Marktreport Der Caravaning-Markt steht vor Kipppunkt

Von Julia Mauritz 3 min Lesedauer

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Die Fahrzeugverfügbarkeit verbessert sich wieder, aber das Kaufinteresse für Freizeitmobile ist leicht rückläufig und die Verkaufszahlen sinken. Den Händlern steht eine herausfordernde Zeit bevor, wie eine Caravaning-Studie belegt.

Camper-Vans gewinnen bei den Kaufinteressenten von Freizeitmobilen im Zuge der gestiegenen Inflation an Beliebtheit. In Augenschein nehmen sie die Fahrzeuge gerne auf Caravan-Messen.(Bild:  Messe Düsseldorf/ctillmann)
Camper-Vans gewinnen bei den Kaufinteressenten von Freizeitmobilen im Zuge der gestiegenen Inflation an Beliebtheit. In Augenschein nehmen sie die Fahrzeuge gerne auf Caravan-Messen.
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Rund 18,2 Millionen Menschen in Deutschland interessieren sich für das Caravaning: Das bringt eine bevölkerungsrepräsentative Studie der GSR Unternehmensberatung und des Marktforschungsinstituts Miios an den Tag, für die über 10.000 Personen digital befragt worden waren.

Damit ist das Interesse am Kauf oder an der Miete eines Freizeitmobils zwar weiterhin hoch. Im vergangenen Jahr hatten allerdings noch knapp 20 Millionen Menschen ihre Affinität für das Caravaning bekundet. Besonders auffällig ist mit minus fünf Prozent der Rückgang in der Altersgruppe zwischen 18 bis 25 Jahren. Ebenfalls auffällig ist, dass das Interesse an Reisemobilen deutlicher zurückgegangen ist als das an Wohnwagen.

Die Zahlen belegen: Der von der Corona-Pandemie ausgelöste Caravan-Boom hat seinen Höhepunkt längst überschritten. Der Markt kehrt zur Normalität zurück. Hersteller und Händler werden sich nach einer langen von Lieferengpässen geprägten Zeit mit einer neuen Lage konfrontiert sehen, erwarten die Macher der Studie. Die Inflation und die drastisch gestiegenen Zinsen sorgten bei Kauf- wie bei Mietinteressierten für Zurückhaltung: 45 Prozent der Menschen, die den Kauf eines Freizeitmobils planen, gaben an, weniger Geld bei Kauf ausgeben zu wollen als ursprünglich gedacht. 27 Prozent wollen sich ein kleineres Fahrzeug kaufen.

Das erklärt das steigende Interesse an Camper-Vans und Kastenwagen: 39 Prozent der Caravan-affinen Befragten bekundeten ihre Kaufoffenheit für diese beiden Einstiegssegmente – neun Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Gleichzeit ist das Interesse an den teil- und vollintegrierten Fahrzeugen um 11 Prozent auf jetzt 50 Prozent gesunken. Als Grund sehen die Studienleiter die zum Teil in kurzer Zeit erheblich gestiegenen Preise.

Bei den Wohnwagen ist der Trend hingegen gegenläufig: Das Interesse an Mini-Wohnwagen ist um drei Prozentpunkte gesunken, während Groß- und Luxus-Wohnwagen in der Beliebtheit gestiegen sind.

Steigende Neufahrzeug-Bestände

Die Kaufzurückhaltung stellt in Kombination mit einer besseren Fahrzeugverfügbarkeit und dem Aufbau von Beständen eine Herausforderung für Hersteller und Händler dar, resümiert die Studie.

Im ersten Halbjahr musste die Branche einen Rückgang der Neuzulassungen von Wohnwagen um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr verkraften, bei den Reisemobilen war die Situation hingegen nahezu unverändert. Als mögliche Erklärung nannten Stephan Lützenkirchen von der GSR Unternehmensberatung und Niklas Haupt von Miios bei der Präsentation der Studie, dass es sich bei den Neuzulassungen um Bestellungen aus den Vorjahren handele.

Spannende Einblicke gewährt die neue Caravan-Studie auch in vertrieblichen Dingen: Die spezialisierten Wohnmobilhändler bleiben mit 32 Prozent zwar nach die vor wichtigste Anlaufstelle für Kaufinteressenten, allerdings hatten im vergangenen Jahr noch 57 Prozent der Befragten angegeben, einen Wohnmobilhändler ansteuern zu wollen. Deutlich zugelegt hat die Bedeutung der Käufe von privat (30 %) und der Besuch von spezialisierten Händlern auf Caravan-Messen. Die Autohändler spielen mit 14 Prozent hingegen nur eine untergeordnete Rolle, wenn es um den Fahrzeugkauf geht.

Gleiches gilt für die Vermietung: Lediglich 7 Prozent der Befragten, die ein Freizeitmobil mieten möchten, gaben an, dazu ein Autohaus ansteuern zu wollen – ein Rückgang von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der spezialisierte Wohnmobilhandel verliert an Bedeutung und musste einen Rückgang von 64 auf 55 Prozent verkraften. Deutlich beliebter ist hingegen die Miete über einen professionellen Caravan-Vermieter (von 1 auf 8 %). Gleiches gilt für die Buchung über Privatmiete-Plattformen (von 8 auf 14 %).

Die Macher der Studie sehen trotz der genannten Herausforderungen nicht schwarz: Die Branche könne zuversichtlich in die Zukunft blicken. Als einen Grund nennen sie, dass die Caravaning-Interessierten mit im Schnitt 43 Jahren acht Jahre jünger seien als die Nicht-Caravan-Affinen und über ein höheres Einkommen verfügten. Die Tatsache, dass diese Menschen Wert auf sozial und ökologisch verträglichen Urlaub legten, lasse zudem auf eine gewisse Kontinuität beim Reisen im Wohnwagen oder Reisemobil schließen.

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