Brembo: Zement gegen Feinstaub
Bremsbeläge bestehen aus einem Mix verschiedenster Materialien wie Kupfer, Mineralfasern, Graugusspulver und vielem mehr – die genaue Rezeptur hält jeder Hersteller geheim. Einzige Gemeinsamkeit war bisher das Bindemittel Phenolharz.
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Brembo entwickelt den „Bremsstein“ von morgen: Unter der Federführung des italienischen Bremsenspezialisten arbeiten im Rahmen des Cobra-Projekts Forscher des Zementherstellers Italcementi, eines Biomedizinischen Instituts und eines Technologietransferunternehmens an einem neuen, umweltfreundlichen Bindemittel für Bremsbeläge. Bisher dient wärmeaushärtendes Phenolharz als Bindemittel für die verschiedenen Materialien, aus denen sich Bremsklötze zusammensetzen.
Für die Herstellung des Harzes wird jedoch immens viel Wasser verbraucht (fast 300 Liter pro Kilogramm Harz) – ein Binder auf Zementbasis könnte diesen Verbrauch um 99 Prozent senken. Darüber hinaus trägt das Harz maßgeblich zur Luftverschmutzung mit Partikeln der Größenklasse PM 0,1 (Ultrafeinstaub) bei.
Sekundäre Feinstäube entstehen im Feld (in situ) aus einer Gas-Partikel-Umwandlung in der Atmosphäre. Leichtflüchtige organische Kohlenwasserstoffe (VOC = volatile organic compounds), die beim Bremsen mit herkömmlichen phenolharzgebundenen Bremsbelägen entstehen, sind mitverantwortlich für deren Bildung. Cobra-Bremsbeläge vermeiden während der Bremsvorgänge die Entstehung der VOC und somit eines Teils der sekundären Feinstäube.
Ob dadurch auch die optische Verschmutzung der Felgen abnimmt, wollte der Hersteller im Vorhinein nicht bestätigen. Damit verbundene Feldversuche sind aber ebenfalls Teil des Projekts.
Erreichen die Forscher tatsächlich das avisierte Ziel, würde der fast vergessene (und fachlich bisher auch falsche) Branchenjargon-Ausdruck „Bremsstein“ endlich Sinn ergeben.
Die Europäische Union fördert Cobra im Rahmen des „Life+“-Programms mit einem Beitrag in Höhe von 1,48 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Projektkosten auf 3,8 Millionen Euro.
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