AVP eröffnet Autoland

Autor / Redakteur: I. Finsterwalder / Silvia Lulei

Die AVP-Automobilgruppe eröffnet in Plattling das AVP-Autoland. Sie reagiert auf den Trend weg vom Neuwagen, hin zum jungen Gebrauchtwagen. AVP verkauft heute mehr Gebraucht- (4.000) als Neuwagen (3.000).

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Warum ein teures neues Auto kaufen, wenn man ein fast neues deutlich günstiger bekommt Nach diesem Motto kaufen immer mehr Leute ihren Pkw. Gerade jetzt, wo die Spritpreise dramatisch steigen, überlegt der Kunde genau, wieviel ihm seine Mobilität wert ist. Diese Erfahrung machte auch Franz Xaver Hirtreiter, Chef der vor zehn Jahren gegründeten AVP-Gruppe mit Hauptsitz in Deggendorf. „In unserer Region gibt es einen klaren Trend weg vom Neuwagen hin zum jungen Gebrauchtwagen,“ stellt Hirtreiter fest. Die AVP-Gruppe verkauft heute mehr Gebraucht- (4.000) als Neuwagen (3.000).

Den Kundenansprüchen gerecht werden

Die Gründe, weshalb Gebrauchtwagen in seinem Unternehmen so gut laufen, sind für Hirtreiter schnell aufgezählt: Viele Leute verfügen nicht mehr über die finanziellen Mittel, um sich ihr Traumauto als Neuwagen zu kaufen. Also weichen sie auf junge Gebrauchte aus. Sie bestehen jedoch darauf, sich ihr Objekt der Begierde aus einer möglichst großen Anzahl vergleichbarer Fahrzeuge aussuchen zu können.

Diesem Anspruch wird die Autohausgruppe bald gerecht: Im Mai eröffnet sie das AVP Autoland in Plattling. Es ist das erste große überregionale Gebrauchtwagenzentrum der Gruppe. Das zentral am Autobahnkreuz Deggendorf gelegene Gelände ist aus den drei größeren umliegenden Städten Landshut, Regensburg und Passau jeweils innerhalb einer Stunde erreichbar. Interessenten aus ganz Niederbayern können dort unter 500 Autos ihr Traumgefährt suchen. Den 16. Betrieb der AVP-Gruppe hat Hirtreiter in direkter Nachbarschaft zu seinen Plattlinger Autohäusern von einem Mercedes-Benz-Partner übernommen. Damit hat er sich einen großen Wunsch erfüllt: „Das erste Mal in der Unternehmensgeschichte bieten wir unserer überregionalen Kundschaft eine echte Attraktion: ein Zentrum mit 500 Gebrauchten unserer fünf Automobilmarken Porsche, VW, Audi, Suzuki und Skoda sowie ein Lack- und Karosseriezentrum für die AVP-Gruppe auf einer Fläche von 35.000 m2.“ Mit dem AVP Autoland will Hirtreiter insgesamt 5.000 Gebrauchte verkaufen.

Auf die Stärken des Unternehmens besinnen

Das Konzept des neuen Gebrauchtwagenzentrums ist eindeutig: „Wir wollen keinen Gulaschbetrieb, in dem wir aus allem alles machen.“ Die Kunden soll vielmehr eine klare Angebotsstruktur erwarten, allen voran Audi und VW: „Mit diesen Marken kennen wir uns am besten aus“, sagt Hirtreiter und ergänzt, dass natürlich für jede Marke die spezifischen Gebrauchtwagenstandards eingehalten werden. So setzt Hirtreiter beispielsweise bei Volkswagen auf das First-Class-Programm und bei Audi auf das Gebrauchtwagen-Plus-Programm.

Wichtig ist dem Unternehmer auch, dass der Preismix stimmt. Mit einer Mischung aus erschwinglichen, vier bis fünf Jahre alten Gebrauchtwagen bis hin zu Premium-Gebrauchtwagen will Hirtreiter einer möglichst breiten Kundschaft den Weg zum Wunschauto bahnen.

Für den Zukauf von Gebrauchtwagen ist eine eigene Abteilung verantwortlich. Bedenken, dass die AVP im Bereich der günstigen Gebrauchten für bis zu 10.000 Euro zu wenig zu bieten haben könnte, hat Hirtreiter nicht: „Bei uns ist das nicht so schwierig wie in der Großstadt, denn wir haben eine sehr hohe Eintauschquote von 90 %.“ Plattling ist eine finanzschwache Region. Daher setzt der Unternehmer auf durchschnittliche Gebrauchtwagenpreise von 15.000 Euro (Porsche ausgenommen): „Wir leben auf dem Land und wollen dem durch eine entsprechende Preisgestaltung gerecht werden.“

Die Zukaufsstrategie der Gruppe basiert auf drei Säulen. Die wichtigste ist der Zukauf von VW- und Audi-Dienstwagen in Paketen zu jeweils 500 Stück, die größtenteils Kooperationspartner weiterverkaufen. Die zweitwichtigste Einkaufsquelle für Gebrauchtwagen sind Leasingrückläufer. Darüber hinaus kauft die Gruppe im Internet Gebrauchtwagen zu.

Internet ist ein zentraler Erfolgsfaktor

Überhaupt ist das Internet für Hirtreiter ein zentraler Erfolgsfaktor. Immerhin verkauft die AVP-Gruppe bereits 500 Fahrzeuge online – mit steigender Tendenz. „Früher haben wir über das Internet so viele Autos verkauft wie an einem Standort. Heute entsprechen die Online-Verkäufe dem Volumen von drei bis vier Standorten,“ erläutert Hirtreiter. Seit drei Jahren hat die AVP-Gruppe einen Internetverantwortlichen. „Die Kundenanforderungen sind unterschiedlich: Manchmal ist der Internetverantwortliche nur die Kontaktstelle, manchmal ist er der Verkäufer.“ Wenn ein Kunde online einen Porsche sucht, sei es wichtig, ihn an einen Spezialisten im Porsche-Zentrum weiterzuleiten. Für einen Kunden, der im Netz nach einem Polo schaue, könne der Internetverantwortliche bis zur Auslieferung alles selbstständig abwickeln. Wichtig in allen Fällen: Er muss binnen 12 Stunden antworten.

Autokauf ist nicht mehr Prestigesache

Hirtreiter ist überzeugt, dass seine Gebrauchtwagenstrategie aufgeht. „Das Auto als Prestigeobjekt hat an Bedeutung verloren,“ sagt der Unternehmer. „Jetzt messen sich die Kunden eher daran, wer die besten Rabatte bekommt.“ Auch angesichts der Tatsache, dass die Schere zwischen arm und reich in Deutschland immer weiter auseinander gehe, solle man künftig den Schwerpunkt auf diejenigen legen, die sich keinen Neuwagen leisten könnten. Ein großes Gebrauchtwagenangebot sei daher das Gebot der Stunde. „Der Autohändler braucht künftig zwei Dinge,“ resümiert Hirtreiter: „Viele Autos und viel Geld.“

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