Elektroumbau Das E-G-Modell

Von Steffen Dominsky 3 min Lesedauer

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Da wird der Förster hellhörig: „Eine Mercedes-G-Klasse ohne typische Motorgeräusche – gibt’s so etwas?“ „Na klar, demnächst bei uns“, sagt Silberform. Auf der Retro Classics stellte der Entwicklungsdienstleister sein neues Geschäftsfeld „Car Electric“ vor, das allen voran Oldtimer im Visier hat.

Der E-Umbau am Beispiel eines G-Modells, wie ihn Mercedes-Benz nicht hätte besser machen können.(Bild:  Dominsky – VCG)
Der E-Umbau am Beispiel eines G-Modells, wie ihn Mercedes-Benz nicht hätte besser machen können.
(Bild: Dominsky – VCG)

Wer ein E-Auto hat bzw. schon mal mit einem solchen gefahren ist, der liebt ihn, den Bumms. Denn anders als beim Verbrennungsmotor steht beim Elektromotor das volle Drehmoment mit der quasi ersten Drehzahl an. Das ist eine der Haupteigenschaften, die für den alternativen Antrieb spricht – abgesehen von der geringeren Akustik sowie dem (möglichen) Umweltaspekt. Und so verwundert es nicht, dass es mittlerweile nicht nur Firmen gibt, die neue Elektroautos bauen, sondern auch solche, die Alltagsautos und sogar Oldtimer auf einen Elektroantrieb umrüsten. Etlichen dieser Fahrzeuge gemein ist, dass es sich hierbei, um höflich zu bleiben, um sehr individuelle Umbauten handelt; manchmal um qualitativ eher minder professionell gemachte Conversions, wie der Angelsachse sagt.

Umso überraschter ist man, wenn man über Antriebs-Mutationen „stolpert“, die durch ein hohes Maß an Professionalität zu überzeugen wissen. Solche, wie sie beispielsweise das Unternehmen Silberform im Rahmen seines neuen Geschäftsfelds „Car Electric“ anbietet. Ein erstes Reinschnuppern gewährte der unter anderem für die Automobilindustrie tätige Entwicklungsdienstleister aus Weil der Stadt bei Stuttgart unlängst den Besuchern der Retro Classics. Hier zeigten die E-Mobility-Experten von Silberform mithilfe des Chassis einer Mercedes-Benz G-Klasse (Baureihe 461), was sie unter einem wertigen und technisch ausgefallenen E-Umbau verstehen. „Unser Ziel bei einem solchen Umbau auf eine zukunftsweisende Antriebstechnologie ist es, den Werterhalt und die Originalität des Fahrzeugs zu bewahren. Im Ergebnis können wir die charakteristischen Fahreigenschaften eines legendären Geländewagens nicht nur erhalten, sondern durch unser innovatives Elektroantriebskonzept maßgeblich optimieren“, erklärt Silberform-Vorstandsvorsitzender Jürgen Müller im Interview mit »kfz-betrieb«.

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Selbst entwickelt statt einfach zugekauft

Als Antrieb dient dem gezeigten E-G-Modell ein Asynchronmotor mit einer Nennleistung von 80 kW und einer Spitzenleistung von 180 kW. Dem liefert eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 54 bis 82 kWh die nötige Energie, die einer Reichweite von 180 bis 250 Kilometern entspricht. Der Clou: Die beiden Batteriepacks – eines anstelle des Verbrennungsmotors und eines anstelle des Tanks – bestehen aus zwei bis fünf eigens entwickelten Batteriemodulen, deren Kühlungssystem Silberform bereits zum Patent angemeldet hat. Und auch das zentrale Element des Systems, das intelligente Lade- und Entlade-Batteriemanagement mit einer Ladeleistung von 100 kW Gleichstrom und 11 kW Wechselstrom, hat Silberform selbst entwickelt. Außerdem kann ein derart elektrifizierter Oldtimer auch als Stromspender für Elektrogeräte („Vehicle-to-Load“ – „V2L“) bzw. andere Elektrofahrzeuge („Vehicle-to-Vehicle“ – „V2V“) fungieren. In Ländern mit entsprechender gesetzlicher Freigabe kann er auch bidirektional ans Hausstromnetz angeschlossen werden („Vehicle-to-Grid“ – „V2G“). Das heißt, der die meiste Zeit herumstehende und kaum genutzte Oldie könnte plötzlich deutlich öfter zum Einsatz kommen und im wahrsten Sinne des Wortes etwas für sein Geld tun.

Das in Stuttgart gezeigte Chassis soll nun zeitnah seine (restaurierte) Karosserie zurückerhalten, sodass demnächst die ersten Probefahrten auf öffentlichen Straßen absolviert werden können. Im Spätsommer möchte Silberform-Chef Müller der Öffentlichkeit dann das fertige Produkt präsentieren. Wichtig zu wissen: Die Mercedes-G-Klasse steht exemplarisch für das hauseigene Elektroumbaukonzept. Damit kann künftig „jedes“ andere Fahrzeug bzw. jeder andere Oldtimer professionell auf den alternativen Antrieb umgerüstet werden.

Der Lautsprecher, den man nicht sieht

Ebenfalls auf der Retro Classics stellte das schwäbische Unternehmen unter dem Namen „Silberform Dynamics“ die neueste Evolutionsstufe seiner Exciter-Soundtechnologie vor. Auch dem 3D-Soundsystem diente als „Demonstrator“ ein G-Modell von Mercedes-Benz, genauer gesagt ein ehemaliger Bundeswehr-Wolf. Aus der aus musikalischer Sicht miserablen Basis haben die Silberform-Entwickler ein echtes „Klangwunder“ gemacht. Denn statt klassischer Lautsprecher, mit ihren „kleinen“ Membranen, haben sie sogenannte Exciter – im Prinzip Lautsprecher ohne Membran – verbaut. Diese nutzen bestehende Interieur-Bauteile als solche. Die beiden großen Vorteile, die sich daraus ergeben: Erstens bleibt die originale Fahrzeugoptik unangetastet und es müssen nirgends irgendwelche Löcher in Verkleidungen etc. gebohrt werden. Zweitens bieten die Sound-Aktuatoren eine beeindruckende Klangqualität bzw. einen Klang, der dem eines großen Raums entspricht. Sein Dynamic Soundsystem hat Silberform speziell für den Automobilsektor entwickelt. Es erfüllt Industriestandards und wird bereits erfolgreich in verschiedenen Serienfahrzeugprojekten eingesetzt.

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