Blitzübernahme mit gutem Ende

Autor / Redakteur: Stephan Richter /

Das Autohaus Widmann aus Aalen setzt nach der Übernahme von vier Betrieben auf neue Führungskräfte und einheitliche Prozesse. Das soll für Sicherheit für die Mitarbeiter sorgen.

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Die Autohaus Widmann GmbH hat 2003 vier Standorte des insolventen Unternehmens Lindners & Möstel in der Oberpfalz übernommen. Die Autohäuser in Amberg, Weiden, Eschenbach und Vohenstrauß waren und sind bis heute reine Mercedes-Benz-Betriebe für Pkw und Lkw. Geschäftsführer Bruno Widmann definierte sein Ziel von Anfang an sehr klar: „Wir wollten im ersten Quartal nach der Übernahme wirtschaftliche Erfolge erzielen, um nicht unsere Substanz zu gefährden.“ Lindner & Möstel stellte im April 2003 den Insolvenzantrag, arbeitete noch ein paar Monate weiter, bevor das Unternehmen vier Wochen schließen musste. Seit September 2003 laufen nun alle vier Standorte unter der Widmann-Flagge. Die Blitzübernahme begann mit einer kleinen Frage.

Keine Fusion

Die Mercedes-Benz Vertriebsorganisation Deutschland (MBVD) legte es dem Widmann-Stammhaus in Aalen nahe, über eine Fusion mit den Mercedes-Benz-Partnern vor Ort, Schreiner & Wöllenstein und der Hirschvogel GmbH, nachzudenken. Das dadurch entstandene Unternehmen sollte dann die vier Standorte retten. Die Fusionsidee war schnell vom Tisch und Widmann übernahm die Betriebe allein. „Wir wollten schnell aktiv werden und entscheidungsfähig sein“, erklärt Bruno Widmann.

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Zusammen mit dem Insolvenzverwalter, dem eigenen Steuerberater und der Bereichsverantwortlichen der MBVD erarbeitete Widmann ein Konzept, um die Betriebe neu auszurichten. Hierfür standen die Verkaufszahlen, das Marktpotenzial, die Werkstattzahlen und noch weitere Daten zur Verfügung.

Von den 180 Mitarbeitern konnten 150 übernommen werden, wobei Widmann die komplette Führungsebene austauschte und durch bestehendes Personal aus seinem Unternehmen ersetzte. „Der Markt war vorhanden, der Lkw-Bereich im Wachstum und die Kunden neugierig. Jetzt lag es an uns, den Mitarbeitern vor Ort Sicherheit zu bieten“, erklärt Widmann die damalige Situation.

Der gesamte Ablauf der Insolvenz sei für die Mitarbeiter sehr tragisch gewesen, habe sie stark verunsichert und mit Sorge erfüllt. Daher machte Widmann einen Schlussstrich unter die Vergangenheit und konzentrierte sich darauf, die Geschäftsprozesse in den insolventen Betrieben mit denen in seinen bestehenden Unternehmen abzugleichen.

Perspektiven bieten

„Es war wichtig, Zukunftsperspektiven zu bieten und sich auf keine Experimente einzulassen. Die Übernahme war ein Risiko, das wir nicht auf die leichte Schulter genommen haben“, sagt Widmann weiter: „Die Zeit war damals sehr hektisch. Innerhalb von zwei Tagen räumten wir die Bestände im Ersatzteillager, um keine Altlasten tragen zu müssen. Danach füllten wir die Regale neu.“

Als Vorteil stellte sich heraus, dass die Mercedes-Benz-Bank mit der Situation vertraut war, die Risiken einschätzen konnte und darüber hinaus die MBVD ein großes Interesse daran hatte, die Standorte zu erhalten. Daher verlief die Finanzierung reibungslos. Auch die Tatsache, dass es sich um reine Mercedes-Benz-Betriebe handelte, erwies sich als günstig, da die Übernahme nur mit einem Hersteller zu klären war.

Kaufen, mieten, bauen

Widmann kaufte die Betriebe in Weiden und Vohenstrauß und mietete die Gebäude und das Grundstück in Amberg und Eschenbach von den ehemaligen Besitzern. Vor zwei Jahren baute Widmann einen neuen Werkstattbereich am Standort in Weiden.

Laut Widmann sei der Markt vor Ort sehr schwierig, da es sich um ein großes Verkaufsgebiet handelt. Daher befinden sich die vier Standorte auch sechs Jahre nach der Übernahme noch im Aufbau. „Unsere Ansprüche sind sehr hoch. Wir haben zwar das Ziel erreicht, gut zu wirtschaften, arbeiten aber weiter nachhaltig an unserem Erfolg. So eine Übernahme geht nicht von heute auf morgen vonstatten“, erklärt Widmann. Zwar liegt der Marktanteil durch das schwierige Verkaufsgebiet noch unter dem bundesweiten Durchschnitt, dafür konnte das Unternehmen die Kundenzufriedenheit seit der Übernahme erhöhen.

„Für ein Unternehmen von einer gewissen Größe ist so eine Übernahme in normalen Zeiten gut zu meistern. Wir waren selbstsicher und hatten keinen Rückzugsplan in der Tasche. Derzeit wäre dieses Vorhaben wahrscheinlich wesentlich schwieriger“, lautet Widmanns Fazit.

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