Russischer Automarkt Neuorientierung der Wirtschaft belebt den Automarkt

Von Andreas Grimm 3 min Lesedauer

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Der russische Neuwagenmarkt hat scheinbar den Turnaround geschafft. Im Zuge des Umbaus der russischen Wirtschaft sind wieder Neuwagen verfügbar – nicht mehr aus dem Westen, dafür aus China. Der Platzhirsch Lada hat wohl wenig von der Erholung.

Der russische Neuwagenmarkt lebt wieder, die Fahrzeuge kommen nun vor allem aus China.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Der russische Neuwagenmarkt lebt wieder, die Fahrzeuge kommen nun vor allem aus China.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der russische Automarkt erholt sich weiter von seinem dramatischen Einbruch infolge der Sanktionen nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Wie die Vereinigung der europäischen Unternehmen (AEB) mitteilte, legte der Neuwagenmarkt der russischen Föderation im ersten Halbjahr 2024 um 74,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Unabhängig überprüfen lassen sich die Zahlen nicht. Die AEB hat seit der Aggression keinen Vorsitzenden aus dem europäischen Ausland mehr, die Transparenz der Daten hat abgenommen.

Laut AEB kamen im ersten Halbjahr 754.627 Neuwagen auf die Straßen. Das waren 75 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2023. Im Juni waren es 130.715 Einheiten – ein Plus von knapp 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit nähert sich das Marktvolumen wieder dem Vorkriegs- und Vor-Corona-Zustand. Im ersten Halbjahr 2019 waren 828.750 Einheiten neu zugelassen worden. Allerdings war der russische Automarkt, unter anderem infolge wirtschaftlicher Sanktionen seit der Annexion der Krim im Jahr 2014, generell rückläufig (erstes Halbjahr 2014: 1,23 Millionen Einheiten).

Mit den steigenden Zulassungszahlen verändert sich die Zusammensetzung der Neuwagenflotte erheblich. Dominierten bis zum Ausbruch des Kriegs westliche Hersteller den Markt, so stoßen seither bekannte und in Europa noch unbekannte chinesische Hersteller in die Lücke, während der russische Platzhirsch Lada seinen Marktanteil von rund 25 Prozent vorübergehend ausbauen konnte. Insbesondere während der technischen Erneuerung des Modellangebots durch die Zugehörigkeit zur Renault-Nissan-Allianz hatte Lada in den 2010er-Jahren zulegen können.

Chinesische Marken übernehmen die Führung

Nun scheint dieses Wachstum allerdings wieder abzubrechen. Interessanterweise weist die AEB inzwischen im Pkw-Bereich keine Neuzulassungszahlen nach Herstellern mehr aus, doch darf man erwarten, dass sich der Zuwachs der Chinesen weiter fortgesetzt hat. Ende 2023 hatten sich die Fabrikate Haval, Chery und Geely hinter Lada im Absatzranking platziert. Lada kam 2023 auf einen Marktanteil von 31 Prozent.

Die Entwicklung im laufenden Jahr lässt sich aus den AEB-Angaben nun nicht mehr direkt belegen. Allerdings zeigt eine veröffentliche Statistik, dass der Anteil der lokalen Automobilproduktion am Neuwagenabsatz fällt. Da Lada nur über Fabriken in Russland verfügt, lässt sich daraus indirekt ableiten, dass der Anteil des russischen Marktführers sinkt – und die chinesischen Hersteller weiter zulegen.

Letztere können auch unbeeindruckt von Sanktionen mit moderner Technik punkten, die Lada so auf direktem Weg nicht zur Verfügung steht. Bereits 2023 waren die Absatzzuwächse von Haval, Chery und Co prozentual mehr als doppelt so hoch wie das Plus von Lada. Selbst die AEB vermeldet, dass „die Hauptquelle des Marktwachstums nach wie vor der Import von Neuwagen ist“. Aufgrund laufender und geplanter Produktionsanläufe werde der Anteil der Importe in Zukunft jedoch sinken, heißt es weiter.

Marktwachstum und EV-Stagnation

Grundsätzlich geht die AEB von einem weiteren Zulassungswachstum aus, korrigiert die Erwartungen für das Jahr 2024 inzwischen von 1,3 auf 1,45 Millionen Neuzulassungen nach oben. Allerdings drücken den Angaben zufolge hohe Kreditzinsen die Nachfrage, weshalb es trotz guter Nachfrage und breitem Produktangebot bei den Autohändlern ruhig bleibe.

Lohnenswert ist ein Blick in die AEB-Statistiken hinsichtlich der Antriebsarten. Russland war schon immer ein Benziner-Land, Diesel hatte wegen des Winterfrost kaum eine Chance. Inzwischen legt der Benziner-Anteil sogar wieder zu. 94,1 Prozent der Neuwagen haben einen Ottomotor, 4 Prozent sind Selbstzünder. Der Anteil der Elektrofahrzeuge liegt trotz der erreichten chinesischen Vormachtstellung bei gerade einmal 1,2 Prozent.

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