Branche muss sich der E-Mobilität stellen

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Christoph Baeuchle

Elektromobilität ist keine Zukunftsvision, sondern längst Teil der Gegenwart. Darauf muss sich das Kfz-Gewerbe einstellen, wie die Referenten beim Innungsforum Technik in Saarbrücken forderten.

Bosch-Manager Daniel Thull: E-Mobilität ist keine Vision, sondern längst Realität. (Foto: LV Saarland)
Bosch-Manager Daniel Thull: E-Mobilität ist keine Vision, sondern längst Realität. (Foto: LV Saarland)

Das E-Auto ist Realität, und wenn die Branche wie bisher Vertrieb und Service in der Hand behalten will, muss sie sich den Herausforderungen stellen: Sie muss ihr Geschäftsmodell mit neuen Ideen ergänzen und an die Situation anpassen. Zu diesem Resümee kamen die rund 250 Teilnehmer und Referenten des ersten Innungsforums Technik. Veranstaltet hat es der Kfz-Landesverband Saarland unter dem Motto „E-Mobilität – Wann geht´s denn endlich los?“

E-Mobilität sei in der Zukunft alternativlos, betonte Friedbert Pautzke. Seine Überzeugung begründete der Chef des Instituts für Elektromobilität der Hochschule Bochum mit der globalen Mobilitätsentwicklung: Allein wegen der Größe und der damit verbundenen Bedeutung der asiatischen Märkte würde die dortige Technologieentwicklung auch maßgeblich für Europa sein. Als weitere Treiber der E-Mobilität nannte Pautzke Aspekte wie Umweltverträglichkeit, lokale Emissionsfreiheit, geringe Lärmbelastung durch E-Fahrzeuge und die vergleichsweise hohe Energieeffizienz. Pautzke scheute sich auch nicht, auf mögliche Veränderungen für Unternehmen des Kfz-Gewerbes im Vertrieb und der Wartung der Fahrzeuge hinzuweisen und den Markteintritt Dritter zu prophezeien.

Dass die Darstellungen des Bochumer Forschers keine Elfenbeinturmspinnereien sind, merkten die Teilnehmer des Forums spätestens beim Beitrag von Daniel Thull. Aus Sicht des Projektleiters für zentrale Forschung des Stuttgarter Zulieferers Bosch ist E-Mobilität keine Vision, sondern längst Realität. 2020 erwarte Bosch die weltweite Produktion von rund 19 Millionen Fahrzeugen mit alternativem Antrieb, davon neun Millionen Hybride und reine E-Fahrzeuge. Bosch sei 2005 massiv in die Produktentwicklung eingestiegen und habe fünf Jahre später die Massenfertigung von Paralell-Hybrid-Systemen für Porsche Cayenne und VW Touareg begonnen. Die E-Kompetenz von Bosch erstrecke sich mittlerweile von der Batterie über den E- Motor, die Aufladetechnik, den Umwandler, regenerative Bremstechnik, das Thermomanagement für Batterie und Fahrzeug bis hin zur Diagnosetechnik für die Werkstätten.

Beide Referenten verwiesen darauf, dass man sich bei der Fahrzeugkonzeption nicht darauf beschränken könne, den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor zu ersetzen. Fahrzeugdesign und Fahrdynamikeigenschaften könnten durch radnahe und dezentrale Anordnung mehrerer E-Motoren völlig anders gestaltet werden. Beide waren sich auch darin einig, dass die E-Mobilität mit ganz neuen Anforderungen an die Automobilinformatik einhergehen werde. Beispielsweise würden Daten der Navigationssysteme dazu genutzt, energieoptimale Fahrtrouten zu planen und so die bestmögliche Nutzung der Energiespeicher zu gewährleisten.

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