Beim Preis kein 360-Grad-Durchblick

Autor Dr. Dominik Faust

Mit einer neuen App von Autoscout 24 können Händler jetzt innerhalb von drei Minuten 360-Grad-Fotos von ihren Fahrzeugen machen. Einen Standardpreis für das neue Angebot gibt es allerdings nicht. Ob es sich rentiert, müssen die Autohäuser letztlich ausprobieren.

Anbieter zum Thema

Sebastian Lorenz, Felix Frank und Jochen Kurz (v.r.) stellen die neue 360-Grad-Technologie an einem Cabrio vor ihrer Firmenzentrale in München vor.
Sebastian Lorenz, Felix Frank und Jochen Kurz (v.r.) stellen die neue 360-Grad-Technologie an einem Cabrio vor ihrer Firmenzentrale in München vor.
(Bild: Faust / »kfz-betrieb«)

Mit der Panorama-Funktion moderner Smartphones kann man die eigene Umgebung über 360 Grad ablichten. Wer jedoch um ein Auto herum gehen und es dabei als Rundumbild abfotografieren möchte, dem nützt diese Funktion nichts. Dafür benötigt man vielmehr eine Software, die aus Einzelbildern eine solche dynamische Ansicht errechnet. Ein Start-up aus Atlanta hat ein solches Tool entwickelt. Autoscout 24 trat in Kontakt mit den IT-Spezialisten und sicherte sich die exklusiven Nutzungsrechte der Software für Europa. So können jetzt auch Händler ruckelfreie Rundum-Außenansichten ihrer Fahrzeuge laut Autoscout innerhalb von drei Minuten erstellen und auf ihre Börsen-Accounts hochladen. Felix Frank und Sebastian Lorenz, das operative Führungsduo des Online-Automarkts, stellten die neue Technologie kürzlich in München der Presse vor.

Wer für diesen Service allerdings eine Preisliste erwartet, der wird enttäuscht. Händler können wählen, ob sie für jedes mit der neuen Technik fotografiere Fahrzeug „einen niedrigen einstelligen Euro-Betrag“ bezahlen oder eine Kombination mit dem hauseigenen Tarif „Marketing Power“ buchen wollen. Was das konkret heißt, bleibt unklar. Glücklich dürfen sich die wenigen Händler schätzen, die das neue Tool zu Sonderkonditionen ausprobieren und Erfahrungen sammeln können. Zu ihnen gehört das Autohaus Kunzmann in Aschaffenburg. Dessen digitaler Chef-Stratege Markus Gold ist begeistert von der Technik, die es in der Form bislang noch nicht gegeben habe, wie er im Gespräch mit »kfz-betrieb« sagt. Er sieht sogar weitere Anwendungsmöglichkeiten, etwa für den Teileverkauf. Andere wollen erst einmal sehen, wie sich die Sichtbarkeit und die Klickzahlen der Fotos auf ihren Händler-Accounts entwickeln.

Der Erfolg dieses neuen Angebots hängt sicher sowohl von den Kosten als auch von der Qualität der Bilder ab. Bei so manchem, bereits mit der neuen Technik aufgenommenem Händlerfahrzeug bleiben jedoch Details im Dunkeln oder sind schlicht unscharf. Ein Grund dafür dürften Defizite beim Licht sein, ein anderer könnte in der zu geringen Bildauflösung der benutzten Smartphones liegen. Die Münchner Online-Profis geben daher ihren Händlern sicherheitshalber gleich ein iPhone 7 mit einer 12-Megapixel-Kamera zur ebenfalls benötigten App „Autoscout 360“ hinzu. Beides wird ebenso durch die (intransparenten) Kosten gedeckt wie die zudem mitgelieferte Vollsphärenkamera samt Stativ für die 360-Grad-Aufnahmen von Fahrzeuginnenräumen. Das Geschäftsmodell ist vom Grundsatz her mit dem eines Handyvertrages vergleichbar: In beiden Fällen bekommt man die Hardware fast geschenkt und zahlt primär für deren Nutzung.

Frank und Lorenz gehen davon aus, dass sie durch ihr neues Angebot jetzt einen technischen Vorsprung von mindestens einem Jahr gegenüber ihren Mitbewerbern haben. Im günstigsten Fall kann Autoscout 24 gegenüber dem deutschen Marktführer Mobile.de an Boden gewinnen. Entscheidend dafür werden Kostentransparenz, Qualität der Aufnahmen und die mittelfristige Antwort auf die Frage sein, wie sich das neue Angebot auf die Deckungsbeiträge der Autohäuser auswirkt. Nach Angaben von Felix Frank sind die Händler von der 360-Grad-Technik für Innen- und Außenaufnahmen ihrer Fahrzeuge grundsätzlich begeistert. Die ersten 50 Koffer mit der genannten Ausstattung seien bereits vergriffen.

(ID:44946082)