Northvolt Batteriehersteller beantragt Gläubigerschutz in den USA

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Der schwedische Batteriehersteller Northvolt schlittert weiter in die Krise. In den USA ist das Unternehmen in der Vorstufe der Insolvenz. Die Auswirkungen auf die deutschen Aktivitäten lassen sich noch nicht abschätzen.

Der schwedische Akku-Produzent Northvolt ist in finanziellen Schwierigkeiten.(Bild:  Northvolt)
Der schwedische Akku-Produzent Northvolt ist in finanziellen Schwierigkeiten.
(Bild: Northvolt)

Der finanziell angeschlagene schwedische Batteriehersteller Northvolt hat in den USA Gläubigerschutz beantragt. Das Unternehmen meldete am Donnerstagabend ein Restrukturierungsverfahren gemäß „Chapter 11“ des US-Insolvenzrechts an. Damit will sich Northvolt nach eigenen Angaben vor Forderungen der Gläubiger schützen, während es um seine Zukunft als eigenständiges Unternehmen ringt.

Der Schritt ermöglicht Zugang zu neuen Finanzierungsquellen, teilte Northvolt mit. 100 Millionen US-Dollar würden dem Unternehmen von einem Kundenunternehmen im Rahmen einer Art Brückenfinanzierung bereitgestellt. Darüber hinaus erhält Northvolt von Kreditgebern Zugang zu etwa 145 Millionen US-Dollar (sogenanntem Cash Collateral).

Im Zuge des Antrags auf Gläubigerschutz trat Firmenchef Peter Carlson vom Vorstandsvorsitz (CEO) zurück. Er bleibe dem Unternehmen aber als Mitglied des Aufsichtsrates sowie als führender Berater erhalten, hieß es vom Unternehmen. Carlsson führte Northvolt seit der Firmengründung im Jahr 2016. Die Führung teilen sich zunächst Finanzchefin Pia Aaltonen-Forsell und Chief Operations Officer Matthias Arleth. Die Suche nach einem neuen CEO sei bereits eingeleitet, hieß es.

Northvolt galt hinsichtlich der Batterieproduktion für E-Autos lange Zeit als großer Hoffnungsträger der europäischen Automobilindustrie. Der größte Anteilseigner des Herstellers ist der deutsche Autobauer Volkswagen. Zu den Eigentümern gehören auch die US-Investmentbank Goldman Sachs und BMW.

Auswirkungen auf das deutsche Projekt?

Noch ist nicht abzusehen, was das konkret für den Bau einer Northvolt-Gigafabrik im schleswig-holsteinischen Heide bedeutet. Das Unternehmen erklärte dazu am Abend: Die deutsche Tochter werde unabhängig von der Muttergesellschaft finanziert. „Sie ist nicht Teil des Chapter 11-Verfahrens.“

Deutschlandchef Christofer Haux sagte, „in Dithmarschen schreiten die Bauarbeiten derzeit weiter voran. Der Standort genießt höchste Priorität.“ Klar ist aber bereits, dass die Fabrik später ihre Arbeit aufnehmen wird als zunächst geplant. Die Zellmontage soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten statt bereits Ende 2026.

Anfang des Jahres hatte die EU-Kommission Fördermittel und Garantien für das Milliarden-Projekt in Heide über 902 Millionen Euro genehmigt. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein unterstützen den Bau der Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Garantien über weitere 202 Millionen Euro.

Eine Verwaltungsvereinbarung sieht vor, dass zunächst die Landesmittel in Höhe von 137 Millionen Euro fließen sollen. Das ist bislang aber nicht der Fall gewesen. Auf den Bund entfallen etwa 564 Millionen.

Northvolt will zunächst keine Mittel abrufen

Der Batteriehersteller verwies darauf, dass der Bau in Norddeutschland im gemeinsam mit der Bundes- und Landesregierung festgelegten Zeitplan liege. „Es wurden bisher keine Fördermittel in Anspruch genommen, und Northvolt Germany wird, solange die Restrukturierung der Muttergesellschaft andauert, auch weiterhin keine Mittel abrufen.“

Schleswig-Holsteins Staatskanzleichef Dirk Schrödter (CDU) sieht Chancen für einen Restrukturierungsplan gemeinsam mit den Gläubigern. Es sei bedauerlich, dass noch keine gesicherte Finanzierung für den Mutterkonzern in Schweden gelungen sei, sagte Schrödter. „Es ist gut, dass nach den Diskussionen der letzten Wochen jetzt Klarheit über das weitere Verfahren und die nächsten Schritte herrscht.“

„Die europäische Batteriezellindustrie befindet sich insgesamt in einer herausfordernden Lage“, sagte Haux. Das Unternehmen wolle dem mit einer strategischen Neuausrichtung gerecht werden. „Wir haben seit dem Sommer zahlreiche Effizienzmaßnahmen umgesetzt, die bereits Wirkung zeigen.“ Der nun erfolgte Schritt verbessert die finanzielle Situation und wirbt neues Kapital ein.

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