Suchen

Automarkt-Explosion: Groß, größer, China

Autor / Redakteur: Sebastian Viehmann / Jens Rehberg

Die europäische Autoindustrie kämpft sich langsam aus dem Tal der Tränen, doch im Vergleich zu China ist sie eine lahme Schnecke. Wer heute im Reich der Mitte den Ton angibt und wie sich der Markt entwickelt.

Firmen zum Thema

Der chinesische Pkw-Markt ist im Lauf des vergangenen Jahrzehntes geradezu explodiert. Wurden im Jahr 2000 noch rund 614.000 Autos verkauft, waren es 2009 schon fast 8,4 Millionen. Für 2010 prognostiziert das Forschungsinstitut Center Automotive Research (CAR) mehr als 10 Millionen Verkäufe, für 2015 sogar 15 Millionen. „Die Dynamik der Chinesen ist beispiellos. Noch nie gab es in der Geschichte des Automobils einen Markt, der so stürmisch und schnell gewachsen ist“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, CAR-Direktor sowie Professor für Betriebswirtschaft und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 14 Bildern

Allein im ersten Quartal 2010 lag das Plus im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 2,77 Millionen Verkäufen bei 77 Prozent. Dementsprechend hoch ist der Stellenwert der Messe Auto China in Peking, bei der sich neben Firmen aus Japan, Korea, den USA und Europa rund 30 chinesische Unternehmen präsentieren. Wenn der Aufwärtstrend der chinesischen Wirtschaft weiter anhält – Skeptiker befürchten immerhin schon eine mögliche „China-Blase“ – dann dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Automessen in Shanghai und Peking den Shows von Detroit, Frankfurt oder Genf den Rang ablaufen.

21473680

Die chinesische Autolandschaft ist ausgesprochen bunt. Neben kleineren, überwiegend privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen wie Geely oder Chery gibt es große Joint-Ventures internationaler Autobauer mit einheimischen Herstellern, zum Beispiel die Liaison zwischen Volkswagen und den chinesischen Firmen FAW sowie SAIC. Bei diesen Verbindungen handelt es sich eigentlich um Zwangsheiraten, denn wer in China Autos bauen will, muss mit einem einheimischen Unternehmen kooperieren. Die Alternative, lediglich Autos zu importieren, ist wenig attraktiv: Die Chinesen schützen ihre Automobilwirtschaft durch hohe Zölle, der Verkaufspreis für einen Luxuswagen kann sich so fast verdoppeln.

GM holt Volkswagen ein

Volkswagen hat in China eine lange Tradition, alte Santanas und Jettas sind man an jeder Ecke – oft als Taxen. Dazu kommen der China-Passat und weitere große Limousinen. Doch die Rolle des Marktführers hat General Motors mittlerweile den Wolfsburgern abgejagt. Dank seiner Joint-Ventures hat GM im Jahr 2009 mit 1,8 Millionen verkaufter Pkw einen neuen Absatzrekord erzielt. Im ersten Quartal 2010 konnte GM seinen Vorsprung sogar noch weiter ausbauen, im März verkaufte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr Autos in China als in den USA. Nach VW ist Audi der erfolgreichste deutsche Hersteller (Marktanteil 1,9 Prozent), gefolgt von BMW (1,2 Prozent) und Mercedes (ein Prozent). Große Erfolge feiert auch Skoda mit 1,5 Prozent Marktanteil.

(ID:345077)