Julia Mauritz

Die starke regionale Verbundenheit zählt zu den großen Stärken der Ford-, Jaguar- und Land-Rover-Autohausgruppe. Die Betriebe sind schlank aufgestellt und die Hierarchien bewusst flach.

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Über mangelnde Kundschaft kann sich das Autohaus Sorg derzeit nicht beklagen: „Ich beschäftige allein in der Werkstatt unseres Hauptbetriebs in Fulda 51 Mitarbeiter und wir sind zu 100 Prozent ausgelastet“, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Klaus Sorg.

Während viele Händler ums Überleben kämpfen, ist der Umsatz 2008 im Vergleich zum Vorjahr sogar gewachsen. Pro Jahr wickelt die Sorg-Gruppe mit rund 220 Mitarbeitern über 87.000 Serviceaufträge ab und verkauft zirka 5.600 Neu- und Gebrauchtwagen.

Dabei ist das Marktgebiet der Ford-, Jaguar- und Land-Rover-Autohausgruppe alles andere als ein Selbstläufer. Es reicht von Fulda über Thüringen bis nach Nordhessen – flächenmäßig ist das zwar ein riesiges Gebiet, allerdings ist die Region sehr ländlich geprägt. „Dazu kommt, dass die Mentalität der Menschen sehr unterschiedlich ist, man kann Fulda zurecht als Schmelztiegel bezeichnen“, unterstreicht Dr. Klaus Sorg, der die Geschicke des Unternehmens gemeinsam mit seinem Bruder Helmut Sorg leitet.

6 Standorte und Zusammenarbeit mit 15 Agenturen

Neben dem Hauptbetrieb in Fulda und Filialen in Bad Salzungen, Bebra, Lauterbach, Meiningen und Schlüchtern arbeitet die Autohausgruppe mit 15 Agenturen zusammen. „Sie sind in einem Marktgebiet wie dem unseren mit vielen kleinen Dörfern, in denen gerade einmal ein paar 100 Menschen wohnen, unverzichtbar“, unterstreicht Dr. Sorg.

Seinen Erfolg verdankt das traditionsreiche Autohaus, das in diesem Jahr sein 80. Jubiläum feiert, nach eigener Aussage seiner regionalen Verbundenheit. „Wir haben bewusst keine großen Glaspaläste gebaut und stattdessen schon immer auf den regionalen Bezug geachtet. Autohäuser, die wir übernommen haben, haben ihren alten Namen behalten und die Mitarbeiter kommen ebenfalls größtenteils aus der jeweiligen Region“, erzählt Dr. Klaus Sorg.

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Die Filialen werden allesamt als Profit- Center geführt. Die jeweiligen Geschäftsleiter tragen die volle Verantwortung für den Vertrieb und den Service und haben bewusst viel Entscheidungsspielraum. Sie brauchen Luft, um auf die Gegebenheiten in ihrer Region flexibel reagieren zu können, lautet das Credo der Brüder Sorg. „Ich selbst sehe mich nicht als Polizist, sondern als Dirigent des Orchesters“, schmunzelt Dr. Klaus Sorg. Seine Noten sind die Kurzreports, die die Geschäftsleiter der einzelnen Filialen jeden Abend nach Fulda schicken.

Unterschiedliche Preise oder Löhne gibt es in den einzelnen Betrieben übrigens nicht, obgleich einige Betriebe in den alten und einige in den neuen Bundesländern liegen.

Alle Angestellten sind erfolgsbeteiligt, die Mitarbeiter im Teilelager sind beispielsweise an den Service gekoppelt; die Arbeitszeiten sind flexibel. Die Werkstattmitarbeiter können sich zwischen einer Wochenarbeitszeit von 36 oder 42 Stunden entscheiden, die Angestellten arbeiten 40 Stunden in der Woche.

Die Hierarchien in der Sorg-Gruppe sind bewusst flach gehalten. Die Betriebe sind schlank aufgestellt und die Kommunikationswege sehr kurz. Damit alle 220 Mitarbeiter die Unternehmensphilosophie und -kultur in ihren einzelnen Betrieben leben, durchlaufen sie eine sechsmonatige Schulung in der Fuldaer Zentrale.

Synergien bestmöglich ausschöpfen

Um die Synergien bestmöglich auszuschöpfen, sind die einzelnen Filialen fast identisch aufgebaut – so findet sich beispielsweise ein Lagermitarbeiter, der in einem anderen Betrieb einspringt, in der Abteilung sofort zurecht.

Eine sehr große Rolle spielt die Aus- und Weiterbildung im Unternehmen. Derzeit bildet die Gruppe rund 50 kaufmännische und technische Auszubildende aus. Über 90 Prozent der Mitarbeiter kommen aus den eigenen Reihen.

Weitergebildet werden die Mitarbeiter durch die klassischen Herstellerschulungen und in der hauseigenen Akademie für Bildung und Führung in Fulda. Auf dem Programm stehen dort unter anderem Verkaufs- und Führungskräfteseminare sowie der korrekte Umgang mit den Kunden. Auch ergänzende technische Schulungen werden dort angeboten.

Im Betrieb finden auch zahlreiche interne Wettbewerbe statt: Im vergangenen Jahr durften sich die besten Händler über eine viertägige Reise nach New York freuen, im nächsten Jahr geht es nach Kalifornien. Die regelmäßig stattfindenden Mitarbeiterveranstaltungen tun das Übrige, um die Motivation der Mitarbeiter zu stärken.

Neben den Mitarbeiter-Events genießen auch zielgruppenorientierte Kundenveranstaltungen einen hohen Stellenwert bei Sorg. 36 Veranstaltungen hat die Autohausgruppe von Januar bis Oktober gestemmt und sie lässt sich immer etwas Besonderes einfallen. Allein 500 Gäste kamen zum Werkstattfest, bei dem die Servicemitarbeiter moderne Reparaturmethoden vorführten.

Seit nunmehr 20 Jahren veranstaltet die Autohausgruppe zudem die Unternehmertage. Sie behandeln Themen von aktuellem Interesse, losgelöst vom Auto. Als Gastredner haben sich bereits der Ministerpräsident von Litauen und der hessische Wirtschaftsminister die Ehre gegeben. Die meisten Marketingaktivitäten macht der Betrieb übrigens selbst.

Zielgruppenorientierte Veranstaltungen

Auch in Sachen Servicemarketing fährt Sorg eine eigene Strategie. Als besonders erfolgreich haben sich die Prospekte mit Serviceangeboten erwiesen. Auf billigem Papier gedruckt, sollen sie den Kaufimpuls beim Kunden durch ihren Schnäppchencharakter wecken.

Nach seinem Erfolgsrezept gefragt, schmunzelt Dr. Sorg: „Jeder Betrieb hat für sich eine saubere Basis. Zudem stelle ich die Liquidität immer vor den Ertrag.“ Als sehr hilfreich für die Karriere im Automobilhandel hat sich seine zwölfjährige Professur im internationalen Management und Marketing erwiesen, die ihn unter anderem in die USA geführt hat.

Von dort hat er auch die Idee mitgebracht, eine eigene Leasing- und Mietwagengesellschaft zu gründen. Auch in anderen Geschäftsfeldern ist Sorg aktiv, beispielsweise baut das Unternehmen Ford Transit für den Nahverkehr um.

Ein wichtiges Prinzip, an das sich der erfolgreiche Unternehmer hält, ist: „Simplify your Life“. Man dürfe keinen unnötigen Ballast mit sich herumschleppen. Das ist auch der Grund, warum das Ersatzteillager vom Autohaus Sorg hochaktuell ist. „Alle Teile, die älter sind als drei Jahre, verschrotte ich – und zwar ausnahmslos“, erzählt Dr. Sorg.

Den starken Kundenbezug und den fairen Umgang miteinander bezeichnet Dr. Sorg aber als die wichtigste Erfolgssäule: „Unser Ruf ist uns wichtiger als alles andere und daher dulde ich keinen Mitarbeiter, der einen Kunden über den Tisch zieht“, betont der Unternehmer, der seit vielen Jahren im inneren Beirat von Ford sitzt und im Finanz- und Servicearbeitskreis aktiv ist.

Die konsequente Kundenorientierung gekoppelt mit dem gut geschulten Personal hat Sorg zweimal in Folge den „Chairman‘s Award“ von Ford beschert, die höchste europäische Auszeichnung für Kundenzufriedenheit. Und auch zahlreiche Werkstatttests von Dekra, ADAC oder Autobild hat das Autohaus schon mit Bravour gemeistert.

Einen guten Ruf genießt das Autohaus auch im Flottengeschäft – und zwar weit über die Grenzen des Marktverantwortungsgebiets hinaus. Kunden wie Nestlé oder Tegut schätzen nach Aussage von Dr. Sorg vor allem die Liefertreue des Unternehmens.

Zukunftsangst hat Dr. Sorg nicht. „Wir sehen uns als Handels- und Dienstleistunsunternehmen für Mobilität und gleichen Schwankungen im Markt durch unser breitgefächertes Angebot aus.“ Von einem bunten Markenmix hält der Unternehmer indes nicht viel. Für ihn steht fest: „Ford ist und bleibt auch künftig unser Hauptgeschäft.“ Angesichts eines Markanteils von 14 Prozent in der Region ist das auch nicht verwunderlich.

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