Zulieferer in der Krise Conti rutscht in die roten Zahlen

Quelle: dpa

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Die Lage in der deutschen Autozulieferbranche bleibt weiter angespannt. Während die Hersteller so viel Geld verdienen wie lange nicht, hadern die Lieferanten schon seit geraumer Zeit mit unsteten Abrufen der Autobauer und ächzen unter den anziehenden Kosten für Rohmaterialien, Frachten und Energie.

Buchwertabschreibungen wegen gestiegener Zinsen und Umbaukosten der Sparte Contitech belasteten den Konzern weiterhin.(Bild:  Continental)
Buchwertabschreibungen wegen gestiegener Zinsen und Umbaukosten der Sparte Contitech belasteten den Konzern weiterhin.
(Bild: Continental)

Conti musste am Dienstag einen Quartalsverlust in Höhe von 251 Millionen Euro präsentieren. Zwar trugen auch Buchhaltungseffekte zu den roten Zahlen bei. Aber das eigentliche Geschäft in der Autosparte läuft auch nicht rund, die profitable Reifensparte kann das nicht im Alleingang auffangen. Und Conti steht nicht allein da, auch bei anderen wie etwa Schaeffler schmelzen die Gewinne.

Autoproduktion müsste anziehen

Die Niedersachsen setzen auf Besserung. Dazu muss die Produktion von Pkw und Nutzfahrzeugen auf der Welt wieder auf Touren kommen. Und die Autobauer müssen wohl auch bereit sein, mehr zu bezahlen.

In der Branche ist das Bild tief gespalten. Volkswagen samt den Töchtern Audi und Porsche profitiert vom starken Preisauftrieb bei Neu- und Gebrauchtwagen. Ebenso Mercedes und BMW, die zwar im zweiten Quartal allesamt deutlich weniger Fahrzeuge verkauften, aber dennoch blendend verdienten. Von hohen Autopreisen haben die Zulieferer kaum etwas, denn Preisanpassungen in den Lieferverträgen kommen entweder spät oder reichen nicht, während die Beschaffungskosten in die Höhe schnellen.

Immense Mehrkosten

Die Frachtkosten für einen Standardüberseecontainer hätten sich in der Spitze teilweise verachtfacht, heißt es bei Conti. Auch wenn bei einigen Rohstoffen die Preise wieder etwas sinken, rechnet das Management um Vorstandschef Nikolai Setzer 2022 weiter mit einer Mehrkostenbelastung im Einkauf und der Logistik gegenüber dem Vorjahr von rund 3,5 Milliarden Euro.

Angesichts der hohen Gewinne der Autobauer entstehen so Begehrlichkeiten. Michael Frick, Interimschef des Stuttgarter Kolbenspezialisten Mahle, beschwor im Frühjahr „eine faire Lastenverteilung“ zwischen Herstellern und Zulieferern. In den vergangenen zwei Jahren seien die Belastungen der Pandemie großteils an seinem Unternehmen hängen geblieben, monierte er.

Toyota steht Zulieferern zur Seite

Aufhorchen ließ vorige Woche, dass der weltgrößte Autobauer Toyota trotz einigermaßen rund laufender Geschäfte bei vorsichtigen Aussichten für das Gesamtjahr blieb – und das ausdrücklich damit begründete, dass er seinen Zulieferern in der aktuellen Situation unter die Arme greifen wolle. Das Verhältnis zwischen Autobauern und Zulieferern in Japan ist traditionell enger, auch weil die Konzerne oft gegenseitig miteinander verflochten sind.

Von deutschen Autobauern hört man solche Töne kaum. Mercedes-Benz-Finanzchef Harald Wilhelm ließ im Frühjahr durchblicken, dass Mercedes zwar an stabilen Lieferketten gelegen sei – am Ende aber jedes Unternehmen für sich selbst verantwortlich ist.

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