Autozulieferer Edscha ist insolvent

Redakteur: Dipl.-Päd. Gerd Steiler

Der Remscheider Automobilzulieferer hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht Wuppertal gestellt. Krisengespräche mit Banken, Kunden und Landesregierungen blieben ohne Erfolg. Dies bestätigte Edscha am Montagabend.

Der Remscheider Automobilzulieferer Edscha hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht Wuppertal gestellt. Ursache der Insolvenz ist einer Unternehmensmitteilung vom Montagabend zufolge ein dramatischer Umsatzeinbruch als Folge der internationalen Krise der Automobilindustrie. Demnach war der Umsatz des Autozulieferers zuletzt um rund die Hälfte geschrumpft. Zugleich sei die Insolvenz durch den „deutlich verschlechterten Zugang“ zu Krediten auf dem Kapitalmarkt verursacht, heißt es weiter. Krisengespräche mit Banken, Kunden und Landesregierungen über eine mögliche Abwendung der Insolvenz seien erfolglos geblieben.

Insolvenzverwalter sieht gute Chance für Sanierung

Edscha produziert mit insgesamt 5.800 Beschäftigten an 29 Standorten weltweit Faltdächer und Türscharniere für eine Reihe von Autoherstellern. In Deutschland hat das Unternehmen neben dem Hauptsitz Remscheid weitere Werke in Hengersberg, Hauzenberg und Regensburg mit zusammen 2.300 Beschäftigten. Um Kosten zu senken, hatte das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr mehr als 700 Beschäftigte entlassen.

Wie es in einer Edscha-Mitteilung vom Montagabend heißt, wurde Rechtsanwalt Dr. Jörg Nerlich von der auf Insolvenzverfahren spezialisierten Kanzlei Görg Rechtsanwälte (Essen) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Nerlich kündigte an, sich schnellstmöglich einen Überblick über das Unternehmen zu verschaffen. Außerdem werde er sofort die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Beschäftigten beantragen. „Wir werden in den kommenden Wochen ein Sanierungs- und Restrukturierungskonzept erarbeiten mit dem Ziel, das Unternehmen wieder auf gesunde Beine zu stellen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, so der vorläufige Insolvenzverwalter. „Das Insolvenzrecht bietet uns hierfür gute Gestaltungsmöglichkeiten.“

Zugleich betonte Edscha-Vorstandschef Dr. Manfred Puhlmann, den Geschäftsbetrieb an den Standorten aufrecht erhalten zu wollen. „Wir werden kurzfristig die notwendigen Gespräche mit den Beteiligten aufnehmen, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren“, so Puhlmann.

Umsatz über eine Milliarde Euro

Das im Jahr 1870 gegründete Traditionsunternehmen ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Lieferant für Scharniersysteme und Anbieter von Cabrio-Dachsystemen für die Automobilindustrie. Mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro im Geschäftsjahr 2007/2008 zähle Edscha zu den 100 größten Automobilzulieferern weltweit. Eigentümer von Edscha ist die US-amerikanische Private-Equity-Firma Carlyle. Sie hatte das Unternehmen im Jahr 2003 für rund 185 Millionen Euro gekauft.

(ID:286909)