Automobil-Stammtisch im Autohaus Vogel

Autor / Redakteur: Holger Zietz/Gerd Steiler / Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Die angespannte Situation der deutschen Automobilindustrie sowie die Zukunft der Marke Opel und des Handels im Allgemeinen analysierten Automobilmanager, Unternehmer und Politiker.

Die angespannte Situation der deutschen Automobil- und Zulieferindustie und die Zukunft der Marke Opel waren zentrale Themen des 9. Thüringer „Automobil-Stammtischs“, zu dem der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) am Dienstag ins Geraer Autohaus Vogel eingeladen hatte. Gemeinsam mit VDA-Präsident Matthias Wissmann, Opel-Vertriebschef Michael Klaus und Dr. Michael Militzer, Vorstandschef des Eisenacher Automobilzulieferers Mitec Automotive, diskutierte Althaus die Lage in Industrie und Gewerbe.

Zum Thema Opel äußerte sich Althaus zuversichtlich. Das Bieterverfahren sei abgeschlossen, die Frage der Lizenzen sei geklärt. Eindeutige Stellung bezog der Ministerpräsident auch in Bezug auf den künftigen Opel-Investor. „Wir haben uns Ende Mai für das Geschäftskonzept von Magna entschieden. Es gibt derzeit keine weiteren Bieter“, sagte Althaus. Wenn der österreichisch-kanadische Automobilzulieferer seine Zusagen erfülle, stehe „die Treuhandbrücke fest“.

Derzeit gebe es noch „drei bis vier offene Fragen“. Die Aussicht, dass es zu einem Vertragsabschluss mit Magna komme, sei aber groß. Eine klare Absage erteilte Althaus dagegen allen Diskussionen über eine geordnete Insolvenz des angeschlagenen Rüsselsheimer Autobauers.

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Mit Innovationen gegen die Krise

Für VDA-Präsident Mathias Wissmann sind innovative Produkte die wichigste Antwort der Automobilindustrie auf die derzeitige Branchenkrise. Dabei sieht Wissmann die Marke Opel mit neuen Produkten wie dem Insignia für den Wettbewerb gut gerüstet. Zwar habe die Umweltprämie das Inlandsgeschäft deutlich belebt. Zu schaffen machten der stark exportabhängigen deutschen Autoindustrie aber weiterhin die dramatischen Absatzeinbrüche in Schlüsselmärkten wie den USA, Großbritannien oder Spanien.

Angesichts des weiteren Anstiegs der globalen Mobilität zeigte sich Wissmann aber zuversichtlich für die Zukunft der deutschen Autoindustrie. Diese hätte im globalen Wettbewerb aber nur dann eine Chance, wenn sie innovative Lösungen in allen Technikbereichen entwickle. Zunächst werde der weltweite Absatz allerdings sinken.

Einen deutlichen Unterschied markierte der VDA-Chef hinsichtlich der Unternehmenskulturen in den USA und Deutschland. Während bei amerikanschen Autoherstellern bislang das Denken in Quartalszahlen regiert habe, setzten die deutschen Autobauer vor allem auf ihr technisches Know-how. „Der alte deutsche Tüftler- und Erfindergeist ist wichtiger als jede Quartalszahl“, so Wissmann.

Opel ist optimistisch

Opel-Vertriebsdirektor Michael Klaus sieht derweil seine Marke in Thüringen gut vertreten. Seinen Angaben zufolge lagen die Verkaufszahlen des Rüsselsheimer Herstellers im Freistaat im zweiten Quartal 2009 rund ein Viertel über denen des Vorjahreszeitraums. „Damit schreiben wir voraussichtlich das beste Quartal seit 2005“, betonte Klaus.

Zugleich zeige man damit auch jedem Opel-Partner, dass Investitionen in die Zukunft der Marke gerechtfertigt seien: „Wir sind ebenso zuversichtlich wie unsere Händler.“ Zugleich kündigte Klaus für die kommenden Monate weitere neue Modelle an. Auch die Marke Opel werde zwar 2010 die Delle nach der Umweltprämie zu spüren bekommen. „Doch wir haben wichtige Zeit gewonnen, um uns darauf einzustellen“, sagte der Opel-Vertriebschef.

Kritik an den Banken

Dr. Michael Militzer, Vorstandschef des Eisenacher Autozulieferers Mitec Automotive, äußerte sich dagegen besorgt über das derzeitige Verhalten der Kreditwirtschaft. Vor allem mittelständische Unternehmen hätten in Zeiten der Krise vertärkt unter der restriktiven Kreditpolitik der Banken und verschärften Sicherheitsleistungen zu leiden. „Vielen Banken denken zu wenig strategisch nach vorn“, kritisierte Mikitzer. Dabei sei gerade die mittelständische Zulieferindustrie auf reibunslose Kredite angewiesen, um nötige Zukunfstinvestitionen im In- uns Ausland absichern zu können.

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