Daimler in Leipzig: Azubis als Lehrer
Die Mercedes-Benz-Niederlassung Leipzig belegt beim Bundesbildungspreis den zweiten Platz. Dort schulen nicht nur die Ausbilder die Azubis, sondern auch die Jugendlichen sich gegenseitig.

In großen Betrieben lauert die Gefahr, dass einzelne Abteilungen nebeneinander arbeiten, ohne sich für die Tätigkeiten und Erfahrungen der Kollegen zu interessieren. Die Ausbildung stellt da keine Ausnahme dar; schließlich unterstehen gewerbliche und kaufmännische Azubis verschiedenen Ausbildern und besuchen unterschiedliche Berufsschulen.
In der Mercedes-Benz-Niederlassung Leipzig bilden technische und kaufmännische Auszubildende ein großes Team. Der Kontakt beschränkt sich nicht auf die gemeinsame Begrüßungsfeier für alle Azubis und das eine oder andere Outdoor-Seminar. Bei der Arbeit treffen die Nachwuchskräfte spätestens dann aufeinander, wenn die kaufmännischen Auszubildenden im Rahmen ihres Durchlaufs aller Abteilungen auch in die Werkstatt kommen.
Da sich die beiden Ausbildungsverantwortlichen Katrin Grimmer (kaufmännisch) und Stefan Lorber (technisch) regelmäßig und intensiv austauschen, ist es kein Wunder, dass der innerbetriebliche Unterricht der Niederlassung zumindest teilweise auch bereichsübergreifend erfolgt. Schließlich gehen zum Beispiel die neuesten Produkte des eigenen Herstellers alle etwas an.
Getreu der Devise „Lernen durch Lehren“ sind es dann nicht Ausbilder, sondern gewerbliche Azubis, die ihren Mitschülern technische Neuheiten präsentieren, während ihre kaufmännischen Kollegen auf Aspekte des Vertriebs eingehen. Somit erfolgt Unterricht auf Augenhöhe. Auf dem gleichen Prinzip fußt auch die Überlegung, jedem Neuling einen Paten aus dem zweiten Lehrjahr zuzuordnen, der ihm in den ersten Wochen in Betrieb und Schule mit Rat und Tat zur Seite steht.
Qualifikation der Ausbilder
Das alles bedeutet nun keineswegs, dass die Niederlassung dafür bei der Qualität ihrer Ausbilder sparen würde – im Gegenteil: Sämtliche Fachausbilder in den einzelnen Abteilungen müssen nicht nur fachlich kompetent sein, sondern sich auch regelmäßig didaktisch weiterbilden. „Der qualifizierte Fachausbilder ist für einen bestimmten Zeitraum für seinen Azubi verantwortlich und bestimmt, was dieser zu tun und zu lernen hat“, unterstreicht Lorber.
Wenn der junge Mitarbeiter trotz allem etwas kritisieren möchte, hat er dazu in einem sogenannten Rückmeldegespräch die Gelegenheit. Dabei beurteilt nicht nur der Fachausbilder seinen Zögling, sondern der Azubi gibt auch seine Einschätzung ab, wie er die Ausbildung im jeweiligen Team erlebt hat. Lorber und Grimme können anhand der dabei ausgefüllten Bögen erkennen, wo noch Verbesserungspotenzial besteht – und zwar sowohl beim Azubi als auch beim Ausbilder.
Gleichzeitig hilft das Feedback der Niederlassung bei der Einschätzung, wo die berufliche Zukunft der Nachwuchskraft liegen könnte. Schließlich will man einen gut ausgebildeten Mitarbeiter im eigenen Unternehmen halten.
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