Mit Sorge schauen Händler auf die letzten Wochen des Jahres wegen der Vielzahl an Fahrzeugen, die sie 2020 noch zulassen möchten. Weil jetzt eine Menge Dinge zusammenkommen, könnte es chaotisch werden, befürchtet man auch beim ZDK.
Für viele Händler könnte es am Ende des Jahres schwierig werden, wenn sie die Fahrzeuge ihrer Kunden zulassen wollen.
(Bild: Lars Franzen/Kroschke-Gruppe)
Die Engpässe in den Zulassungsstellen werden sich nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) im Dezember verschärfen. Schon vor Wochen warnten Händler, dass die Umstellung der Mehrwertsteuer in Kombination mit den Schließungsplänen der Ämter für chaotische Zustände sorgen könnte.
Wegen der zweiten Welle der Corona-Pandemie und wegen des vielfachen Urlaubswunsches zum Jahresschluss ist wohl mit einer personellen Unterbesetzung in den Behörden zu rechnen. Gleichzeitig sind auslaufende Zulassungsfristen für Neuwagen mit der Abgasnorm Euro 6d-Temp-EVAP-ISC und Euro 6d-ISC zu beachten sowie die Pflicht, dass Neuwagen künftig über digital-terrestrisches Radio verfügen müssen.
Bei der Abgasnorm in die nächste Evolutionsstufe (Euro 6d-ISC-FCM) zu wechseln, sollte unter normalen Umständen auf jeden Fall gelingen. Auch weil Hersteller frühzeitig Ausnahmegenehmigungen beantragen. Aufgrund der aktuellen Umstände fürchten jedoch einige Händler diesmal den Dezember umso mehr.
Verspätete Lieferungen nach Produktionsstopp
Durch den Corona-bedingten Produktionsstopp bei den Herstellern und Zulieferern kam es zu Lieferverzögerungen auch bei den Fahrzeugmodellen, die wegen der verschärften Abgasnorm noch in diesem Jahr zugelassen werden müssen.
Im Klartext: Was die Kunden im Dezember nicht mehr kaufen, muss der Händler als Tageszulassungen ins nächste Jahr retten. Das bedeutet einen Wertverlust der Fahrzeuge und geht auf Kosten der Händler. Teilweise müssen die Unternehmer schon Ende November in den Zulassungsstellen ankündigen, welche Fahrzeuge sie noch anmelden möchten.
Ausnahmegenehmigungen nehmen etwas Druck aus dem Handel
Grundsätzlich kennen die Hersteller die Situation von Zulassungsfristen aufgrund geänderter gesetzlicher Regelungen und stellen sich darauf ein oder beantragen für ihre betroffenen Fahrzeugmodelle beim Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) Ausnahmegenehmigungen. Dank dieser Möglichkeit konnte beispielsweise Hansjörg Blender vom Autohaus Blender (Renault, Dacia) in Radolfzell für seinen Betrieb die Situation entschärfen.
„Wir haben vom Hersteller 58 Ausnahmegenehmigungen bekommen, das nimmt viel Druck raus“, sagt Blender. Auch weil die zuständige Zulassungsstelle in Konstanz vorbildlich arbeite, sei er zuversichtlich, mithilfe der Mehrwertsteuersenkung noch seinen Lagerbestand abverkaufen zu können.
Das scheint aber nicht bei allen Herstellern so glatt zu laufen. Thomas Peckruhn, Sprecher der ZDK-Fachgruppe der Fabrikatsvereinigung, erklärt dazu: „Die Fahrzeugproduktion läuft zwar wieder, aber die Auslieferung hat sich deutlich verzögert. Das wird uns Händler jetzt am Ende des Jahres ordentlich zu schaffen machen.“ Als Skoda-Händler sei er selbst betroffen, wisse aber auch von diesen Problemen bei Händlern der PSA-Gruppe; Opel sei ausgenommen.
Auch Fristen für DAB+ laufen aus
Ebenfalls befragte Händler der Marken VW, Seat, Fiat und Hyundai geben an, wegen der geänderten Abgasnorm klarzukommen. Aber sie belaste zumindest vereinzelt die von Bund und Ländern beschlossene Digitalradiopflicht (DAB+). Demnach muss in Neuwagen ab dem 21. Dezember 2020 grundsätzlich der Empfang und die Wiedergabe von DAB+ möglich sein. In zahlreichen Showrooms stehen aber noch Autos, die über kein digital-terrestrisches Radio verfügen.
Um die Behörden frühzeitig auf die nochmals zugespitzte Situation am Ende des Jahres hinzuweisen, hatte der ZDK – neben seinen Appellen an die Politik, die Onlinezulassung von Fahrzeugen durch Autohäuser endlich auf den Weg zu bringen – bereits vor einigen Wochen mit seinen Landesverbänden eine bundesweite Aktion gestartet.
Kroschke appelliert für engere Abstimmung zwischen allen Beteiligten
Kfz-Innungen schrieben gezielt die in ihrem Gebiet zuständigen Zulassungsstellen an. Und in persönlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen in den Kommunen wird um Verständnis und um Unterstützung geworben. Der Landesverband Baden-Württemberg berichtet davon, mit seiner Charmeoffensive bereits in einigen Fällen erfolgreich gewesen zu sein.
Auch der Zulassungsdienst Kroschke fürchtet, dass die nächsten Wochen eine Herausforderung werden, auch wenn sich in einigen Zulassungsstellen die Situation gegenüber dem Frühjahr spürbar verbessert habe. „Daher regen wir eine enge Abstimmung zwischen Herstellern, Handel, Dienstleistern und Zulassungsstellen an“, sagt Philipp Kroschke. Je früher Händler darüber informierten, wie viele Zulassungen sie noch im Dezember planten, desto besser könnten sich alle Beteiligten darauf einstellen.
Stand: 08.12.2025
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