Dekra investiert in erweiterte Hauptuntersuchung

Redakteur: Steffen Dominsky

Fahrzeuge, die seit dem 1.4.2006 erstmals zugelassen werden, müssen eine erweiterte Hauptuntersuchung durchlaufen. Sie soll die Sicherheit der elektronischen Systeme überwachen.

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Die Technik moderner Fahrzeuge entzieht sich der Kontrolle mit herkömmlichen Mitteln. Das Problem dabei: Zahlreiche Bauteile und Systeme lassen sich nicht wie früher im Rahmen der Hauptuntersuchung allein mit den Augen kontrollieren. Deshalb hat der Gesetzgeber die bisherige Hauptuntersuchung angepasst.

Seit dem 1.4. 2006 unterziehen die Prüforganisationen Fahrzeuge, die ab diesem Zeitpunkt erstmals zugelassen wurden, einer erweiterten Hauptuntersuchung. Diese bezieht nun die elektronischen Fahrzeugkomponenten in die Untersuchung ein.

Die Prüforganisation Dekra hat in den vergangenen Jahren die Elektronikkenntnisse ihrer gut 4.000 Ingenieure erweitert und sie mit den neuen Systemen vertraut gemacht. Zusätzlich hat das Stuttgarter Unternehmen das Mobile Ingenieur Terminal (MIT) eingeführt. Diese Laptops sind moderne Datenerfassungssysteme, Informationsträger sowie Basisstationen für den Anschluss weiterer technischer Module wie AU-Geräte oder anderer Tools für die Datenerfassung.

Schrittweis verbesserte Gerätetechnik

Seit dem vergangenen Jahr setzt Dekra zusätzlich mehrere Tausend mobile Datenerfassungsgeräte ein, die Dekra-Pocket-PC (DPC). Alle fahrzeugspezifischen lnformationen stehen dem Ingenieur direkt am Fahrzeug zur Verfügung. Er dokumentiert mit dem Tool die festgestellten Mängel und druckt von hier aus direkt nach der Prüfung den Untersuchungsbericht aus.

Eine weitere Ausbaustufe für die Prüfung von Lkw-Bremssystemen ist das Truck Handheld Tool (THT), mit dem die Sachverständigen das konventionelle Manometer ersetzen. Auch dieses Gerät hilft, die Qualität und Effizienz zu erhöhen.

Ein weiterer Schritt wird der HU-Adapter zum Auslesen von spezifischen HU-Daten sein, der die Systemdatenprüfung in Hinblick auf Verbau und Zustandsbewertung erleichtert. Er soll 2010/2011 verfügbar sein. Zum Prüfumfang zählen Systeme wie der Schleuderschutz ESP, Antiblockiersystem (ABS), die Airbags, aber auch das Kurvenlicht, die elektromechanische Servolenkung und das Antriebsschlupfsystem (ASR).

Hintergrund der Prüfung

Die elektronisch geregelten Sicherheitssysteme im Auto können nur dann wirklich schützen, wenn sie korrekt funktionieren. „Das beste Airbagsystem nützt beim Unfall nichts, wenn es nicht einwandfrei arbeitet oder abgeschaltet ist“, betont Dr. Neumann. „Deshalb war es ein wichtiger Schritt für die Verkehrssicherheit, die erweiterte Prüfung der Sicherheitselektronik in die Hauptuntersuchung zu integrieren. Sie hat zum Ziel, den Verbraucher vor dem Ausfall wichtiger Sicherheitsfunktionen durch Defekt, Verschleiß oder Manipulation zu schützen.“

Mit dem bewährten System der Arbeitsteilung zwischen Werkstätten und Prüforganisationen sieht sich Dekra für die neuen Aufgaben gut aufgestellt. Dr. Neumann: „Der Sachverständige prüft die Fahrzeuge unter den Aspekten der Hauptuntersuchung, das heißt, er achtet besonders auf die Systeme, die für die Verkehrssicherheit relevant sind. Die Werkstatt diagnostiziert und setzt die Fahrzeuge instand. Diese klare Arbeitsteilung hat auch für die Zukunft die besten Erfolgschancen.“

Beanstandet wird, was eingebaut ist

„Für eine sinnvolle, aber auch gleichzeitig effiziente Prüfung greifen die Prüforganisationen auf die Verbauinformationen der Fsd GmbH zurück, aus denen hervorgeht, welche Systeme im neuen Fahrzeug ursprünglich eingebaut waren“, erläutert Hans-Jürgen Mäurer, Leiter Entwicklung Prüftechnik, DEKRA Automobil GmbH.

Neben der Vorschriftenkonformität steht bei der Systemdatenprüfung die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge im Vordergrund. „Daher sind bei der Hauptuntersuchung alle die Verkehrssicherheit tangierenden Systeme oder Fahrzeugkomponenten zu bewerten. Konkret bedeutet dies, dass auch ein ESC-System beanstandet wird, selbst wenn es nicht grundsätzlich für dieses Fahrzeugmodell vorgeschrieben ist.“

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