Bob Lutz: Autonomes Fahren zerstört die Autobranche

Autor: Christoph Seyerlein

Ex-GM-Chef Bob Lutz sieht düstere Zeiten auf die Autobranche zukommen. Mit dem autonomen Fahren würden Hersteller und Händler überflüssig, deren jetzige Vormachtstellung hätten schon in 20 Jahren Fahrdienstleister wie Uber oder Lyft inne.

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Bob Lutz sieht die automobile Zukunft düster.
Bob Lutz sieht die automobile Zukunft düster.
(Bild: General Motors)

Bob Lutz ist für markige Worte bekannt. In einem Gastbeitrag mit dem Titel „Kiss the good times goodbye“ – zu deutsch in etwa: „Nehmt schon einmal Abschied von den guten Zeiten“ – für das Fachmagazin „Automotive News“ hat der ehemalige Chef von General Motors nun seine Visionen für die Zukunft der Autobranche geschildert. Und die sehen düster aus.

Glaubt man Lutz, wird das autonome Fahren innerhalb der nächsten 20 Jahre das Ende der automobilen Welt, wie wir sie heute kennen, mit sich bringen. Hersteller, Händler, Zulieferer, aber auch branchenbegleitende Fachmedien – sie alle werden in naher Zukunft mehr oder weniger irrelevant, schreibt der 85-Jährige.

Entscheidend dabei sei, dass Menschen ihr Auto selbst gar nicht mehr fahren dürften, sobald autonome Fahrzeuge sich durchgesetzt hätten. Lutz sieht diesen Punkt kommen, sobald 20 bis 30 Prozent aller Fahrzeuge auf den Straßen vollautonom sind. „Die Länder werden dann die Unfallstatistiken analysieren und feststellen, dass Menschen für 99,9 Prozent aller Unfälle verantwortlich sind“, so Lutz. Die logische Folge sei, dass die Gesetzgeber den Bürgern verbieten würden, ihre Autos selbst zu steuern. „Natürlich wird es eine Übergangsphase geben. Jeder wird fünf Jahre Zeit bekommen, sein Auto von der Straße zu nehmen oder es für Schrott zu verkaufen.“

Dieser Prozess wiederum führe dazu, dass niemand mehr ein eigenes Auto besitzen wolle, ist sich Lutz sicher. Stattdessen werde sich jeder nur noch in standardisierten, autonomen Modulen chauffieren lassen wollen. Lutz erwartet, dass damit die große Stunde von Fahrdienstleistern wie Uber oder Lyft schlägt. „Ihnen werden diese Module gehören. Auf den Modulen wird kein Chevrolet-, Ford- oder Toyota-Logo zu sehen sein.“ Auch Amazon hat Lutz als großen Mobilitäts-Player der Zukunft auf dem Zettel, „die werden einige der Fahrdienstleister aufkaufen“, ist er sich sicher.

Die Hersteller jener Module werden laut Lutz lediglich den Fahrdienstleistern zuliefern. „Aber dort wird nicht das große Geld fließen. Das eigentliche Geschäfte werden die Unternehmen mit den vollautonomen Flotten diktieren.“ Schlaue Hersteller würden sich daran anpassen und selbst aktiv werden. Ein gutes Beispiel sei General Motors mit seinem Carsharing-Angebot Maven, auch die GM-Beteiligungen an Cruise Automation und Lyft hält Lutz für sinnvoll.

„Todesstoß für BMW, Mercedes-Benz und Audi“

Zwar werde es je nach Bedarf völlig unterschiedlich ausgestattete Module geben, die Leistung der Fahrzeuge wird in Lutz' Augen aber keine Rolle mehr spielen. „Alle Autos werden dieselbe Leistung haben, weil niemand mehr ein anderes Fahrzeug überholen will.“ Oder einfach gesprochen: Lutz erwartet einen Straßenverkehr wie auf Schienen. „Das ist der Todesstoß für Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Audi. Ihre Vorteile bei der Performance werden bald nichts mehr wert sein“, schreibt Lutz.

Auch den Händlern bescheinigt der 85-Jährige keine große Zukunft. „Ein paar Händler werden als Vermittler von personalisierten Modulen für Kunden mit Extrawünschen überleben.“ Autohäuser werden dem ehemaligen GM-Chef zufolge aber ein Nischendasein fristen. „Ich gebe dem Autohandel noch 10, vielleicht 15 Jahre“, so Lutz. „Die Ära der von Menschen gesteuerten Automobile, ihrer Werkstätten, ihrer Autohäuser und der Medien, die sie begleiten – das alles wird es in 20 Jahren nicht mehr geben“, schließt Lutz.

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Fachredakteur Next Mobility