Der Handel mit Wohnmobilen und Caravans ist fest in der Hand spezialisierter Betriebe, von denen es in Deutschland rund 500 gibt. Diese Zahl nannte Oliver Waidelich, Geschäftsführer des Deutschen Caravan-Handels-Verbands (DCHV), im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE«. Vor der Wirtschaftskrise seien es allerdings noch rund 650 gewesen.
Wenig Einheiten, viele Varianten
Das Geschäft mit den Reisefahrzeugen ist laut Waidelich gekennzeichnet durch eine extrem große Modellvielfalt. Die Wahlmöglichkeiten bei Basisfahrzeug, Radstand, Grundriss und Inneneinrichtung führten dazu, dass jedes Jahr Tausende neue Modellvarianten auf den Markt kämen – und das bei einem Gesamtmarkt von rund 21.800 Einheiten im Vorjahr (Quelle: CIVD).
Diese Vielfalt zu beherrschen sei die eigentliche Aufgabe der Händler – die technische Kompetenz für komplexere Servicearbeiten an den Basisfahrzeugen hätten nur rund 30 Prozent der deutschen Betriebe. Die anderen kooperierten stattdessen meist mit lokalen Markenhändlern der entsprechenden Autohersteller. Diese müssten allerdings auch mit den Wohnmobilen umzugehen wissen und das entsprechende Equipment sowie die baulichen Möglichkeiten haben, die oft sehr großen und schweren Fahrzeuge anzuheben.
Das Multimarkenprinzip hat seine Grenzen
Zu den Wohnmobilhändlern, die auch den gesamten Fahrzeugservice anbieten, gehört Christian Ernst aus Ettenheim – nach eigenen Angaben einer der größten Betriebe der Branche. Er vertritt die Marken Hobby, Fendt und Laika. Fast alle Händler sind solche Multimarkenhändler – wobei dieses Prinzip laut Ernst seine Grenzen hat: „Die Kunden wollen möglichst alle Modellvarianten sehen – bei zu vielen Marken kann der Händler das nicht mehr leisten. Das gleiche gilt auch für die Ersatzteilbevorratung.“
Zwar gleichen die Servicearbeiten an den Basisfahrzeugen – hier ist Fiat Marktführer – denen in einer normalen Nfz-Werkstatt. Doch es gibt auch spezifische Arbeiten, die nur Wohnmobilspezialisten beherrschten. So müssten die Autos oft aufgelastet werden oder es müssten Luftfederungen nachgerüstet werden. Auch die Unfallreparaturen an den mit Aluminium-Sandwichplatten verkleideten Mobilen unterscheiden sich von herkömmlichen Transportern.
Ein weiterer Unterschied: Wohnmobile sind extrem langlebig. Während ein 20 Jahre alter Ducato in einer normalen Fiat-Werkstatt ein seltener Gast sein dürfte, kommt er als Wohnmobil recht häufig in den Betrieb – und dieser muss die entsprechenden Ersatzteile und technischen Kenntnisse vorhalten.
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