Citroën DS: 60 Jahre automobiler Kult

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In Deutschland ab 12.350 Mark

Woran es der DS allerdings zeitlebens fehlte, war standesgemäße Schubkraft. Eher schwächliche Triebwerke von anfangs gerade einmal 46 kW/63 PS und auch am Ende nur 93 kW/126 PS ließen die Göttin nie wirklich abheben gegenüber der Konkurrenz. Anders als beim Vorgänger Traction Avant gab es keinen Sechszylinder, sondern nur allmähliche Hubraumvergrößerungen von 1,9- auf 2,3-Liter für die Vierzylinder. Ein klarer Nachteil insbesondere im Export, wo die Göttin auch preislich über den Wolken schwebte.

In Deutschland etwa startete die DS-19-Preisliste vor 60 Jahren bei 12.350 Mark, so dass die Französin gegen Repräsentationsfahrzeuge antreten musste wie Borgwards Pullman-Limousine Hansa 2400 oder den V8-BMW 501. Nicht viel vorteilhafter für die DS war die Situation am Ende ihrer Laufzeit, denn 1975 war ein Pallas Injection Automatik kostspieliger als Sechszylinder wie Mercedes 280, BMW 2500 oder Opel Admiral. Passioniert im Sinne von leidensfähig musste mancher Pallas-Käufer zudem hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Verarbeitungsqualität sein.

60 Jahre Citroen DS: Hommage an ein Jahrhundertauto
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Dieses Thema beschäftigte Citroën während der ganzen Bauzeit der Göttin, konnte den Erfolg der fast 1,5 Millionen Mal verkauften kapriziösen Französin aber nicht schmälern. Dafür sorgten preiswerte Einstiegsversionen, konkurrenzlose Riesen-Kombis mit 3,13 Meter Radstand und eine tiefe gesellschaftliche Verankerung dieses revolutionären Jahrhundertautos.

Wahrhaft göttlich

Schon Weltpremiere und Werbung der schönen Gallierin wurden konsequent künstlerisch inszeniert. Während die damals berühmtesten Grafiker und Fotografen (darunter Robert Doisneau, Helmut Newton und Milton Glaser) die DS verführerisch ins Bild setzten, startete die Göttin im internationalen Filmgeschäft eine unvergleichbar glamouröse Karriere. Sei es an der Seite von Marcello Mastroianni, Gérard Depardieu, Jane Birkin, Leonardo Di Caprio, Alain Delon oder Cathérine Deneuve, die DS besetzte in rund 1.500 Filmen die automobile Hauptrolle. Welrekord!

Kein Kinobesucher und TV-Zuschauer konnte diesem Citroën entgehen, zumal schwarz gekleidete Göttinnen bei allen französischen Staatsakten beeindruckende Kolonnen bildeten und über Jahrzehnte die TV-News beherrschten. Bisweilen sogar mit an Dramatik kaum zu übertreffenden Stuntszenen. So rettete eine DS-Repräsentationslimousine womöglich 1962 sogar dem französischen Präsidenten Charles de Gaulle das Leben. Bei einem missglückten Attentatsversuch auf das Staatsoberhaupt konnte der große Citroën dank Hydropneumatik auf nur drei Rädern entkommen - für Citroën unbezahlbare Werbung.

Doch damit nicht genug. Die Mailänder Triennale von 1957 ehrte die DS als erstes Automobil mit dem Preis für industrielle Kunst. Der Auftakt für eine einzigartige Karriere dieses Fahrzeugs als Kunstobjekt in den großen Museen der Welt, denn die DS inspirierte zahlreiche Bildhauer zur Schaffung kreativer Skulpturen. Derweil zelebrierten Literaten wie der französische Kulturphilosoph Roland Barthes den Citroën als mystisches Objekt, das vom Himmel gefallen sei. Eindeutig irdischer Natur waren dagegen ihre sportlichen Siege bei allen wichtigen Rallyes und Langstreckenrennen. Sei es bei der Rallye Monte Carlo (1959 und 1966), der Fernfahrt Lüttich-Sofia-Lüttich (1961) oder der Rallye Marokko (1969).

Zum 60. Geburtstag der großen Citroën-DS-Familie soll nun die frisch gegründete Marke DS ein neues Kapitel französischer Avantgarde schreiben. Ambitionen, die von der für alle Fans unsterblichen und unvergänglichen Déesse aus dem Oldtimer-Olymp wahrscheinlich eher amüsiert beobachtet werden.

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