Besuch aus dem hohen Norden

Autor / Redakteur: Hasso Jacoby / Silvia Lulei

25 Händler aus Norwegen wollten in Sachen Gebrauchtwagengeschäft dazu lernen und besuchten zwei deutsche Autohäuser.

Im März machten 25 Inhaber und Verantwortliche für das Gebrauchtwagengeschäft in norwegischen BMW-Autohäusern eine Bildungsreise nach Deutschland. Sie wollten dazulernen in Sachen Gebrauchtwagengeschäft und besuchten zwei deutsche Autohäuser. Die Reisegruppe um Leif Johansen, Direktor für das Gebrauchtwagengeschäft bei BMW Norwegen, war zu Gast bei der BMW-Niederlassung Dreieich in Frankfurt und beim Volkswagen-Gebrauchtwagenzentrum der Schultz-Gruppe auf der Automeile in Düsseldorf.

Jörg Persigehl, Mitarbeiter der Strategie- und Unternehmensberatung für das Gebrauchtwagengeschäft CGP aus Olpe, begleitete die Skandinavier und weiß: „Der norwegische Markt hat im Gebrauchtwagengeschäft noch eine Menge nachzuholen. In einigen Bereichen gibt es große Defizite.“

Norweger verdienen weniger Geld mit Gebrauchten

Persigehl, der hauptsächlich in Skandinavien arbeitet, erklärte, warum die norwegischen Händler auf eine Stippvisite kamen: „Primär geht es darum, dass die Norweger verstehen wollen, wie in Deutschland das Gebrauchtwagengeschäft funktioniert. Sie wollen etwas über unser Bestandsmanagement lernen und wie der Einkauf verbessert werden kann. Auch am Marketing sind sie stark interessiert und an den betriebswirtschaftlichen Abläufen. Denn mit Gebrauchten wird in Norwegen nicht so viel Geld verdient.“

In Norwegen leben rund 4,7 Millionen Menschen, die 1,9 Millionen Autos besitzen. Da dort keine Fahrzeuge produziert werden, sind die Bewohner auf Importe angewiesen. Johansen erläuterte die norwegischen Besonderheiten: „Wir haben ein hohes Preisniveau, da die Importsteuer extrem hoch ist. Ein Neuwagen kostet in Norwegen im Vergleich zum Deutschland rund das Doppelte. Gebrauchtfahrzeuge sind etwas günstiger.“

Seit Anfang 2007 ist in Norwegen eine neue Steuer in Kraft, die sich am CO2-Ausstoss der Fahrzeuge orientiert. Auch der Spritpreis liegt deutlich über dem deutschen Niveau. „Deshalb sind jetzt verstärkt Autos mit kleineren Motoren gefragt, die einen Hubraum von 1,6 bis 2,0 Liter haben“, klärt Johansen auf. „Darüber hinaus beträgt heute schon der Dieselanteil über 50%. Die Norweger sind beim Autokauf sehr preisbewusst und achten stark auf die Verbrauchswerte des Fahrzeugs.“

Noch zu sehr auf das Neuwagengeschäft fixiert

Der deutsche Markt ist für die norwegischen Händler wichtig. Johansen meinte denn auch, dass die Norweger von den deutschen Händlern zwar in erster Linie lernen möchten, aber genauso interessant sei es auch, Geschäftskontakte zu knüpfen. Johansens Fazit von dem Kurzbesuch war zufriedenstellend: „Wir haben in den drei Tagen viel über den deutschen Markt und das Gebrauchtwagengeschäft gelernt. Die norwegischen Autohändler sind noch zu sehr auf das Neuwagengeschäft fixiert. Bei den Gebrauchten gibt es viel Nachholbedarf. Wir haben uns auf jeden Fall zahlreiche neue und wichtige Anregungen geholt.“ Diesem positiven Urteil stimmte die Gruppe zu. Ole Solberg vom Telemark-Autohandel aus Skien war beeindruckt von der Professionalität: „Trotz unseres kurzen Aufenthalts hier nehme ich eine Menge mit. Das Gebrauchtwagengeschäft kann ein eigenes, funktionierendes Profit-Center sein, in Norwegen ist er meist nur reiner Abverkauf. Wenn man es richtig macht, kann man mit Gebrauchtwagen richtig viel Geld verdienen.“

Auch Thomas Nissen, Besitzer eines Autozentrums in Oslo, das pro Jahr 700 Neu- und 600 Gebrauchtwagen verkauft, hat dazugelernt: „Das Gebrauchtwagengeschäft ist viel bedeutender als in Norwegen. Struktur und Logistik sind überhaupt nicht mit meiner Heimat zu vergleichen. Dort ist alles eine Nummer kleiner. Ich habe bei unserer Reise einiges gelernt, beispielsweise in Sachen Preisstrategie. In Zukunft werde ich in Norwegen die Gebrauchtwagen zunächst teurer anbieten und erst nach längerer Standzeit mit dem Preis runtergehen.“

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