Classic Trader: Fiat Bartoletti 306/2 – der schlafende Riese

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Ein italienischer Transporter, der irgenwann sogar Ami-Rennwägen transportierte

Bereits für die letzten Rennen der Saison fuhr der Fiat Bartoletti 306/2 für das Lotus-Rennteam. Die britische Marke war zu dieser Zeit eine steil aufstrebende Kraft im Rennsport, unter anderem fuhren Stirling Moss und Jim Clark auf Lotus. Und deren Lotus-Fahrzeuge fuhren auf dem Fiat Bartoletti 306/2. Nach dem Einsatz dort ging der Renntransporter zurück zu Bartoletti nach Forlí. Der neue vermeintliche Eigentümer, Camoradi Racing, ließ eine weitere Achse einbauen, um die immer schwerer werdenden Rennwagen transportieren zu können. Während man in Forlí noch am Wagen arbeitete, kam der Camoradi-Rennstall aber in finanzielle Turbulenzen, sodass man nach der Fertigstellung den Transporter nicht bezahlen und auslösen konnte. Es sollte bis 1964 dauern, bis ein neuer Eigentümer für den nun dreiachsigen Transporter gefunden wurde. Daher handelte es sich dann aber auch wieder um einen glamourösen Namen: Shelby International Racing. Ab 1965 bis 1967 übernahm Alan Mann Racing die europäischen GT-Aktivitäten von Ford/Shelby und transportierte mit dem Bartoletti die Shelby Cobras, Daytona Coupé sowie die neu entwickelten Ford GT40 unter anderem nach Le Mans zum 24-Stunden-Rennen.

Nicht zuletzt seit dem Kinofilm „Ford vs Ferrari“ oder auf Deutsch „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ mit Christian Bale und Matt Damon aus dem Jahr 2019 ist die Rivalität zwischen Ford und Ferrari legendär; ebenso der Übernahmeplan von Ferrari durch Ford. Nach den gescheiterten Verhandlungen soll Ford derart zornig gewesen sein, dass alles Italienische, auch der Renntransporter, aus dem Team verbannt wurde. Also wurde der Transporter 1967 wieder veräußert. Der neue Besitzer, John Woolfe Racing, hatte aber offensichtlich mehr mit dem Wagen zu kämpfen, als ihm lieb war. Nach eigener Aussage hatte er einfach ständig Pech mit dem Transporter, sodass ihm eines Tages, als ihm der Fiat Bartoletti im Schneegestöber wieder Probleme machte, der Geduldsfaden riss und er das Fahrzeug einfach an der Straße stehen ließ und ihn zum Verkauf anbot.

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Bekannt von Rennstrecken und aus Film und Fernsehen

Dem darauf folgenden Eigentümer David Piper wird es sehr recht gewesen sein, dass der Verkäufer den Lkw wie sauer Bier anpries, was die Kaufsumme nicht wirklich nach oben getrieben haben dürfte. Dort begann das neue Leben mit einer neuen Farbe. Nachdem der Fiat Bartoletti mit „Princess Blue“ und „Guardsmen Blue“ immer blau lackiert war, entschied sich Piper für seine Signatur- und Sponsorfarbe BP-Grün. Bis 1970 nutze ihn David Piper für sein Rennteam, die letzte Saison brachte nochmals einen glamourösen Höhepunkt für das Fahrzeug und ein tragisches Schicksal für den Rennfahrer.

Für den legendären Motorsport-Film „Le Mans“ heuerte Steve McQueen David Piper als Fahrer an. Er sollte zum Set zum einen einige Lola T-70 Rennwagen mitbringen, die zu Porsche 917 und Ferrari 512 umgebaut werden sollten. Teil der Vereinbarung war zum anderen aber auch, dass der Fiat Bartoletti für die Filmaufnahmen zur Verfügung stehen sollte. Der Transporter wurde rot lackiert und machte als Fahrzeug der Scuderia Ferrari auf der Leinwand Karriere, auch wenn er in der Realität nie etwas mit Ferrari zu schaffen hatte. David Piper hatte allerdings während der Dreharbeiten einen schweren Unfall, bei dem er ein Bein verlor. Seine aktive Rennsportkarriere nahm so ein jähes Ende; den Transporter brauchte er nicht mehr und verkaufte ihn daher an den Rennstall JCB Historic von Anthony Bamford. Er beließ in bei der roten Farbe und nutze ihn bei Rennveranstaltungen bis 1976. In den folgenden sechs Jahren bis 1982 vermietete er den Transporter.

1982 verließ der Fiat Bartoletti erstmals Europa und setzte in die USA über. Michael Shoen, Autor des Buches „Ford-Ferrari Wars 1963-1965“, kaufte das Fahrzeug und setzte es bei historischen Rennveranstaltungen auf US-Rennstrecken in der Ferrari Rosso Corsa-Lackierung ein. Das Schicksal des Renntransporters war allerdings auch mit dem persönlichen Schicksal Shoens verknüpft. Er fiel dessen Scheidungskampf zum Opfer und rottete in der Wüste Arizonas vor sich hin, ohne dass einer der Eheleute damit irgendwas sinnvolles anstellen konnte – bis eines Tages eingangs erwähnter Don Orosco den stählernen Koloss entdeckte und ihm zu neuem alten Glanz verhalf. 2008, bei den Monterey Historics, feierte der Renntransporter seine vielbeachtete Wiederauferstehung im Rennzirkus, die auch über den großen Teich hinaus große Beachtung fand.

Falls Sie Gefallen an diesem tollen Stück Rennsportgeschiche gefunden haben sollten: Aktuell wird der Fiat auf dem Portal von Classic Trader zum Verkauf angeboten.

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