Chevrolet-Händlerverband macht weiter

Redakteur: Jens Rehberg

Trotz schrumpfender Mitgliederzahlen und einem Schwesterverband mit Wachstumsambitionen will der Verband weiterarbeiten. Mit Gerhard Schwartzkopf (Foto) an der Spitze.

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Trotz schrumpfender Mitgliederzahlen und einem Schwesterverband mit Wachstumsambitionen will der Chevrolet-Partnerverband weitermachen. Das entschieden die rund 60 angereisten Händler auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am Nikolaustag in Weimar. Laut Verbandsgeschäftsführer Dietrich Asche ist der Opel-Händlerverband nämlich offen für neue Mitgliedschaften und erwägt auch eine entsprechende Namensänderung (von VDOH in VDOCH).

Doch obwohl es zuletzt vermehrt Austritte von Mitgliedern gegeben hatte, in Weimar war man sich einig, dass es weiterhin eine starke Stimme für die kleinen Händler geben soll, die der Chevrolet-Partnerverband in der überwiegenden Mehrzahl vertritt. Nicht zuletzt, damit deren Interessen bei den Verhandlungen über teure Vertrags-Standards gewahrt bleiben. Asche betonte, dass auch eine Mitgliedschaft in beiden Verbänden Sinn mache. Schließlich sei es angesichts der momentanen Krise bei der Konzernmutter durchaus möglich, dass Opel und Chevrolet bald nicht mehr zum selben Unternehmen gehörten.

Am Handel vorbei

Zuvor hatte Verbands-Chef Gerhard Schwartzkopf die derzeit akuten Probleme der Mitglieder zusammengefasst. Momentan werde umfänglich am Vertragshandel vorbei verkauft. „Einen Kalos für 9.000 Euro – das können wir nicht“, so der Oranienburger Händler verärgert. Insgesamt hatten Privatkunden von Januar bis September 25 Prozent weniger neue Chevrolets als im Vorjahreszeitraum gekauft. Zudem hätten die Garantie-Audits zu großen Belastungen der Partner geführt. Erst nach einer Intervention des Verbandes gehe der Importeur jetzt kulanter vor. Schwartzkopf zitierte aus dem Schreiben eines Händlers, wonach es „selbst zu Insolvenzzeiten von Daewoo“ besser gelaufen sei.

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Der Vorstandsvorsitzende konnte allerdings auch Positives vermelden. So stehe der Verband mit Chevrolet Deutschland in Verhandlungen, wegen der derzeitigen Liquiditätsprobleme die Installation der neuen CI bis Mitte nächsten Jahres auf Eis zu legen. Zudem habe der Importeur versichert, die Standards im Allgemeinen herunterzufahren. Konkrete Zugeständnisse habe es bereits bei der Verlängerung der Zahlungsziele für Vorführwagen und bei den Zahlungen für die Händlergemeinschaftswerbung gegeben – letztere entfallen ab Januar 2009.

Den anwesenden Mitgliedern empfahl Schwartzkopf, Investitionen in die Marke so lange aufzuschieben, bis klar sei, dass GM nicht pleite geht. „Es ist unser Minimalziel, dass die Händler nicht auf Forderungen an den Importeur sitzen bleiben“, erklärte der 75-Jährige für den schlimmsten Fall aus schlechten Erfahrungen mit der Daewoo-Insolvenz heraus.

Konstruktive Zusammenarbeit

Jens Borawski (Chevrolet Center Essen) berichtete anschließend aus dem so genannten Franchise-Board, in dem der Importeur mit knapp einem Dutzend Opel- und Chevrolet-Händlern in regelmäßigem Kontakt steht. Auch hier habe man zahlreiche Verbesserungen erreicht, unter anderem die Vergütung bestimmter Suchzeiten, die Erhöhung der Garantie-Freigabegrenze und die Vereinfachung der Bezuschussung für Vorführwagen. Als massives Problem habe sich aber vor allem die unzureichende Margenausstattung kommender Modelle (13 Prozent) herausgestellt. Der Importeur begründe dies mit „Harmonisierungsbestrebungen“ innerhalb des europäischen Verkaufsnetzes. Das Franchise-Board wird stark vom VDOH unterstützt.

Importeurs-Chef Jürgen Keller, der mit seiner Führungsmannschaft zum Verbandstreffen angereist war, entschuldigte sich bei den Anwesenden für stockende Abläufe bei Chevrolet aufgrund umfangreicher personeller Veränderungen. Ansonsten bemühte er sich sichtlich um Optimismus: GM müsse lediglich „diese kurzfristige Krise überstehen“. Der Neuwagen-Verkauf in Deutschland sei bis September auf Vorjahresnivau gelaufen, das Service-Geschäft habe sogar um 30 Prozent zugelegt. In der Autogas-Nische sei man mit 4.600 in diesem Jahr entsprechend umgerüsteten Fahrzeugen die Nummer Eins unter den Importeuren.

Kein größeres Netz

Zum Thema Netzentwicklung sagte Keller, dass die Anzahl der Partner in den kommenden Jahren konstant bleiben solle. Allerdings kündigte er weniger erfolgreichen Partnern „offene Gespräche“ und „Vorschläge für Maßnahmen“ an.

Konkret unterstützen wolle er die Händler unter anderem erstmals bei bereits von den Partnern bezahlten Langstehern. Auch das Teilepreissystem solle angepasst werden. Details zur Lockerung der Standards wolle er aber erst auf Händlerveranstaltungen in den nächsten Wochen bekannt geben, so Keller.

Zahlreiche Baustellen

Bei der anschließenden Diskussion konfrontierten die Händler den Geschäftsführer offen mit ihrem Unmut. Neben der unbefriedigenden Vorführwagensituation und Dumpingpreisen im Internet kamen auch die Probleme bei GMAC zur Sprache. Keller betonte allerdings, dass die Neuwagenfinanzierung aus Vetragsgründen auf jeden Fall weiter über GMAC laufen müsse. Die Frage nach der Markt- und Marktanteilsplanung für 2009 ließ der Importeurs-Chef unbeantwortet. Hinweise auf einen teilweise problematischen Kommunikationsstil seiner Außendienstmitarbeiter werde er „ernst nehmen“. Auch die EU-Reimporte in Grenzregionen waren ein Thema. Das relativierte Keller zwar: „80 Fahrzeuge im Monat sind kein ganz großes Problem“, versprach aber, die Wege nachzuvollziehen und gegen die ausländischen Partner vorzugehen, die die Fahrzeuge zurückverkaufen.

Im Rahmen der Tagung wurde natürlich auch über die Verbandsspitze entschieden. Die Mitglieder wählten ohne Gegenstimme den bisherigen Vorstand mit einer Ausnahme wieder – für Hans-Dieter Witte, der nicht mehr antrat, rückte Toni Roedler aus Annaberg als Beisitzer in das höchste Verbandsgremium auf. Neben dem Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schwarzkopf vertreten dort also nach wie vor Erwin Wendland (1. Stellvertreter), Konrad Schramm (2. Stellvertreter) und Heimo Blisse (Beisitzer) die Belange der Mitglieder. Das soll allerdings nur noch bis 2009 so sein, auf der nächsten Mitgliederversammlung will der Vorstand einen Generationswechsel einläuten.

Gastredner in Weimar waren Thomas Holzner von der Santander Consumer Bank, der die Sonderzinsprogramme des Dienstleisters für Chevrolet und ein neues Versicherungsprodukt für Neu- und GW-Kunden vorstellte und Karl-Heinz Betker von Parex, der den Anwesenden die Vorteile seiner Händler-Teilebörse zeigte.

Auch der ehemalige Importeurs-Chef Günther Sommerlad war nach Weimar gekommen, um den Händlern einige nützliche Tipps für ihr Geschäft zu geben. Seine Hoffnungen in Bezug auf die derzeitige Branchenkrise hätten die Chevrolet-Partner am liebsten direkt per Einschreiben nach Detroit geschickt: Dass die Hersteller und Importeure jetzt endlich zu einer realistischen Produktions- und Absatzplanung zurückkehren.

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