Buchführung: „Einer für alle“

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle und Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Die Hersteller haben zusammen mit der Datev einen gemeinsamen Kontenrahmen für die Buchführung in Autohäusern entwickelt.

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„Die Buchhaltung muss stimmen und Fehler dürfen keine vorkommen.“ Das ist die Anweisung, die die meisten Buchhalter von ihren Chefs im Autohaus bekommen.

Nur manchmal ist das leichter gesagt als getan. Denn die Mitarbeiter in den vielen Mehrmarken-Autohäusern müssen ein besonderes Problem schultern: Jedes Fabrikat hat heute seinen eigenen Kontenrahmen, der sich meist deutlich von dem anderer Marken unterscheidet. Fehler sind damit vorprogrammiert. Dieses Szenario gehört aber bald der Vergangenheit an, denn das gesamte Kfz-Gewerbe soll einen einheitlichen Branchenkontenrahmen erhalten. Mehr als 20 Hersteller und Importeure haben diesen zusammen mit dem IT-Dienstleister Datev entwickelt.

Beim ZDK kommt die Initiative der Hersteller und Importeure, allen voran Volkswagen, gut an. „Wir begrüßen und unterstützen die Pläne für einen einheitlichen Branchenkontenrahmen“, sagt ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann. „Das halten wir für den richtigen Weg.“

Ein gemeinsamer Kontenrahmen führt zur Vereinfachung der Buchhaltung und zu mehr Transparenz. Vor allem die vielen Mehrmarken- und Gruppenbetriebe können nun ihr Rechnungswesen durchsichtiger gestalten – das Controlling hat es somit leichter.

Komplizierte Buchungssysteme

Bisher verwendet jeder Hersteller seinen eigenen, teilweise über 50 Jahre alten Kontenrahmen. Als Basis für diese Kontenrahmen dienen der Standardkontenrahmen SKR 93 bei Renault, Nissan, Citroën, Mercedes und Hyundai, während Mazda, Honda und teilweise Toyota den SKR 03 nutzen. Einige Hersteller, wie Ford, Toyota, der VW-Konzern, Opel/GM, BMW, Fiat und Peugeot, verwenden sogar komplett eigenständige SKR. Jeder Hersteller vergibt die Kontenklassen unterschiedlich und die Kontenrahmen beinhalten meist nur eine Nachbildung einer Kostenrechnung. Deshalb ermöglichen nur wenige Herstellerkontenrahmen, ein Monatsreporting mit Fremdmarken durchzuführen.

Um für die Zukunft ein einheitliches System zu schaffen, haben Hersteller, Händler und Datev gemeinsam einen umfangreichen Anforderungskatalog erstellt:

  • ? Alle Rechtsformen darstellbar
  • ? Filialbildung möglich
  • ? Mehrmarkendarstellung
  • ? Unterteilung der Kosten/Erlöse nach Abteilungen
  • ? Unterteilung der Vertriebskanäle
  • ? Aufgliederung nach Absatzkanälen der Produkte
  • ? Unterteilung nach Fahrzeugen
  • ? Aufteilung der Erträge nach Produkten
  • ? Reporting der Fremdmarken auf getrennten Konten

Auf der Grundlage dieses Anforderungsprofils haben die Beteiligten einen einheitlichen Kontenrahmen entwickelt, der folgende Vorteile bietet:

  • ? Reduktion des Sachkontenplans
  • ? Über alle Hersteller einheitlicher Kontenrahmen
  • ? Logischer Aufbau durch Kostenstellenmerkmale
  • ? Einheitliche Buchungsstandards
  • ? Flexible Anpassungen an künftige Anforderungen
  • ? Konsolidierung/Organschaft (Innenumsätze)
  • ? Abbildung von Marke, Standort, Kostenstelle, Absatzkanal, Kostenträger
  • ? Zusätzliche Detailauswertungen möglich
  • ? Abbildung und Vergleichbarkeit von Mehrmarkenhändlern wird einfacher
  • ? Professioneller Support durch Datev
  • ? DMS-Anbieter haben nur noch eine Schnittstelle
  • ? Digitale Bilanzeinreichung (testierte Bilanz!)
  • ? Genaue Daten zum Vergleich

Die dadurch gewonnene einheitliche Datenbasis erleichtert den Kfz-Betrieben das Benchmarking und reduziert die Komplexität des Jahresabschlusses. Dies erleichtert wiederum das Gespräch mit der Bank. Vorteile ziehen die Betriebe daraus auch für die Aus- und Weiterbildung. Schließlich vereinfacht ein gemeinsamer Kontenrahmen auch die Personalsuche, da alle Buchhaltungskräfte mit dem gleichen System arbeiten.

Zukünftig viele Erleichterungen

Allerdings müssen die Kfz-Betriebe zunächst einige Hürden meistern: „Das komplette Rechnungswesen muss zunächst umgestellt werden“, so Woltermann.

Im Laufe des Jahres 2010 sollen die Hersteller und EDV-Anbieter ihre Systeme an den neuen Kontenrahmen anpassen, sodass die Autohäuser ab 2011 damit arbeiten können. Einiger Hersteller haben bereits bekannt gegeben, wann sie ihre Programme auf das neue Buchhaltungssystem umstellen werden. So starten Audi, Peugeot, Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Volvo zum 1. Januar 2011. Lexus und Toyota folgen dann im April. Im weiteren Verlauf des Jahres 2011 stellen Alfa Romeo, Fiat, Fiat Professional und Lancia um. Mazda, Nissan und Opel haben gemeldet, dass sie dies zum 1. Januar 2012 tun werden. Auch BMW will die Umstellung frühestens ab 2012 durchführen, während der Termin hierfür bei Mercedes und Smart noch offen ist.

Einer für alle – so bringt Woltermann die Vorteile des neuen Kontenrahmens auf den Punkt. Er sei einfacher, einheitlicher, transparenter und professioneller. Probleme mit dem „gläsernen Händler“ sieht die ZDK-Geschäftsführerin dagegen nicht. „Die Hersteller haben doch schon heute alle Daten.“

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