Das Katastrophenjahr überstanden
Der Leipziger Renault- und Dacia-Händler Auto Tag schaut nach der Trennung von Standorten und der Marke Nissan wieder nach vorn.
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Hans-Peter Priesnitz, einer der beiden Geschäftsführer von Auto Tag, ist optimistisch: „Mit dem neuen Mégane, dem Mégane Coupé und dem neuen Laguna Coupé haben wir eine moderne und attraktive Modellpalette wie noch nie. Das muss sich einfach in größeren Verkaufszahlen niederschlagen.“
Diesen Optimismus hat sich Priesnitz aus dem Jahr 2007 herübergerettet. 2007 war für das Unternehmen nämlich aus seiner Sicht ein „Katastrophenjahr“. Der Firmengründer und langjährige Geschäftsführer Fritz Henze schied aus Altersgründen aus und verabschiedete sich auch als Gesellschafter. Nissan kündigte den Händlervertrag. Die Filialen in und um Magdeburg waren so wenig effektiv, dass die neue Geschäftsführung sich entschloss, sie zu schließen.
Priesnitz erinnert sich: „Wir haben sehr viel Geld in den Aufbau der vier Filialen investiert aber dennoch nie richtig dort Fuß fassen können.“ Das Ende war eines mit Schrecken: Fast 2.000 weniger verkaufte Autos und fast 20 Millionen Euro weniger Umsatz. 34 Mitarbeiter mussten entlassen werden.
Seither konzentriert sich das Unternehmen auf die Betriebe um Leipzig und in Halle. Mit Erfolg: 2008 konnten wieder mehr Autos verkauft werden. Und auch der Umsatz steigt langsam wieder.
Priesnitz sieht drei Gründe dafür. Zum einen die verlässlichen, sehr gut ausgebildeten Mitarbeiter, die auch in schweren Zeiten dafür gesorgt haben, dass Auto Tag eine Kundenzufriedenheit größer 76 Prozent hatte. Zum anderen die geänderte Vertriebspolitik von Renault weg von den Kurzzulassungen, wieder hin zu den Privatkunden. „Diese Entscheidung hat uns das Überleben gesichert“, erläutert Priesnitz. Der Privatkundenanteil bei Auto Tag ist nämlich von jeher sehr hoch.
Alte Kunden zurückgewinnen
Und auch die angeschlossenen Partner haben ihren Anteil daran, dass es wieder aufwärts geht. Für sie engagiert sich Auto Tag allerdings auch sehr. „Die 20 Betriebe sind unsere größten Kunden. Wenn wir so arbeiten, dass sie zufrieden sind, bringt es uns allen etwas“, erklärt Priesnitz. Deshalb kümmern sich in der Zentrale extra Mitarbeiter nur um die angeschlossenen Betriebe, helfen bei Marketingplänen und Aktionen, informieren über neue Verkaufsförderprogramme des Importeurs und übernehmen die Neuwagendisposition und Teilebestellung.
Hans-Peter Priesnitz hält viel davon, Kunden durch Probefahrten von einem Auto zu überzeugen. Obwohl der Händler seine Bestände stark zurückgefahren hat, sind immer so viele Vorführwagen da, dass die Verkäufer jedem Kunden eine Probefahrt anbieten können. „Priesnitz schmunzelt: „Wir zwingen die Kunden fast dazu.“ Mit diesen Wagen helfen die Leipziger im Übrigen auch ihren Partnern aus, die selbst keine so große Palette vorhalten können.
Zu den wichtigen Aufgaben nach dem schlimmen Jahr 2007 gehört auch, dass Auto Tag sich wieder auf verlorengegangene Kunden konzentriert. Jeder Verkäufer ist angehalten, seine Kunden anzusprechen. Außerdem geht die Mannschaft nach draußen, in Einkaufszentren oder organisiert Veranstaltungen im Business Center. Dass die neuen Modelle das Werben erleichtern, merken die Mitarbeiter. Schon bevor der neue Mégane in den Showrooms stand, fragten zahlreiche wechselwillige Kunden nach ihm.
Im Jahr 2008 profitierte das Unternehmen auch von der guten Entwicklung der Marke Dacia. Mehr als 500 davon werden in diesem Jahr verkauft. Das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Geschäftsführung überlegt zurzeit, ob sie die Marke separieren soll oder nicht. Bei der wachsenden Zahl der Modelle würde sich das einerseits lohnen, andererseits verlöre man die komplett neue Kundschaft wieder. Und auch das Gebrauchtwagengeschäft, dessen Volumen durch die Dacia-Kunden steigt, verlangt neue Konzepte.
Es wird also auch in den kommenden Jahren Veränderungen geben bei Auto Tag. Allerdings eher nicht infolge von Katastrophen.
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