Da geht die Post ab
Wie man mit einem florierenden Fahrzeughandel und guten Service-Ideen punkten kann, zeigt das Autohaus Bierschneider aus Mühlhausen.
Mühlhausen: Ein 2.000-Seelen-Städtchen im dünn besiedelten Osten Bayerns. Nicht viel los, möchte man meinen, vor allem für ein Autohaus. Stimmt, doch nicht, wenn das Autohaus Bierschneider heißt. Der VW/Audi/Skoda-Betrieb ist eine Ausnahme, und was für eine. Denn über mangelnde Auslastung können sich die gut 100 Mitarbeiter von Firmengründer Georg Bierschneider nicht beklagen, im Gegenteil.
Für reichlich Arbeit sorgt unter anderem der hauseigene Gebrauchtwagenhandel. Wobei der Begriff Großhandel die Situation trefflicher beschreibt. Denn ständig über 1.000 gebrauchte Fahrzeuge vorrätig zu haben, hat nichts mit provinziellem Autohausgeschäft zu tun. Bierschneider kauft und verkauft im großen Stil junge Gebrauchte: Leasing- und Mietrückläufer, Dienstwagen und Vorführer. Dabei spielt der Betrieb den Trumpf „Provinz“ voll aus. So kosten Lager- bzw. Stellplätze auf dem Land oftmals nur die vielzitierten Peanuts.
Vorteil Großhandel
Von dem schwunghaften Handel lebt natürlich auch die eigene Werkstatt. Zum einen direkt in Form von Aufträgen und zum anderen indirekt durch eine gute Infrastruktur in Sachen Technik und Ausstattung. Von dieser profitieren Bierschneider-Kunden, die zu Service oder Reparatur ins Haus kommen – und nicht nur die. Zum Beispiel praktiziert Bierschneider das Geschäft mit der „schnellen Delle“ oder dem kleinen Kratzer, von dem andere nur reden, bereits in Reinkultur. Der Mühlhausener Betrieb verfügt über ein so genanntes „Clever Repair Mobil“. Ob Hagelschaden oder Schönheitsreparatur: Der VW Caddy hat die notwendige Ausstattung an Bord und erbringt die Dienstleistung bei Bedarf auch direkt beim Privat- und Firmenkunden vor Ort. Das ist Service, der ankommt. Auch wenn im Alltag mal etwas schief gegangen ist. Hat ein Kunde eine Beschwerde, bekommt er beim Autohaus Bierschneider nicht wie üblich ein paar Gratis-Oberwäschen, sondern einen Gutschein für eine Smart-Reparatur. Das ist neu, findet Anklang und spricht sich herum.
Doch das junge Team um Serviceleiter Bernhard Öttl hat weit mehr gute Ideen, um Kunden einen guten Service zu bieten und sie ans Haus zu binden. So bekommen beispielsweise Privatkunden bei Service und Reparatur zehn Prozent Nachlass auf Teile, wenn sie einen Firmenwagen fahren, der auch bei Bierschneider im Service ist. Neuwagenkäufer erhalten bei Bierschneider eine Rabattkarte für einzelne Serviceleistungen.
Viele gute Ideen
Der Preisvorteil und damit die eigenen Kosten sind nicht hoch. Doch wer den Deutschen kennt, weiß, wie Begriffe wie „Nachlass“ und „Ersparnis“ wirken. Einen guten Service genießen Bierschneider-Kunden aber nicht nur während der üblichen Geschäftszeiten. Das Unternehmen hat eine eigene 0800-Hotline. Das heißt, der Autofahrer bekommt rund um die Uhr, egal wo er sich befindet, kompetente Soforthilfe. Das freut den Kunden, aber auch die Werkstatt.
Um solche Aktionen auch effektiv zu vermarkten, hat der VW/Audi-Betrieb bereits seit fünf Jahren einen eigenen Werbefachmann und eine eigene CI. „Wir sind nicht VW/Audi und heißen Bierschneider, wir sind Bierschneider und unsere Marke heißt VW/Audi“, bringt Michael Fleischmann, Mitglied der Geschäftsleitung, die eigene Überzeugung auf den Punkt.
So heben sich die hauseigenen Flyer und Werbebriefe wohltuend von dem bekannten Einerlei der Hersteller-CI-Produkte und damit auch von Mitbewerbern ab. Bestes Beispiel sind „Edi“ und „Robby“. Wäre Bierschneider ein Kino und kein Autohaus, die beiden rüstigen Rentner wären der Kassenschlager. Dank geschickter Vermarktung kennt die beiden „Autohaus-Opas“ im Umkreis von vielen Kilometern fast jedes Kind. Und jeder weiß, dass die Beiden nicht nur den Hol- und Bringservice oder Überführungsfahrten managen, sondern dass sie auch – der Wohnung ums Eck sei Dank – außerhalb der Geschäftzeiten, sogar Nachts, Fahrzeuge annehmen oder dem Kunden übergeben können.
Mitarbeiter am Erfolg beteiligen
Damit Erfolge auch möglich sind, sorgt die Geschäftsleitung für ein entsprechendes Betriebsklima. Soll heißen: Nur ein zufriedener Mitarbeiter ist auch bereit, 100 Prozent Leistung zu bringen. So gibt es ein Prämiensystem für alle Servicemitarbeiter, das direkt an den Kundenzufriedenheitsindex „CSS“ gekoppelt ist. Die einfache Formel: Je zufriedener die Kunden, desto mehr Geld. Und es gibt interne Wettbewerbe, die meist quartalsweise abgehalten werden. Wer verkauft am meisten Kompletträder, wer ist der „Batterie-König“? Zur Belohnung gibt es Tankgutscheine, Navis und anderes.
Dass sich das Engagement der Bierschneider-Truppe auch auszahlt, belegen die nackten Fakten der Hersteller: „Audi Top Service Partner“, sowie „Forum der Besten“ und „Top 100 Servicebetrieb“ bei VW. Und damit der Erfolg auch in Zukunft gesichert ist, engagiert sich der Betrieb sehr aktiv in der eigenen Nachwuchsförderung, sprich Lehrlingsausbildung. So sind die Prüfungsbesten von heute die kommenden Erfolgsträger von morgen.
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