General Motors nutzte ihn als Blaupause für sein erstes kompaktes Weltauto. Über 40 Modelle basierten auf dem „T-Car“. Mit dem vor 50 Jahren vorgestellten Kadett C erzielte der Opel-Mutterkonzern global sogar größere Stückzahlen als VW mit dem zukunftsweisenden Golf.
50 Jahre nach seinem Debüt ist der „C“ Kult wie kein anderer Kadett: Als letzter heckangetriebener Blitz aus Bochumer Produktion steht er für den Zeitgeist der Siebzigerjahre.
(Bild: Opel Automobile GmbH)
Ein halbes Jahrhundert nach seinem Debüt ist dieser kleine Opel Kult wie kein anderer Kadett: Als letzter heckangetriebener Blitz aus Bochumer Produktion lebt der Kadett C den Zeitgeist der Siebzigerjahre. Jene farbenfrohe Unbeschwertheit zwischen Flower-Power, Pop-Art und Disco, visualisiert in Opel-Sondermodellen vom Ahoi-Kadett über den Superstar bis zum Swinger. Dazu gab es den Spagat zwischen politisch korrektem Knauser-Kadett mit 29 kW/40 PS als Antwort auf die erste Ölkrise und furiosem Kadett GT/E; nicht zu vergessen der Rallye-Racer, mit dem der junge Walter Röhrl bei der Monte Respekt erntete. Für jeden wollte Opel den richtigen Kadett liefern und so anfangs den VW Käfer kontern, der es an Karosserievielfalt fehlen ließ. Zwei- und viertürige Limousine, Caravan, Coupé, City-Fastback, Aero-Cabrio: Mit dieser Vielfalt avancierte der dritte Nachkriegs-Kadett zum Gewinnertyp, der sich global besser verkaufte als der 1974 eingeführte, bahnbrechend moderne erste VW Golf.
Wie das? Der damalige Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) nutzte den Kadett C als Basis für sein T-Car-Weltauto und so wurde der Opel unter mehr als 40 Marken- und Modellnamen auf allen Kontinenten produziert. Gut sieben Millionen Einheiten konnten von den T-Cars verkauft werden, darunter gut 1,6 Millionen Kadett C aus dem Werk Bochum. Als 1979 der Kadett D mit Frontantrieb erschien, war die Geschichte des Vorgängers noch nicht zu Ende: Als Chevette mit Vauxhall-Front überbrückte er die Wartezeit bis zum Debüt des ersten Corsa. Schon der von 1965 bis 1973 gebaute Kadett B machte internationale Karriere, sogar die Amerikaner fuhren auf das über Buick verkaufte kleinste GM-Produkt ab. Noch erfolgreicher traf der unter dem amerikanischen Stardesigner David Holls (bekannt durch 1959er Cadillac, 1963er Corvette Sting Ray und 1970er Camaro) in klaren Linien und mit großen Fensterflächen gezeichnete Kadett C den Kundengeschmack. Wobei GM zunächst gar nicht an einen Vertrieb in Nordamerika dachte. Stattdessen sollten der Kadett C und seine fast baugleichen T-Car-Geschwister als Volksautos vor allem in Europa, Südamerika, Asien, Australien und Afrika unter Marken wie Vauxhall, Chevrolet, Holden oder Isuzu reüssieren – ganz nach dem Vorbild des ersten Ford Model T, an den auch der GM-Codename T-Car erinnerte. Plötzlich aber kam alles anders.
Die neue Dimension
Symbolisierte das Anfang 1973 in New York eröffnete World Trade Center noch grenzenloses wirtschaftliches Wachstum, stand der Verkehr sechs Monate später still, denn die Erdöl fördernden Länder drosselten ihre Lieferungen. Die Folge: inflationär steigende Spritpreise, Tankstellen ohne Benzin in den USA, Fahrverbote in Deutschland – und ein Umdenken der Autokäufer. Den Kadett offerierte Opel nun mit kleinerem 1,0-Liter-Motor und in Washington enthüllte Chevrolet 1975, kurz vor der nächsten Energiekrise, die Chevette als US-Version des T-Cars: „Sparsamstes Auto Amerikas mit einem Highway-Normverbrauch von 6,0 Litern“, jubelte die Fachwelt. Damit nicht genug. Der technisch konventionelle Mini-Chevy verkaufte sich besser als die 1976/77 folgenden, fortschrittlichen Fronttriebler Ford Fiesta und Dodge Omni/Plymouth Horizon, vom VW Rabbit (Golf) gar nicht zu reden.
Mehr noch: Die US-Version des Kadett C zählte sogar über Jahre zu den populärsten Pkw in den amerikanischen Zulassungscharts. Nur die Klassikerszene kann sich für „Chevrolet’s new kind of American car“ (Werbeslogan) bis heute nicht begeistern, vielleicht weil die Chevette bis 1986 in Produktion blieb, als schlussendlich antiquiertes nationales Synonym für Sparsamkeit. Immerhin sorgten damals in good old Germany schon zwei neue Kadett-Generationen mit Frontantrieb und futuristischer Stromlinienform (Kadett E) für Furore. Was aber auch die Südamerikaner nicht kümmerte. Dort wurde das T-Car sogar erst 1994 von einem modernen Nachfolger in den Ruhestand geschickt, vielleicht weil der Kadett auch als nutzwertiger Pick-up eine gute Figur machte.
Ein echter Dauerbrenner
Tatsächlich zählte der Kadett C Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland ebenfalls immer noch zum Straßenbild, denn im Gegensatz zu manchem schnell rostenden Konkurrenten gab sich der maximal 4,14 Meter messende Kompakte made in Bochum vergleichsweise robust. Alfasud, Citroën GS, Fiat 128, Ford Escort, Peugeot 204, Renault 12, Simca 1100, VW 1303 und Golf lautete die illustre und große Schar seiner Konkurrenten, der Opels Offiziersanwärter nicht durch Dumpingpreise (vom Bodenteppich über die Borduhr bis zum abblendbaren Innenspiegel kostete alles Aufpreis), sondern durch Zuverlässigkeit und als Multitalent in 58 Karosserie- und Ausstattungslinien das Leben schwer machte. Eine Strategie, die aufging: Ob als Handwerker-Kombi, adretter Familien-Viertürer, 3,89 Meter kurzes Fastback mit Heckklappe (Kadett City), beim Karossier Baur realisiertes Cabrio mit Targa-Dach und Faltverdeck oder als GTI-Jäger in Kriegsbemalung und mit bis zu 85 kW/115 PS – der Kadett C legte die Messlatte hoch. Übrigens auch in puncto Sicherheit, wie das 1974 gezeigte Sicherheitsauto OSV 40 zeigte.
Stand: 08.12.2025
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Dieses trotz konstruktiver Verstärkungen 960 Kilogramm leichte Kadett-Concept-Car demonstrierte, dass ein Kleinwagen bei einem Aufprall bis 64 km/h (40 Meilen, daher der Typencode OSV 40) ebenso viel passive Sicherheit bot wie die größten Straßenkreuzer aus dem GM-Portfolio. Kein Wunder, dass manche Erkenntnis aus dem OSV 40 in die Entwicklung von Ascona B und Manta B einfloss. Letztlich aber waren es die Coupés in italienisch anmutender Couture, die den Kadett zu einem Auto machten, von dem junge Familienväter und Sportfahrer träumten. Rallyestreifen, mattschwarze Motorhaube, Zusatzscheinwerfer und damals fast schon als überstark empfundene Motoren, da tönte die Opel-Werbung in Richtung Escort RS und Golf GTI euphorisch: „Leute haltet Eure Hosen fest, der neue Kadett GT/E ist in 9,8 Sekunden auf 100! Womit wieder mal bewiesen wäre, dass Opels Hosenträger die schnellsten sind.“ Auf der Rallyepiste stimmte das nur bedingt, aber Erfolge wie der vierte Platz bei der Monte Carlo 1976 für Walter Röhrl auf einem rund 165 kW/225 PS abgebenden Kadett gegen weit stärkere Konkurrenz und nur neun Minuten Rückstand gegenüber dem siegreichen Lancia Stratos festigten das Kult-Image des letzten Kadett mit angetriebenen Hinterrädern.
Welche Wertschätzung der kompakte Opel aus den farbenfrohen Siebzigerjahren in der Oldtimer-Community genießt, erläutert Experte Nicolas Ziegler von der Bewertungsorganisation Classic Analytics: „Kein Kadett ist so beliebt wie der Kadett C. Das steht fest. Seinen Vorgängern fehlt etwas die Sportlichkeit und bei seinen Nachfolgern ist aus Sicht von einigen Opel-Fans die falsche Achse angetrieben, nämlich die vordere. Vom Dorfjugend-Image hat er sich längst befreit. Viele Kadett C, speziell Coupés, werden schon seit Jahren mit enorm hohem Aufwand bis ins Detail zeitgenössisch restauriert und kosten dann in der gesuchten GT/E-Version mindestens 28.000 Euro.“