China-Experte: „Monopol auf staatlichen Druck“

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Christoph Baeuchle

China will im Aftermarkt niedrigere Preise durchdrücken. Manche Hersteller haben ihre Preise bereits um bis zu 40 Prozent gesenkt. Das reicht nicht, glaubt China-Experte Jochen Siebert von JSC Automotive.

Jochen Siebert, Geschäftsführer JSC Automotive
Jochen Siebert, Geschäftsführer JSC Automotive
(Foto: JSC)

Redaktion: Chinas Kartellbehörde geht gegen Automobilhersteller vor. Audi, Daimler und Chrysler stehen am Pranger für zu hohe Ersatzteilpreise. Ist das aktuelle Vorgehen gerechtfertigt oder eher Willkür?

Jochen Siebert: Die Behörden haben schon einen Grund zum Eingreifen, da die Preise tatsächlich monopolistisch erhöht sind.

Wie kam es dazu?

China hat diese Situation durch die „Auto Industrial Development Policy“ und die „Administrative Measures for Branded Vehicle sales“ selbst herbeigeführt. Seit 2005 müssen Händler vom Hersteller autorisiert werden, bevor sie einen Antrag auf Erteilung einer Business Licence bekommen. Zudem wurde die Organisation des (offiziellen) Aftermarkets den OEMs „aufgebürdet“. Diese nahmen das natürlich gerne an und haben auf staatlichen Druck die jetzige monopolistische Situation kreiert.

Was heißt das?

Die Hersteller kontrollieren, welche Original-Ersatzteile nur über das eigene Händlernetz vertrieben werden dürfen. Bei Teilen, die auch in freien Werkstätten verkauft werden dürfen, ergab sich ein Preisunterschied von 100 Prozent bei identischen Teilen, die Original-Teilehersteller geliefert haben. In Europa beträgt der Unterschied nur etwa 20 Prozent.

Das ging auf Kosten der Teilehersteller. Haben sich die Lieferanten nicht dagegen gewehrt?

Die Zulieferer sind schon seit Jahren mit den chinesischen Behörden im Gespräch bezüglich einer Öffnung des Aftermarkets. Dies würde zu einem Preiskampf und zu gleichen Verhältnissen wie in Europa führen.

Welche weitere Entwicklung erwarten Sie?

Die chinesische Regierung hat am 1. August verkündet, dass ab Anfang Oktober die Händler nicht mehr von den Herstellern autorisiert werden müssen, und dass bestehende Händler nicht mehr markengebunden sind, sondern auch Fahrzeuge anderer Hersteller verkaufen können. Dies würde im weiteren Verlauf zu einer Öffnung des Aftermarkets führen.

Die Hersteller haben in den vergangenen Tagen ihre Preise zum Teil deutlich gesenkt, Mercedes um durchschnittlich 20 Prozent, Audi um bis zu 40 Prozent. Können sie dadurch der Entwicklung entgegenwirken?

Die derzeitigen Untersuchungen bei den Herstellern dienen wahrscheinlich nur der Beweisaufnahme für die Gesetzesänderung, die jedoch schon beschlossen ist. Die Reduzierung der Ersatzteilpreise ist zu gering und kommt zu spät.

Jochen Siebert ist Gründer und Geschäftsführer von JSC Automotive. Die Unternehmensberatung mit Standorten in Shanghai und Stuttgart ist auf die Automobilindustrie in China spezialisiert.

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