Volkswagenkonzern Blume will Sparpaket noch 2026 schnüren

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Der interne Konflikt im Volkswagenkonzern um die Ausgestaltung des Restrukturierungskurses schwelt weiter. Konzernchef Oliver Blume verdeutlichte nochmals die Notwendigkeit einschneidender Maßnahmen. Hinsichtlich der Werkschließungen äußert er sich allerdings zurückhaltend.

Oliver Blume, Vorstandschef von Volkswagen, will noch in diesem Jahr das Sparpaket für den Autobauer auf den Weg bringen.(Bild:  Volkswagen AG)
Oliver Blume, Vorstandschef von Volkswagen, will noch in diesem Jahr das Sparpaket für den Autobauer auf den Weg bringen.
(Bild: Volkswagen AG)

Volkswagen-Chef Oliver Blume strebt eine Verabschiedung seines neuen Sparpakets für den Konzern noch in diesem Jahr an. Sein Ziel sei es, dazu bis Jahresende Beschlüsse im Aufsichtsrat zu treffen, sagte Blume im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende dort ein großes Stück weiter sind.“

Vor zwei Wochen waren die Sparpläne erstmals im VW-Aufsichtsrat behandelt worden und bei Arbeitnehmervertretern und dem an VW beteiligten Land Niedersachsen auf Widerstand gestoßen. Vier Werke und bis zu 50.000 Stellen zusätzlich stehen auf der Kippe. Das Kontrollorgan habe sich vor zwei Wochen erstmals umfassend mit dem Thema befasst, sagte Blume. „Dort gab es sehr konstruktive, aber auch kontroverse Diskussionen. Wir haben dort noch keinen umfassenden Beschluss treffen können.“

Berichten zufolge soll das Gremium die Pläne in der Abstimmung sogar klar abgelehnt haben: Mit den Stimmen von Niedersachsen und Arbeitnehmern, die derzeit 12 der 19 Mitglieder des Gremiums stellen, sei das Paket abgelehnt worden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

Ringen um Sparpaket geht im September weiter

Im September solle es aber eine weitere Sitzung dazu geben, kündigte Blume an. „Und ich bin auch fest davon überzeugt, da dieses Paket so groß ist, wird es auch noch weitere Sitzungen in diesem Jahr dazu geben“, so Blume. „Jetzt geht es erst mal um den großen Rahmen, den wir dort vereinbaren.“ Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass dies bis Jahresende gelingen werde. „Da gehe ich schon fest davon aus, dass wir das in diesem Jahr machen müssen.“

Blume sprach von der größten Transformation der Konzerngeschichte. „Es geht hier nicht um ein reines Sparpaket, es ist das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, was wir je im Volkswagenkonzern aufgesetzt haben.“ Dabei gehe es auch um Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit und Strukturen.

 Nur rund ein Fünftel davon sei zustimmungspflichtig im Aufsichtsrat, so Blume, etwa „wenn es um Werke geht, wenn es um Personalanpassungen geht, aber auch wenn es um Strukturen im Volkswagenkonzern geht“. Die übrigen 80 Prozent könne der Vorstand auch so umsetzen. Und damit habe er auch schon begonnen. „Wir haben gerade in diesem Risikoszenario keine Zeit zu verlieren“, so Blume. So hat der Konzern bereits angekündigt, die Zahl der Modellvarianten deutlich zu verringern.

„Wir werden das Schritt für Schritt machen“, sagte Blume. „Wir sind aber fest davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist, und wir als Vorstand haben dort klare Vorschläge gemacht, wie der Volkswagenkonzern in Zukunft zu entwickeln ist.“ Mit einem festen Enddatum für den Umbau rechne er aber nicht. „Dieser Transformationsplan ist kein Projekt mit einem Anfang und einem Ende. Wir gehen von einer dauerhaften Transformation aus.“

Blume: „Krise der gesamten Automobilindustrie“

Allerdings, so Blume, sei nicht nur Volkswagen in der Krise. „Es wird immer von einer VW-Krise gesprochen“, so Blume. Doch das sei nicht richtig. „In Realität geht es um eine Krise der gesamten Automobilindustrie.“ Darauf habe Europas größter Autobauer bereits reagiert. „Wir haben in den letzten Jahren den Volkswagenkonzern komplett neu ausgerichtet und deshalb behaupten wir uns robust im Wettbewerb. Wir sehen aber auch, dass die Risiken für die Zukunft eher zunehmen“, so Blume. 

Mit Blick auf die 50.000 Stellen, die weltweit zusätzlich wegfallen könnten, sprach Blume von einer zunächst nur rechnerischen Größe, die sich aus den angestrebten Kostensenkungen ergebe. „Diese 50.000 sind zunächst erst einmal theoretisch“, so Blume.

„Wir sind aktuell dabei, das über die Marken, über die Gesellschaften und Regionen im Detail zu ermitteln, welche Personalanpassungen dort nötig und möglich sind, und werden das dann nochmal mit angemessenen Arbeitskosten verbinden.“ Details gebe es dazu bisher nicht.

Der Stellenabbau käme zu den bereits 2024 vereinbarten Einsparungen hinzu. Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. VW hatte zugesagt, den Abbau sozialverträglich zu gestalten und setzt vor allem auf Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bis 2030 ausgeschlossen.

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Werksschließungen nur als letzte Option

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sprach Blume nur von einer letzten Option, die er gern vermeiden möchte. Für die vier Werke gebe es derzeit noch keine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er-Jahre. Doch, so Blume: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option.“

Ziel müsse es zunächst sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte im europäischen Vergleich zu steigern. Rüstung sei eine Option, an die VW speziell in Osnabrück denke. Und auch der Bau chinesischer Modelle werde geprüft. Dabei gehe es aber nur um eigene Modelle von VW, die der Konzern bisher nur in China anbietet, und auch nur um Segmente, in denen VW in Europa bisher nichts im Angebot habe.

Konkurrenten wie BYD oder Geely ins eigene Haus holen will sich Blume nicht. Das habe VW mit seinem starken China-Engagement auch gar nicht nötig. „Deshalb denken wir nicht über Wettbewerber nach, die wir hier in unsere Fabriken holen, sondern dann eher über eigene Produkte, die wir in China haben.“

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