Im 430d lebt sie noch, die alte Sechszylinder-Herrlichkeit der Bayerischen Motorenwerke. Der ebenso starke wie laufruhige Motor dominiert den Fahreindruck mit dem luxuriösen Coupé, bei dem fast nichts von der Freude am Fahren ablenkt.
Die BMW-4er-Baureihe der Modellgeneration G22, erkennbar an dem mächtigen Kühlergrill in Nierenform, wird seit 2020 produziert.
(Bild: Rosenow – »kfz-betrieb«)
Sechs Zylinder in Reihenanordnung, Twinpower-Stufenaufladung, 210 kW/286 PS Leistung und ein Drehmoment von urgewaltigen 650 Newtonmetern. Schon die nackten Fakten machen Vorfreude, doch in Fahrt wird diese vom BMW 430d noch einmal weit übertroffen. Vielleicht, weil im Hinterkopf das Bewusstsein mitfährt, dass es solche Motoren bald nicht mehr geben wird.
Der Diesel schöpft seine Leistung allein aus dem Hubraum, der hoch entwickelten Einspritztechnik (Piezo-Injektoren mit einem maximalen Einspritzdruck von unglaublichen 2.700 bar) und der zweistufigen Aufladung, bei der die variable Turbinengeometrie der Niederdruckstufe für einen besonders schnellen Ladedruckaufbau sorgt. Hier bewirkt kein Plug-in-Hybrid elektrisch unterstützte Fabelwerte, die aber nur für 30 Kilometer zur Verfügung stehen, bevor es mit der halben Leistung müde weitergeht.
Fairerweise nicht unerwähnt lassen dürfen wir den Beitrag des 48-Volt-Startergenerators. Er steuert beim Beschleunigen immerhin 8 kW/11 PS Leistung und ein bisschen Drehmoment bei. Seine größte Leistung ist aber zweifellos, dass er den Motor beim Losfahren in Sekundenbruchteilen und fast ohne Ruckeln wieder anwirft.
E-Autos sind noch schneller – aber nicht sehr lange
Im perfekten Zusammenspiel des Motors mit dem blitzschnell und vollkommen ruckfrei schaltenden Achtgang-Automatikgetriebe von ZF und dem traktionsfördenden Allradantrieb (Serie beim 430d) beschleunigt das 1.855 Kilogramm schwere Coupé in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist ein echter Sportwagenwert. Leistungsstarke Elektroautos wie der zur gleichen Modellfamilie G22 gehörende i4 schaffen es zwar noch flinker und sind vor allem beim Anfahren spontaner, aber die pure Lust, mit der der Turbodiesel auch bei Autobahntempo noch voranstürmt, können auch diese oft nicht bieten – und vor allem nicht sehr lange.
Der 430d hingegen würde den ganzen Tag lang 200 fahren, wenn nötig. Die Drehzahl beträgt selbst bei diesem Tempo weniger als 3.000 min-1, der Verbrauch pendelt sich um die sieben Liter ein, und vom Motor ist außer einem leicht rauchigen Hintergrundmurmeln nichts zu hören. Auch Verbräuche unter sechs Litern sind leicht möglich, und sogar dann ist man nicht langsam unterwegs. Oh nein.
Wofür brauchen wir jetzt noch mal Elektroautos? Ach ja, die CO2-Emission. Also, wer jetzt noch an der Notwendigkeit zweifelt, endlich Produktionskapazitäten für E-Fuels aufzubauen, der sollte einmal BMW 430d fahren und sich ernsthaft fragen, ob wir diese Antriebsqualität wirklich aufgeben müssen.
Cockpit noch mit I-Drive-Controller
BMW-typisch sitzt man im 4er sehr tief und gut integriert, die Sitze stören jedoch durch eine schmal geschnittene und sehr harte Sitzfläche. Die Rückenlehne hingegen stützt mit ihren Seitenwangen auch bei schneller Kurvenfahrt sehr gut, ohne den Fahrer über Gebühr einzuengen.
Beim Blick nach vorn registriert der Fahrer erfreut die BMW-Cockpit-Gestaltung der vorletzten Generation, mit I-Drive-Controller, haptischen Favoritentasten für das Entertainment sowie einem eigenen Tastenfeld für die Klimaanlage. Den klassischen Eindruck stören bloß die eckigen, gegenläufigen Skalen für Tacho- und Drehzahlmesser. Auch das Lenkrad hätte einen etwas schlankeren Kranz verdient gehabt – nicht jeder hat die Pranken eines bayerischen Holzfällers.
Dafür macht es die Lenkung dem Fahrer in Fahrt schön leicht, denn zum M-Sport-Paket des Testwagens gehörte eine variable Lenkübersetzung. Im Stadtverkehr und auf engen Kurvenstraßen ist kaum je ein Umgreifen am Lenkrad nötig. Auf der Autobahn hingegen verkleinert sich die Übersetzung, und der Wagen fährt so satt und sicher geradeaus wie eine Luxuslimousine mit einem Profichauffeur am Steuer. Der Spurhalteassistent muss kaum je eingreifen und hält sich dezent im Hintergrund – anders als bei vielen anderen Fahrzeugen.
81.000 Euro und keine Rückfahrkamera
Andere Fahrerassistenzsysteme hingegen glänzen nicht mit ihrer Funktion, sondern mit ihrer angesichts der Fahrzeugklasse verblüffenden Abwesenheit. So fehlte dem Testwagen beispielsweise ein adaptiver Tempomat, ein Spurwechselassistent (Seitenradar) und sogar die Rückfahrkamera. Angesichts eines Preises von über 81.000 Euro ist das mehr als überraschend, zumal BMW das Fahrzeug nach seiner Karriere als Testwagen ja sicher auch vermarkten will. Oder macht sich hier die Knappheit an elektronischen Bauelementen bemerkbar?
Stand: 08.12.2025
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Aber man kann den Mangel an Fahrerassistenz ja auch positiv sehen – der 4er lieferte nämlich „Freude am Fahren“ in ihrer ursprünglichen Form ohne elektronische Bevormundung. Wobei wir hier nicht in plumpes Hightech-Bashing nach dem Motto „Früher war alles besser“ verfallen wollen. Denn: Ohne mechatronische Komponenten ließe sich auch das formidable adaptive Fahrwerk des 4ers nicht umsetzen, und das wäre echt schade, bietet es doch eine gut spürbare Spreizung zwischen den einzelnen Fahrmodi. Auf Knopfdruck wechselt die Dämpfung von sportlicher Straffheit zu gediegenem Komfort. Selbst die herben Stöße auf Plattenautobahnen kommen nicht mehr durch.
Der BMW 430d X-Drive Coupé ist ein BMW, der die klassischen Markentugenden verkörpert wie kaum ein anderer Wagen der Münchener Marke. Zum Erlebnis dazu gehören natürlich auch die sportlichen Preise: Zwar wirkt der Grundpreis für den Sechszylinder-Diesel mit exakt 60.000 Euro noch vergleichsweise moderat (vor allem angesichts elektrischer Konkurrenten). Durch diverse Ausstattungspakete und viel M-Zierrat kamen aber noch gut 20.000 Euro an Aufpreis hinzu.