Kältemittel Beim Teutates!

Von Steffen Dominsky 10 min Lesedauer

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Beim Kältemittel brodelt es. R134a wird massiv teurer und R1234yf droht das EU-weite Aus; mit R444a gibt es dafür jetzt sogar einen Ersatzstoff. Zudem steht Werkstätten mit Propan ein viertes Gas und ein neuer Sachkundenachweis ins Haus.

Beim Kältemittel brodelt es: R134a wird teurer, R1234yf droht das Aus, und mit R444a (Propan) kommt eine Neuheit – ein Überblick(Bild:  VCG; © Impixmart - stock.adobe.com [M] / KI-generiert)
Beim Kältemittel brodelt es: R134a wird teurer, R1234yf droht das Aus, und mit R444a (Propan) kommt eine Neuheit – ein Überblick
(Bild: VCG; © Impixmart - stock.adobe.com [M] / KI-generiert)

Sie hatten bekanntlich vor gar nichts Angst, Asterix, Obelix und all die anderen Gallier – außer, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Nun sind wir mehrheitlich keine Gallier, und auch der Himmel dürfte wohl da bleiben, wo er schon immer ist. Aber etwas anderes fällt uns von oben tatsächlich immer öfter auf unseren Kopf bzw. Boden, und davon kann man durchaus Angst haben: Triflouressigsäure, kurz TFA. Was ziemlich ätzend klingt, ist es auch. Die Säure ist gesundheitsschädlich beim Einatmen, verursacht schwere Verätzungen und ist auch in Verdünnung schädlich für Wasserorganismen. Und genau hier, im Wasser, reichert sie sich immer stärker an. Hier zerfällt sie im Laufe der Zeit auch nicht – sie ist eine sogenannte „Ewigkeitschemikalie“. Hauptverursacher von TFA ist ein Stoff, den Kfz’ler sehr gut kennen. Erst vor wenigen Jahren als Alternative zu R134a entwickelt, wird er spätestens seit 2017 in sämtliche Klimaanlagen von Pkw und leichten Nfz verfüllt: R1234yf.

Beim Teutates: Wie es sein kann, dass ein Stoff, der als umweltfreundlich gepriesen und zugelassen wurde, plötzlich ein relevantes Umweltgift darstellt? Eine Erklärung: Man ging von deutlich geringeren TFA-Konzentrationen, sprich Mengen an R1234yf aus, die in die Umwelt gelangen würden. Die sind auch deshalb höher, weil Kondensatoren mittlerweile Verschleißteile sind. Egal ob Steinschlag oder Korrosion: Etliche Klimakühler sind spätestens nach sechs bis acht Jahren schlichtweg „durch“ – und das Kältemittel, zack, in die Umwelt verpufft. Hier konterkariert die Automobilindustrie das legitime Vorhaben Brüssels, unsere Umwelt ein Stückchen besser zu machen. Zum anderen sind Institutionen wie die EU auch nur Menschen, und die leiden gerne mal unter einem Tunnelblick bzw. lernen erst mit der Zeit dazu. So wie im Fall von R134a, das in den Neunzigern R12 ersetzte. Dass ersteres zwar nicht die Ozonschicht zerstört, dafür aber den Treibhauseffekt begünstigt, ist eine Tatsache, die EU-Verantwortlichen erst spät(er) bewusst wurde. Und getreu dem Motto „Geschichte wiederholt sich“, passiert dasselbe gerade im Fall R1234yf. Zudem darf man eines in dem Kontext auch nicht außer Acht lassen: „Pecunia non olet“, wie die Römer sagten (Geld stinkt nicht), und Industrielobbyismus wirkt auch in Brüssel und darüber hinaus. Wir erinnern uns: Während der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sich 2005/2006 für CO2 (R744) als neues Kältemittel aussprach, entschied sich der Rest der Autobauerwelt mit tatkräftiger Unterstützung der Erfinder von R1234yf für genau dieses.