Oldtimer-Spezialtransport Das Boot – der Lkw

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Tolle Oldtimer, die man in Museen ausstellt, haben Räder? „Nicht zwingend!“, sagt das Technik Museum. Doch fast immer braucht man eine große Zahl solcher, um das Objekt nach Sinsheim bzw. Speyer zu bringen. So wie in diesem Fall: 240 Räder, vorne dran am MAN TGX, schafften 350 Tonnen U-Boot zu ihrem neuen Bestimmungsort.

Größenverhältnisse sichtbar gemacht: Bis zu vier Schwerlastzugmaschinen brachten U17 sicher ins Technik Museum nach Sinsheim.(Bild:  Auto - Technik - Museum e.V.)
Größenverhältnisse sichtbar gemacht: Bis zu vier Schwerlastzugmaschinen brachten U17 sicher ins Technik Museum nach Sinsheim.
(Bild: Auto - Technik - Museum e.V.)

So einen Transport haben selbst die Profis von Kübler Schwertransporte nicht alle Tage. Rund 500 Tonnen – circa 350 Tonnen U-Boot und circa 150 Tonnen Tieflader – bewegten sich bis zum 28. Juli durch den Kraichgau im nördlichen Baden-Württemberg. Ihre Fracht: das U-Boot U 17, seit 2010 bei der Deutschen Marine außer Dienst und dann auf dem Weg zum Technik Museum Sinsheim. Der fast 50 Meter lange Stahlkoloss thronte auf einem Plattformwagen mit 30 Achsen, gezogen von einem MAN TGX 41.680 8x6. Am 30. Juni hatte sich der Transport auf den Weg gemacht, zuerst vom Technik Museum Speyer zum Rhein. Dort wurde U17 auf einen Fluss-Ponton verladen, um zuerst über den Rhein nach Mannheim und danach über den Neckar bis zum 9. Juli nach Haßmersheim transportiert zu werden. Von dort aus ging es über die Straße zum Zielort Sinsheim, der am 28. Juli erreicht wurde. Kübler war für die gesamte Strecke verantwortlich.

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Neben der schieren Masse von U17 machten auch seine Abmessungen den Transport zu einem Abenteuer. Sowohl auf dem Wasser als auch während der Fahrt auf der Straße musste es immer wieder um 73 Grad gedreht werden – sonst hätte der Truck mit seiner sperrigen Fracht weder Bahnübergänge über- noch diverse Brücken unterqueren können. Möglich machte das eine Drehvorrichtung, die speziell für die letzte Reise von U17 angefertigt wurde. Solche individuellen Lösungen sind für Kübler nichts Neues: Das Unternehmen aus Michelfeld-Erlin ist als Logistikdienstleister weltweit im Bereich Schwergut tätig und dadurch bestens vertraut mit Herausforderungen aller Art. Neben mächtigen Tiefladern und kräftigen Trucks ist vor allem eines bei solchen Aufträgen unverzichtbar: Lkw-Fahrer mit viel Berufserfahrung und einem besonders guten Konzentrationsvermögen.

Extra „Drehspieß“ angefertigt

Frieder Saam ist einer von ihnen. Er saß am Steuer des MAN TGX 41.680 8x6 und chauffierte U17 in Richtung Sinsheim. „Ich fahre schon seit sehr vielen Jahren Schwertransporte“, berichtete er. „Und es ist trotzdem immer wieder etwas Besonderes, weil kein Auftrag dem anderen gleicht. Außerdem macht es mich auch stolz, derart große Transporte fahren zu können.“ Die Vorbereitungen dafür starten lange, bevor sich die Fracht zum ersten Mal in Bewegung setzt: Mögliche Routen werden erkundet, Absprachen mit Behörden und Polizei getroffen. Jede Tour ist Maßarbeit. Im Falle des U17-Transports begannen die Planungen bereits vor gut fünf Jahren. Insgesamt waren bei Kübler zwei bis drei Personen daran beteiligt – von Anfang an maßgeblich auch Fahrer Saam. Sobald sich der Transport einmal auf den Weg gemacht hat, ist höchste Konzentration gefordert. Der gesamte Transport war ein heikles Unterfangen. Das Team manövrierte den 90 Meter langen und 10 Meter hohen Schwertransport nicht nur unter tiefen Brücken hindurch, sondern auch durch engste Straßen des malerischen Kraichgaus.

Zu den kniffligsten Momenten gehörte das mehrmalige Drehen des Bootes auf dem Ponton. Bisher wurde das Drehen nur an Land durchgeführt. Auf dem Wasser musste die Crew nicht nur das Boot, sondern auch das Ponton im Gleichgewicht halten. Eine besondere Herausforderung war das Abfahren vom Ponton in Haßmersheim, als U17 an Land ging. Auch hier musste der Ponton ständig neu ausbalanciert werden, um die sich verändernde Last auszugleichen. „Einen solchen Transport können wir nur als Team meistern“, sagte Niclas Grimm, Projektleiter bei der Spedition Kübler GmbH. „Da wir schon seit vielen Jahren im Geschäft sind, konnten unsere Mitarbeiter auf der ganzen Welt Erfahrungen mit Herausforderungen aller Art sammeln. Das kommt uns jetzt natürlich zugute – und natürlich sind wir auch äußerst stolz darauf, dass das Technik Museum Sinsheim uns diese komplexe Aktion anvertraut hat.“

Die Technikmuseen

Vom gemeinnützigen Verein Auto + Technik Museum Sinsheim e. V. getragen und ganz nach dem Motto „für Fans von Fans“ gehören den Technik Museen Sinsheim Speyer weltweit über 5.000 Mitglieder an. Im Jahr 2023 passierten fast eine Million Menschen die Türen der beiden Einrichtungen. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch Eintrittsgelder, Spenden sowie Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder. Alle Überschüsse werden zur Erhaltung und zum Ausbau der Museen verwendet. An 365 Tagen im Jahr geöffnet, zeigen die Technik Museen Sinsheim Speyer zusammen auf mehr als 200.000 m2 über 6.000 Exponate aus allen Bereichen der Technikgeschichte in einer weltweit einzigartigen Vielfalt. Vom U-Boot bis zum Oldtimer, von der Concorde bis zum Space Shuttle Buran ist alles vertreten. Neben den Dauer- und wechselnden Sonderausstellungen gibt es zahlreiche Fahrzeug- und Clubtreffen sowie Events, sowie zwei IMAX-Großformat-Kinos.

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