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Besser als erwartet
Deutlich besser als erwartet lief für die Augsburger das Geschäftsjahr 2008/09 (1. September bis 31. August). Anfang 2009 hatte der AVAG-Chef angesichts des Wirtschaftseinbruchs im ersten Quartal eine „schwarze Null“ als Idealergebnis bezeichnet und sogar einen Rückgang der Geschäftszahlen um 10 bis 15 Prozent für „durchaus möglich“ gehalten. Doch insbesondere dank der staatlichen Umweltprämie kam alles ganz anders. So steht zum Ende des Geschäftsjahres 2008/2009 sowohl beim Absatz (+3,9 Prozent) als auch beim Umsatz (+2,1 Prozent) sogar ein leichtes Plus in den Geschäftsbüchern. Und auch das operative Netto-Ergebnis war „etwas besser“ als im Vorjahr.
Furcht vor dem „Prämienloch“
Am stärksten von der Abwrackprämie profitierten laut Borkowski – gemessen an den Verkaufszahlen – die Marken Opel (+45 Prozent), Toyota (+20 Prozent) und Nissan (+51 Prozent). Den geringsten prämienbedingten Zuwachs schaffte die Marke Honda, die „deutlich dahinter“ rangiere.
Aufgrund des „weiterhin hohen Auftragsbestands“ erwartet Borkowski auch fürs vierte Quartal 2009 ein „sehr ordentliches Betriebsergebnis“. Einen relativ harten Einschnitt befürchtet er angesichts des zu erwartenden „Prämienlochs“ allerdings für die ersten Monate des neuen Jahres. „Uns stehen mit Sicherheit sehr schwierige Monate bevor und wir müssen uns warm anziehen. Nach dem Prämienboom der vergangenen Monate sind jetzt vor allem die Hersteller gefordert, wieder Tempo aufzunehmen. Es hatte mitunter den Anschein, dass mancher Hersteller – geblendet durch phänomenale Verkaufszahlen – die Zügel etwas schleifen ließ. Das aber wäre gerade in der jetzigen Situation verhängnisvoll“, warnt Borkowski.
AVAG setzt auf Risikoabsicherung
Für sein eigenes Unternehmen setzt Borkowski im schwierigen Geschäftsjahr 2009/2010 in erster Linie auf Risikoabsicherung. So haben die hausinternen Controller in den neuen Geschäftsplan zusätzlich rund drei Millionen Euro an Rückstellungen für Leasingrückläufer eingearbeitet. Zudem hat die AVAG aus den Erträgen der Umweltprämie rund zwei Millionen für die Bereinigung des Gebrauchtwagenbestands ausgegeben. „Wir haben unsere Reserven in beiden Bereichen deutlich erhöht. Damit wollen wir der wachsenden Gefahr des Restwerteverfalls gezielt entgegenwirken“, erklärt Borkowski. Hier sei die AVAG „absolut richtig aufgestellt.“
Hoffnung aufs Frühjahr
Von Realismus geprägt sind Borkowskis Markterwartungen fürs Autojahr 2010. So prognostiziert er für den deutschen Markt rund 2,6 bis 2,8 Millionen Pkw-Neuzulassungen und sieht sich damit auf einer Linie mit den Automobilverbänden ZDK, VDA und VDIK. „Alles, was unter 2,6 Millionen Einheiten liegt, wäre für Industrie und Handel allerdings fatal“, mahnt Borkowski. Ein bislang unkalkulierbares Risiko sei der zu erwartende Anstieg der Arbeitslosenzahlen.
Dennoch bleibt der AVAG-Chef optimistisch und hofft auf eine „spürbare Belebung“ durch das Frühjahrsgeschäft. Und fast wie dereinst der britische General Wellington in der Schlacht von Waterloo gegen den Franzosenkaiser Napoleon ersehnt auch Borkowski himmlischen Beistand: „Ich wünschte, es wäre März und die Kunden kämen.“ Übrigens: Wellingtons Hilferuf nach den Preußen anno 1815 wurde bekanntermaßen erhört.
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