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Das sind die neuen Kandidaten für das H-Kennzeichen

| Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Vor 30 Jahren fuhren so viele Supersportler wie nie zuvor an den Start. Hubraumstarke V12- und V8-Maschinen und kräftige Coupés feierten ein Comeback. Jetzt sind die Neuen von damals Oldtimer und H-Kennzeichen-Kandidaten.

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Der Skoda Favorit darf seit diesem Jahr ein H-Kennzreichen tragen.
Der Skoda Favorit darf seit diesem Jahr ein H-Kennzreichen tragen.
(Bild: Skoda)

Die schönste Art in einen Stau zu fahren findet sich für die meisten Autofahrer abseits von Autobahnen und werktäglicher Rush-hour. Es sind die oft endlosen Schlangen vor den Parkplätzen für Oldtimer-Festivals oder die Kolonnen klassischer Fahrzeuge, die auf ihre Bewertung bei Rallyes oder Concours d'Elegance warten. Alte Autos faszinieren offenbar alle, Familien mit bescheidenem Budget ebenso wie wohlhabende Sammler. Entsprechend rasant vermehren sich Fahrzeuge mit H-Kennzeichen, jenem Signet, das rollendes historisches Kulturgut auszeichnet.

Erteilt wird das Oldtimerkennzeichen seit nunmehr genau zwei Jahrzehnten für Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind, sich aber auch im technisch einwandfreien, originalen Zustand befinden. Neben möglichen finanziellen Vergünstigungen und freier Fahrt in Umweltzonen auch ohne Katalysator symbolisiert das H-Kennzeichen für viele Fans schlicht die Freude am Oldtimer, weswegen es bereits gut 400.000 Klassiker ziert.

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2018 feiern über 100 neue Modelle ihren 30. Geburtstag, allesamt Kandidaten für das Veteranen-Kennzeichen. Von Alfa bis Volvo, vom Zweizylinder bis zum V12, vom 8.500 Mark billigen Fiat 126 bis zum 444.000 Mark teuren Ferrari F 40, vom vergessenen Gemini bis zum Wartburg mit VW-Motor ist alles dabei. Vor allem aber Vmax für die Überholspur.

„Von 0 bis zu Tante Elli in 15 Minuten: Selbst mit einem Rennwagen schafft das meine Mammi nicht schneller“, grinste der Grundschüler im gerade einmal 43 kW/58 PS abgebenden Skoda 135 G Coupé. „Wovon Männer träumen“, textete die Nissan-Werbung 1988 zum schnellen 300 ZX Turbo Racer, an dessen Fenster sich zwei Schuljungen die Nase platt drückten während die Freundin frustriert auf den Boden blickte. Vielleicht hätte die junge Dame einfach auf die Suzuki-Werbung schauen sollen. Dort versprach das fröhliche SJ 413 Cabrio Ferienspaß für vier Jahreszeiten mit aufblasbarer Badeinsel, pinker Reisetasche und Wintersportausrüstung.

Drei Marketingmotive, die alles kommunizierten, was das Autojahr ausmachte, in dem Steffi Grafi den Grand Slam und Olympisches Gold holte und Boris Becker mit Carl-Uwe Steeb Deutschland den Davis-Cup sicherte: Maximale Sportlichkeit, Allrad in allen Klassen, mehr Cabriolets für Sonne im Leben und vor allem Freizeit-Fun. Das alles mit dem bis dahin größten und am besten gegen Korrosion geschützten Modellangebot auf dem deutschen Markt. Entsprechend bunt und spannend sind 30 Jahre später die H-Kennzeichen-Anwärter.

Auch Supersportler als H-Kandidaten

Selbst die Sammler rarer superschneller Renner wie Aston Martin Virage, Ferrari F40, Lamborghini Countach 25th Anniversary, Maserati Karif, oder Porsche 959 könnten für ihr Garagengold Wert auf ein „H“ legen, ist es doch derzeit das beste Mittel gegen den europaweit wachsenden Flickenteppich aus Fahrverboten für Altautos. Gleiches gilt für die Besitzer aller Boliden, die 1988 freie Bahnen für deren überschießendes Temperament forderten, darunter BMW M3 Cabrio (E30) und M5 (E34), Audi Coupe Quattro, Jaguar XJS-Cabriolet, Mercedes-Benz 190 E 2.5-16, Porsche 911 Carrera Speedster und Toyota Supra Turbo.

Bemerkenswert war die Selbstverpflichtung vieler Autobauer, die Beschleunigung bei 250 km/h per Abregelung zu beenden. Schließlich waren die Diskussionen um das Waldsterben und ein allgemeines Tempolimit noch nicht verklungen. Auch deshalb gab es nun immer mehr Modelle serienmäßig mit Abgaskatalysator.

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