Batterie-Recycling: Das zweite Leben der Zellen
Altbatterien von E-Autos gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Stationär eingesetzt und zu großen Paketen gebündelt sind sie die idealen Partner für Windkrafträder. Erst danach geht es zum Recycling.

Der Blick durch die Windschutzscheibe genügt, um untrüglich zu erkennen: Die Elektromobilität steckt noch in den Kinderschuhen. Nur ganz selten sieht man ein E-Auto neben sich an der Ampel stehen. Was nicht wundert, in Deutschland liegt der Stromer-Anteil bei weniger als einem halben Prozent. Und selbst wenn 2020 tatsächlich, wie einst die Bundesregierung vollmundig prognostiziert hat, eine Million Elektroautos auf der Straße sein sollten, läge der Wert erst bei rund zwei Prozent.
Wer sollte sich bei dieser geringen Verbreitung schon heute Gedanken um das spätere Recycling der Lithium-Ionen-Akkus machen? Immerhin versprechen die Autohersteller derzeit dem Kunden, dass der Akku seines Elektroautos auch nach acht Jahren noch mindestens 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität liefert, egal ob die Zellen schonend zu Hause oder per „Druckbetankung“ an Schnellade-Stationen gefüllt wurden. Liegt der Wert unter besagten 80 Prozent, gilt die Batterie im Fahrzeug als nicht mehr einsatzfähig und wird ausgetauscht.
Doch was geschieht mit dem Alt-Akku? „Zunächst sollte die Batterie so lange am Leben erhalten werden wie möglich“, sagt Melissa Bowler, Technische Projekt-Managerin, Stationäre Speicherung bei BMW. Die bayerische Marke zählt zu den Autokonzernen mit der größten Erfahrung in Sachen Elektromobilität. Seit Ende 2013 ist der Karbon-Flitzer i3 auf dem Markt. Immerhin sind 50.000 davon weltweit unterwegs. Auf rund 141.000 Einheiten kann Tesla verweisen. Und mehr als die vierfache Menge von den BMW i-Modellen hat Nissan mit dem Leaf auf der Straße.
Das Stichwort heißt „Second Life“. Eines der ersten Pilotprojekte dazu steht im westfälischen Lünen, wo Daimler in Kooperation mit dem Recycling-Spezialisten Remondis sowie Getec und dem Schweizer Unternehmen The Mobility House (TMH) einen 13-MWh-Speicher aus gebrauchten Smart- und Mercedes-Batterien betreibt. Er gilt als größter „2nd-Use“-Batteriespeicher der Welt. Insgesamt wurden 1.000 Batteriesysteme zu einem Block zusammengefasst. Laut Mercedes ist ein wirtschaftlicher Betrieb im stationären Bereich noch mindestens zehn Jahre möglich. Geringe Kapazitätsverluste spielen keine Rolle.
Alt-Batterie-Cluster als Puffer für erneuerbare Energie
BMW kooperiert mit Bosch und Vattenfall. Alt-Akkus aus i3- und 1er-Active-E-Versuchsfahrzeugen werden als Energiespeicher ins Stromnetz eingebunden, um dieses zu stabilisieren. Erneuerbare Energiequellen liefern nicht immer Strom, wenn er benötigt wird – es sind Zwischenspeicher nötig. „Sie dienen als Puffer, indem sie den überschüssigen Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen“, sagt Melissa Bowler. Die Autobatterien werden hierzu zu großen Speichern zusammengeschaltet.
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