Er war Urvater der Generation der Lamborghini-Keile. Doch keine drei Jahre nach seiner Präsentation zerschellte der Prototyp an einer Mauer. Nun haben die Italiener das einstige Unikat neu rekonstruiert.
Der Lamborghini Countach LP 500 ist der Urvater aller Lamborghini-Keile und wurde in verschiedenen Versionen von 1974 bis 1990 gebaut.
(Bild: Lamborghini)
Vieles kehrt im Laufe der Zeit zurück, kommt aus der Versenkung wieder ans Tageslicht: Wölfe, Filmstars und manchmal auch Autos. Genauer gesagt Raritäten, Preziosen, Unikate. Eine solche ist zweifelsohne der Countach LP500. Wobei – streng genommen ist er weit mehr. Denn von dem Urvater aller Lamborghini-Keile gab es bis vor Kurzem nicht nur noch wenige Exemplare, oder gar nur noch ein Stück. Nein, es gab nicht einmal mehr ein allereinziges.
Rückblende: Wir schreiben den März 1971. Auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert Automobili Lamborghini sein Konzeptauto „ldea Car“, den LP500 Countach. Das Fahrzeug ist einer der Stars der Messe und soll den legendären Miura ablösen. Er soll ein neues Kapitel in der Geschichte der Sportwagen schreiben – sowohl was die Technik als auch was die Formensprache betrifft. Doch alle Schönheit half ihm nichts: Genau drei Jahre nach seiner Vorstellung opferten die Verantwortlichen in Sant’Agata Bolognese den Donnerkeil in einem Crashtest und ließen den Rest verschwinden. Das Unikat existierte nicht mehr.
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Dann, Ende 2017, fragte ein wichtiger Lamborghini-Kunde und Oldtimer-Fan beim Polo Storico, der Klassikabteilung von Lamborghini an, ob es nicht möglich wäre, eine Rekonstruktion des Countach LP500 anzufertigen. Jenes Kultmodells, von dem nur noch Fotos überliefert sind. Dem Wunsch des Kunden wollten bzw. konnten die Verantwortlichen nicht widersprechen. Und so entstand aus einer fixen Idee im Laufe von 25.000 Stunden (!) die Wiedergeburt einer Legende.
Wie damals ein 1:1-Stilmodell angefertigt
Die ersten Monate verbrachten die handelnden Personen damit, das verfügbare Material zusammenzutragen und eingehend zu analysieren. Fotos, Dokumente, Besprechungsberichte, Originalzeichnungen und die Erinnerungen einiger Zeitzeugen: „All das hat dazu beigetragen, Form und Funktion jedes noch so kleinen Details mit größtmöglicher Genauigkeit zu bestimmen“, erklärt Giuliano Cassataro, Head of Service and Polo Storico, die Ausgangslage. Darüber hinaus unterstützen Firmen wie Pirelli das Projekt, um die Cinturato-CN12-Reifen des LP-500-Originalmodells in den Dimensionen 245/60R14 und 265/60R14 zu rekonstruieren. Oder Unternehmen wie PPG, das in seinen Archiven nach der Formel suchte, um den seinerzeit aufgetragenen gelben Lack mit dem Namen „Giallo Fly Speciale“ zu bestimmen und nachzufertigen.
Für die historische Rekonstruktion des Originaldesigns wandte sich die Klassikabteilung Polo Storico an das Centro Stile Lamborghini, wo das Team unter der Leitung von Mitja Borkert, Head of Design, die Arbeit an diesem herausfordernden Projekt in Angriff nahm. ,,Um das Fahrzeug zu entwickeln, das 1971 in Genf sein Debüt gab, wurde ein Stilmodell im Maßstab 1:1 gefertigt, das ebenso wie das Auto selbst mit der Zeit verloren ging. Es gab jedoch noch mehrere Fotografien. Ausgehend von den damaligen Veröffentlichungen, den Bildern auf Homologationsblättern und anderem vom Polo Storico gesammelten Material konnten wir die mathematischen Grundlagen, die für die Herstellung des ersten Modells im Maßstab 1:1 nötig waren, rekonstruieren.“
Karosserie von Hand nachgedengelt
Die größte Schwierigkeit dabei war, das exakte Volumen des Fahrzeugs zu kopieren. Daher griff die Mannschaft auf die Möglichkeit eines 3D-Scans eines LP400 (Fahrgestellnummer 001) zurück, der eine enorme Informationsquelle darstellte. Es waren 2.000 Arbeitsstunden nötig, um zum endgültigen Modell mit den richtigen Formen zu gelangen, das alle zufriedenstellte. Analog dazu wurde beim Interieur vorgegangen.
Die praktischen Arbeiten begannen mit dem Plattformrahmen, der sich vollkommen vom Rohrrahmen der späteren Countach-Modelle unterschied. Unabhängig von physischen Neugestaltungen musste sich Lamborghinis Klassikabteilung auch für ein Konstruktionsverfahren entscheiden, das den damaligen Fertigungsmethoden Rechnung trug. Gleiches galt für die Karosserie, die mithilfe verschiedener moderner Technologien analysiert und definiert wurde. Als diese feststand, kam statt Hightech klassische italienische Handarbeit zum Einsatz: Die traditionellen „Battilastra“ genannten Blechschläger mit ihrer Kunstfertigkeit und ihren Werkzeugen kamen zum Zug.
25.000 Stunden investiert
Ähnlich ging man beim Interieur vor, das die beleuchteten Diagnoseinstrumente umfasst, wie sie im Prototypen von 1971 gezeigt wurden. Für sämtliche mechanischen Komponenten wurden wie damals auch Original-Ersatzteile von Lamborghini oder restaurierte Bauteile aus der Zeit eingesetzt. Standen diese nicht zur Verfügung, fertigte sie das Team von Polo Storico vollständig nach.
In Summe flossen sage und schreibe 25.000 Arbeitsstunden in das Projekt, rund 13 Mannjahre. Offiziell vorgestellt hat Lamborghini die Rekonstruktion des ersten Lamborghini Countach auf der Oldtimer-Veranstaltung „Concorsod'Eleganza Villa d'Este“ vom 1. bis 3. Oktober 2021.
Stand: 08.12.2025
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