Der staatliche Autohersteller Changan erwägt als dritte chinesische Marke, eine Fabrik in Europa zu bauen. Weitere Hersteller könnten folgen – und bestehende Fabriken europäischer Autobauer übernehmen.
Der Deepal S07 aus dem chinesischen Changan-Konzern soll in Europa 45.000 Euro kosten und im vierten Quartal 2025 auch nach Deutschland kommen.
(Bild: Wehner - VCG)
Während deutsche Autohersteller „in China für China“ unterwegs sind, reden die Chinesen immer häufiger von „in Europa für Europa“. Nun plant eigenen Angaben zufolge auch Changan Automobile eine Fabrik in Europa. „Wir sind entschlossen, in Europa zu sein und in Europa für Europa zu arbeiten“, sagte Nic Thomas, Changans Marketing-Chef für Europa, kürzlich während einer Probefahrt mit einem Reuters-Journalisten. Die beiden waren in einem elektrischen SUV namens Deepal S07 unterwegs. Deepal ist die E-Auto-Marke von Changan.
Man habe begonnen, nach einem geeigneten Standort für ein Werk Ausschau zu halten, so Thomas. Er könne aber noch nichts über den Zeitrahmen sagen. Seine Aussagen decken sich mit vorherigen Medienberichten in China, denen zufolge der Deepal-CEO Deng Chenghao kürzlich zwei Monate lang durch Europa gereist sein soll.
Während seiner Rundreise zeigte er sich ebenso beeindruckt von den Europäern, wie voller Kampfgeist, ein Stück von ihrem Markt erobern zu wollen. „Europa ist als eine der am weitesten entwickelten Regionen der globalen Automobilindustrie ein unverzichtbarer Markt für jede internationale Automarke. Auch das Bewusstsein der Verbraucher für automobile Themen gehört hier zu den fortschrittlichsten weltweit“, wurde Deng von der chinesischen Autozeitung Zhongguo Qiche Bao zitiert.
Changan hat den Marktstart in Deutschland für das vierte Quartal in Aussicht gestellt. Neben dem Deepal S07 will das Unternehmen das kleinere Elektro-SUV S05 bringen. Beide Modelle sollen später auch als Plug-in-Hybrid und/oder als E-Auto mit Range-Extender starten.
Dritte chinesische Marke mit Produktion in Europa
Sollten andere chinesische Autohersteller nicht schneller Nägel mit Köpfen machen, so könnte Changan die dritte chinesische Marke werden, die in Europa eine eigene Produktion aufbaut. BYD baut eine Autofabrik in Ungarn, die ab Oktober dieses Jahres mit der Produktion beginnen soll. Es hat zudem im Mai dieses Jahres die Errichtung seiner Europazentrale in Ungarn angekündigt. Zudem baut BYD an einem Werk in der Türkei.
Chery hatte im vergangenen Jahr eine zuvor stillgelegte Fabrik von Nissan in der „Zona Franca“ bei Barcelona erworben und ein Joint-Venture mit dem spanischen Ebro EV Motors gegründet. Vom Band laufen dort unter anderem Autos der Chery-Marke Omoda – sowohl mit Verbrennungsmotor als auch mit E-Antrieb.
Mit Changan fasst nun ein weiterer staatlicher Autohersteller aus China, eine eigene Produktion in Europa ins Auge. Im vergangenen Jahr hatte der Hersteller knapp 2,7 Millionen Fahrzeuge verkauft, fünf Prozent mehr als im Jahr davor.
Das in Chongqing in der Provinz Sichuan beheimatete Unternehmen gehört zu den erfolgreichen Auto-Exporteuren Chinas. 2024 waren es Medienberichten zufolge etwa 600.000 Stück. Für dieses Jahr hat sich das Unternehmen das Ziel von einer Million exportierter Autos gesetzt.
Nun hat die EU-Kommission in Brüssel Strafzölle auf chinesische Hersteller von E-Autos verhängt. Changan gehörte zu den Autohersteller, die mit Brüssel kooperierten und ist daher „nur“ mit erhöhten Zöllen von 20,7 Prozent belegt worden, weniger als SAIC (35 bis 38 %), aber etwas mehr als BYD (17,4 %).
Weitere Fabrik-Öffnungen in Europa
Es gebe immer größere Widerstände gegen chinesische Hersteller, sagte Zhao Fuquan, der Direktor des „Institute of Automotive Industry and Technology Strategy“ in Peking, der chinesischen Autozeitung. Man könne sich wohl darauf einstellen, dass es weitere Fabrik-Öffnungen in Europa geben werde, mit denen chinesische OEMs Strafzölle vermeiden wollen.
Changan baut gemeinsam mit Huawei und CATL in China neben einer eigenen Deepal-Marke auch ein Luxus-E-Auto, den Avatr. Außerdem hat Changan eine weitere eigene Marke für E-Autos im unteren Marktsegment eingeführt, die „Changan Qiyuan“ heißt. Für die wird man wohl einen neuen Namen finden müssen, der Europäern so schnell nicht die Zunge bricht, wenn die dortige Fabrik einmal fertig ist.
Geschlossene Autowerke als Akquise-Objekte
In Chinas Fachmedien wird darüber spekuliert, ob in Deutschland und sonst wo in Europa geschlossene Autowerke, etwa von Volkswagen oder Mercedes-Benz, interessante Akquise-Objekte für chinesische Autohersteller sein könnten. „Diese Standorte mit ausgereiften Produktionslinien und gut ausgebildeten Arbeitskräften sind geradezu das ideale Sprungbrett für die Lokalisierungsstrategie chinesischer Autohersteller, schrieb die Autozeitung kürzlich. Gleichzeitig warnte sie vor den „schwierigen Bedingungen insbesondere in Deutschland, wo selbst ein E-Auto-Pionier wie Tesla ständig Probleme mit Umweltschützern und anderen Kritikern habe.
Stand: 08.12.2025
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