Hohe Investitionen, eine lahmende Konjunktur und globale Risiken – die BMW Group will im laufenden Jahr trotzdem gut verdienen. Neue Gewinnrekorde plant der Autobauer allerdings nicht.
(Bild: BMW)
Die BMW Group rechnet im laufenden Jahr mit rekordhohen Investitionen in künftige Modelle und Technik. Diese Entwicklung werde voraussichtlich zu Lasten der Profitabilität gehen, teilte der Autobauer am Donnerstag in München mit. Die Auto-Auslieferungen sollen dieses Jahr zudem nur leicht zulegen. Das bedeutet bei BMW ein Plus zwischen einem und fünf Prozent. Die vollelektrischen Autos, aber auch Luxusmodelle werden dabei den Planungen zufolge die Wachstumstreiber sein.
BMW hat im vergangenen Jahr 2,55 Millionen Autos verkauft, 155,5 Milliarden Euro Umsatz und 17,1 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern erwirtschaftet. Der Autoabsatz soll dieses Jahr leicht zulegen. Als Ergebnismarge im Kerngeschäft peilt BMW laut Finanzvorstand Walter Mertl zwischen acht und zehn Prozent vom Umsatz an, nach 9,8 Prozent im vergangenen Jahr. Zum Gewinnrückgang dürften auch die weiter sinkenden Gebrauchtwagenpreise beitragen, sagte Mertl. Damit sinke das Ergebnis im Leasinggeschäft.
Die Investitionen und Leistungen für Forschung und Entwicklung würden „auf ein neues Niveau ansteigen“, sagte Finanzchef Walter Mertl laut Mitteilung. Die Investitionsquote soll auf mehr als 6 Prozent wachsen, die Quote für Forschung und Entwicklung auf mehr als 5 Prozent. „Beide Kennzahlen werden danach wieder in den jeweiligen strategischen Korridor zurückkehren“, sagte Mertl weiter. Der freie Mittelzufluss im Autogeschäft soll mehr als sechs Milliarden Euro betragen, nach 6,9 Milliarden im vergangenen Jahr.
Auf Kurs mit der „Neuen Klasse“
Bei der Jahrespressekonferenz präsentierte BMW sein erstes SUV-Visionsfahrzeug auf der Neue-Klasse-Plattform. Das Auto soll nächstes Jahr im neuen ungarischen Werk Debrecen vom Band laufen. Vorstandschef Oliver Zipse sagte, die Neue Klasse sei „die Neudefinition der Marke BMW“.
Entwicklungsvorstand Frank Weber sagte, für die Kunden bedeute sie 30 Prozent mehr Reichweite und 30 Prozent schnelleres Ladetempo im Vergleich zu einem heutigen Elektro-BMW, für das Unternehmen gut 40 Prozent niedrigere Kosten für den Antriebsstrang. Die Architektur für batterieelektrische Autos (BEV) werde auch für die künftigen Verbrenner verwendet. Das Bordnetz sei identisch. Statt Dutzenden von Steuergeräten gebe es jetzt nur noch vier, die in alle Neue-Klasse-Autos eingebaut würden.
Für die Neue Klasse stemme BMW die größte Investition der Unternehmensgeschichte mit dem Ziel, mit den E-Autos bei Kosten und Profitabilität auf das Niveau eines Verbrenners zu kommen. Das könnte Ende des Jahrzehnts erreicht werden, sagte Weber. Allerdings müssten sich auch die Rohstoffpreise „in normalen Bahnen bewegen“. Was Lithium und andere Batterierohstoffe in zwei Jahren kosten, wisse niemand.
Zur Frage nach dem Ende des Verbrenners sagte Weber, für Autokäufer seien die Reichweite der Elektro-Fahrzeuge und vor allem das Laden die größten Hürden. Inzwischen gebe es E-Auto-Kunden, die zum Plug-in-Hybrid zurückkehrten. Für den erfolgreichen Umstieg seien die Ladeinfrastruktur, Grünstrom für den Bau und den Betrieb der Autos sowie ein Recycling der Batterierohstoffe notwendig. Das werde nicht über Nacht geschehen. Zipse ergänzte mit Blick auf die EU-Vorgaben, Ziel aller Aktivitäten müsse maximale Klimawirkung sein, nicht eine bestimmte Technologie. Mitunter werde aber „fast schon ideologisch argumentiert“.
Steigender Marktanteil im BEV-Segment
BMW will 2024 im Autogeschäft seine langfristig anvisierte strategische Marge vor Zinsen und Steuern zwischen acht und zehn Prozent erreichen. Vergangenes Jahr lag sie bei 9,8 Prozent nahe dem oberen Ende der Spanne. Analysten hatten bislang mit einem Wert von gut neun Prozent für das neue Jahr gerechnet. Der Vorsteuergewinn dürfte leicht zurückgehen.
Finanzchef Mertl erläuterte, neben dem Autowerk Debrecen und den vier Batteriemontagewerken führten auch die Erweiterung des Werkes München und die Elektrifizierung des Mini-Werkes in Oxford zu dem Höchststand der Investitionen. Beim Absatz erwartet BMW die Elektro- und die Luxusautos als Treiber mit zweistelligen Wachstumsraten. Der Konzern hat 15 BEV-Modelle im Angebot und will dieses Jahr mehr als eine halbe Million BEV-Autos verkaufen. Den von der EU vorgeschriebenen CO2-Flottenwert von 128,5 Gramm CO2 je Kilometer hat BMW im vergangenen Jahr mit 102,1 Gramm um über 20 Prozent unterboten. Weltweit hat BMW einen Marktanteil von 3,3 Prozent, bei den vollelektrischen Autos kommen die Münchner aber schon auf 4,1 Prozent.
Stand: 08.12.2025
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