B2B-Reifenbörsen: Der ganze Markt auf einen Blick

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Internet-Handelplattformen wie Tyremotive machen den Reifengroßhandel transparent. Sie dienen als Schnittstelle und Vermittler zwischen Groß- und Einzelhandel und als Preissuchmaschine.

Anbieter zum Thema

„Der Reifen ist das einzige Produkt, das einmal rund um die Welt verkauft wird und danach nur noch die Hälfte kostet“, witzelte einmal ein Insider aus dem Reifengeschäft. „Und trotzdem verdienen immer mehr Leute daran“, möchte man hinzufügen. Denn in den letzten Jahren hat sich im Internet eine neue Handelsstufe zwischen die klassischen Reifengroßhändler und deren Kunden – Autohäuser, Freie Werkstätten und Reifenbetriebe – geschoben.

Es sind spezielle Onlinebörsen, die als Schnittstelle und Vermittler zwischen Groß- und Einzelhandel dienen. Sie machen sich die Tatsache zunutze, dass die Reifenpreise stärker schwanken als die der meisten anderen Kfz-Ersatzteile und die Betriebe deshalb nicht mehr wie früher einem Großhändler treu bleiben, sondern im Internet nach dem günstigsten Preis suchen. Nur: Das kostet Zeit. Anbieter wie der Branchenpionier Tyre24.de sowie Tyre100.de, Gettygo.de oder Tyremotive.de fassen darum das Angebot möglichst vieler Reifenhändler zusammen und geben den Kunden die Möglichkeit, Preise und Verfügbarkeit mit einem Blick zu vergleichen.

Und sie können noch mehr: Die Onlineplattformen übernehmen die Auftragsabwicklung, sodass die Kunden es nur noch mit einem Geschäftspartner zu tun haben. Es gibt nur eine Rechnung, einen Lieferschein, einen Bankeinzug und einen Ansprechpartner für alle Lieferungen. Und sie sind immer lieferfähig, weil die Großhändler ja nur diejenigen Reifen in die Börsen einstellen, die sie auch loswerden müssen.

Ihr Geschäft betreiben Tyremotive und die anderen Firmen, ohne einen Reifen jemals auch nur zu sehen. Das gesamte Handling der schwarzen Ware – vom Einkauf über die Lagerung, den Versand und eventuelle Retouren – bleibt Sache der angeschlossenen Großhändler.

Keiner sieht den Anbieter

Weil die Internetplattformen somit eine denkbar schlanke Firmenstruktur haben und nicht viel mehr benötigen als ein paar Leute und Computer, kommen sie mit sehr geringen Margen aus. Der kleine Preisaufschlag und die Tatsache, dass die Onliner große Stückzahlen abrufen und neue Kunden anlocken, haben den Großhändlern die bittere Pille der absoluten Preistransparenz schmackhaft gemacht. „Man kommt eben nicht mehr an ihnen vorbei“, seufzte der Vertriebsleiter eines bedeutenden Großhändlers im Gespräch mit »kfz-betrieb«.

Dabei gibt es zwischen den einzelnen Anbietern durchaus Unterschiede. Zum Geschäftsmodell von Tyremotive-Gründer Udo Strietzel etwa gehört es, den Namen der ursprünglichen Lieferanten nicht zu nennen. Der Besteller hat ausschließlich mit Tyremotive Kontakt. So kann Strietzel fast immer die niedrigsten Preise bieten, weil niemand weiß, von welchem Großhändler die Ware stammt. „Ich anonymisiere die Schweinereien im Markt“, nennt es der Vertriebsprofi, der bereits seit Jahrzehnten in der Kfz-Branche arbeitet und Tyremotive erst im März 2009 ins Leben gerufen hat. Schließlich ist der Reifenmarkt von Überkapazitäten geplagt und viele Händler müssen ihre Überbestände loswerden – und zwar oft koste es, was es wolle.

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