BMW „Heart of Joy“ Zentralrechner macht Bremsen überflüssig

Von Sven Prawitz 2 min Lesedauer

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Die Entwickler von BMW machen die Reibbremse im E-Auto überflüssig. Ein neues Steuergerät vereint sämtliche Antriebs- und Fahrdynamikaufgaben. Dadurch könne fast ausschließlich durch Rekuperation gebremst werden.

BMW hat erste Funktionen seines Konzeptfahrzeugs „Vision Driving Experience“ für die Automesse in Schanghai (April 2025) vorgestellt.(Bild:  Tom Kirkpatrick/BMW AG)
BMW hat erste Funktionen seines Konzeptfahrzeugs „Vision Driving Experience“ für die Automesse in Schanghai (April 2025) vorgestellt.
(Bild: Tom Kirkpatrick/BMW AG)

BMW hat zwei Monate vor der Messe „Auto Shanghai“ ausgewählten Journalisten sein Konzeptfahrzeug „Vision Driving Experience“ vorgestellt – in China wird es einen zentralen Platz auf der Ausstellungsfläche des OEM einnehmen. Das Fahrzeug selbst werde zwar nicht in Serie gehen, der verbaute Zentralrechner komme jedoch mit dem ersten Modell der „Neuen Klasse“ auf den Markt: mutmaßlich ein SUV im Format eines iX 3.

Das nun vorgestellte Konzeptfahrzeug ist mehr ein Technikträger für wichtige Elektronik- und Softwaresysteme. Künftig wird es in der E/E-Architektur von BMW vier zentrale Steuereinheiten geben, je eine für:

  • das automatisierte und hochautomatisierte Fahren,
  • Infotainment,
  • Basisfunktionen wie Klima & Komfort, Fahrzeugzugang, Innen- und Außenbeleuchtung zuständig und
  • Antriebs- und Fahrdynamikregelung

Zentralrechner „Heart of Joy“

Der letztgenannte Rechner bündelt laut Unternehmensangaben die Aufgaben von vier einzelnen Steuergeräten. BMW nennt den Hochleistungsrechner „Heart of Joy“. Er wird in jedes vollelektrische Fahrzeug der Neuen Klasse verbaut und soll den Kunden BMW-typische Fahreigenschaften bieten. Das neue Steuergerät vereinige bei BMW zum ersten Mal Antriebs- und Fahrdynamikfunktionen. Dabei steuert die Einheit das Beschleunigen und Bremsen, die Fahrzeugstabilisierung sowie fahrdynamische Lenkungsfunktionen und das Lademanagement.

Außerdem hebe die Software, gepaart mit der Rechenleistung, die Effizienz auf ein neues Niveau, betont Frank Weber, Entwicklungsvorstand der BMW AG. Ihm zufolge könnten die Fahrzeuge damit fast ausschließlich über die Rekuperation bremsen. Bremsscheiben, -backen und deren Peripherie werden für Notfälle und die Redundanz zwar noch gebraucht (und verbaut), im Alltag werden sie wohl nicht mehr benötigt. 98 Prozent der Fahrer benötigen dann keine Eingriffe der klassischen Bremse mehr, schreibt der OEM.

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Elektroniksystem reagiert zehnmal schneller

Das werde möglich, so BMW, weil das zentrale Steuergerät Informationen für Antrieb, Bremsen, Laden, Rekuperation und Teilfunktionen der Lenkung zehnmal schneller als bisherige Systeme verarbeiten könne. Das Zusammenspiel des elektronischen Nervensystems mit der Software „Dynamic Performance Control“ wird im oben genannten Entwicklungsfahrzeug getestet. Das Antriebssystem entwickelt 18.000 Newtonmeter Drehmoment.

Unter diesen extremen Last- und Fahrszenarien sollen die neue Hard- und Software zeigen, dass das Zusammenspiel von Sensoren, Steuereinheit und Aktuatoren mit minimalen Verzögerungen funktioniert. BMW nennt Latenzzeiten im Millisekundenbereich. Nur durch die gebündelte Steuerfunktion könne ein Elektroauto sein volles Potenzial ausschöpfen, heißt es weiter.

Bei den Fahreigenschaften verspricht der Hersteller eine präzise Lenkung, bei der weniger Regeleingriffe durch den Fahrer notwendig seien. Das Kurvenverhalten werde reproduzierbar.

Seine Weltpremiere feiert der momentan noch getarnte „Vision Driving Experience“ auf der Automesse in Schanghai (ab 23. April 2025).

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