Doch die chinesische Konkurrenz wächst. Unter den Top Ten der meistverkauften Autos befinden sich viele einheimische Fabrikate. So war zum Beispiel im Februar laut Statistik des Marktforschungsunternehmens Jato Dynamics der Minivan Wuling Rongguang das meistverkaufte Auto mit über 91.000 Verkäufen – Wuling produziert seine Autos in einem Joint-Venture mit General Motors. Unter den Top 5 finden sich Modelle von Chana, BYD und dem zurzeit weltweit extrem erfolgreichen Autobauer Hyundai. Position Fünf nimmt VW mit dem Lavida ein, einem speziellen China-Modell, und zwar dicht gefolgt vom Buick Excelle. Auf Platz 10 rangierte der Chevrolet Cruze. Die GM-Marke Buick gibt im Straßenbild ein besonders buntes Bild ab – es reicht von alten Opel Corsa-Modellen mit Buick-Logo bis zum neuen Verkaufsschlager, der Limousine LaCrosse auf Insignia-Basis.
Auch Elektroautos spielen eine große Rolle bei den Expansionsplänen der chinesischen Autoindustrie. Die Regierung will die elektrische Wende nicht dem Markt überlassen, sondern in einem ambitionierten Zeitplan einfach verordnen. Die Funktion des technologischen Vorreiters spielt das Unternehmen BYD, das nicht nur Automobile, sondern auch Akkus produziert. BYD hält in China einen Marktanteil von fast sechs Prozent, hat Hybridautos im Programm und will noch 2010 das rein batterieelektrisch betriebene Modell E6 in die USA exportieren. Es soll rund 40.000 US-Dollar kosten und den Chevrolet Volt angreifen.
Mit Premiummarken wie Audi, Mercedes oder BMW können sich die chinesischen Hersteller freilich noch nicht vergleichen. Deshalb ist der Besitzerwechsel bei Volvo – bislang gehörten die Schweden zu Ford, jetzt zum chinesischen Hersteller Geely – von großer Bedeutung. „Dabei steht nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern der schnelle Markteintritt in das wichtige Premiumsegment. Mit Geely-Volvo kommt die Audi-Position am stärksten unter Druck“, glaubt Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer.
Kopierwut lieber schlucken
Die chinesische Autoindustrie wird zunehmend selbstbewusster. Die Rolle Asiens als eine Art Fels in der Brandung der weltweiten Wirtschaftskrise dürfte diese Entwicklung verstärken. Wer am gigantischen Wachstum teilhaben will – und das wollen alle – der muss sich aber auch den Regeln unterordnen. So müssen die Gäste manche Kröte schlucken, etwa die Kopierwut der Chinesen. Aus dem Toyota Aygo wird ein BYD F0, aus dem VW Tiguan zumindest an der Front ein Landwind X8, und auch der Smart wurde schon kopiert – optisch zumindest, denn bei der Technik liegen zwischen Original und Fälschung in der Regel noch Welten.
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