CFK-Räder gehen 2016 in Serie
Der Räderhersteller Maxion und der Autozulieferer Thyssen-Krupp haben gemeinsam ein serienreifes Hybridrad aus Aluminium und Kohlefaser vorgestellt.

18, 20, 21 – mit den Radgrößen bei unseren Neufahrzeugen geht es aufwärts wie beim fröhlichen Reizen auf dem Skatabend. Für die Leichtbaubemühungen der Fahrzeugentwickler ist das Gift, denn mit der Größe der Räder wächst auch ihr Gewicht. Ein 20-Zoll-Rad inklusive Reifen wiegt 30 bis 35 Kilogramm – und ein Auto braucht bekanntlich vier davon.
Weil Aluminiumräder bei Neuwagen Standard sind, muss nun ein neuer Werkstoff her, um die Masse wieder deutlich zu senken. Hierfür eignet sich kohlefaserverstärkter Kunststoff, der bei niedrigem Gewicht eine hohe Steifigkeit bietet. Der deutsche Zulieferer Thyssen-Krupp hat zusammen mit der TU Dresden ein Kompetenzzentrum für CFK-Räder aufgebaut und steht schon seit Jahren mit möglichen Kunden aus der Automobilindustrie in Kontakt. Für die Serienproduktion hat das Unternehmen sich nun mit Maxion zusammengetan, dem nach eigenen Angaben größten Räderhersteller der Welt (65 Millionen Stück pro Jahr).
Auf der IAA in Frankfurt präsentierten die Kooperationspartner nun ein serienreifes Hybridrad, das aus einem Aluminium-Felgenstern und einem damit verschraubten Felgenring aus CFK besteht. Diese Konstruktion senkt das Gewicht um 30 bis 40 Prozent gegenüber einem Aluminiumteil, lässt sich aber wesentlich günstiger herstellen als ein Voll-CFK-Rad (an dem Thyssen-Krupp ebenfalls arbeitet). Eine Gewichtsreduzierung am Ring senkt zudem das Massenträgheitsmoment besonders stark – das ist der Widerstand, den ein Objekt einer Drehzahländerung entgegensetzt. Das heißt: Das leichtere CFK-Rad lässt ein Auto besser beschleunigen.
Nach Angaben von Maxion ist das Rad TÜV-geprüft und erfüllt alle geltenden Normen. Allerdings gibt es derzeit noch keine Norm speziell für Räder aus CFK. Da Maxion mit seinem Produkt allerdings ausschließlich auf den Erstausrüstungsmarkt abzielt, greift hier die Produkthaftung des Herstellers.
Wie Vertreter der beiden Partner auf der IAA mitteilten, laufen derzeit Verhandlungen mit mehreren OE-Kunden, zu denen wohl alle deutschen Premiumhersteller zählen dürften. Der Produktionsstart soll 2016 erfolgen. Bei der Reifenmontage soll die CFK-Felge angeblich keine spezifischen Probleme aufwerfen. Die Verwendung einer hebellosen Maschine empfiehlt sich gleichwohl.
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