Dem Teilehandel droht der Margenverfall

Autor / Redakteur: Norbert Rubbel / Norbert Rubbel

Die schlechten Renditen im Neuwagenhandel veranlassen die Fahrzeughersteller und Autohäuser, Originalersatzteile verstärkt an freie Werkstätten zu vermarkten. Doch der Wettbewerb ist groß, die Preise geraten unter Druck.

Serviceleistungen wie die Teileverfügbarkeit und Lieferschnelligkeit sind für die Werkstätten wichtiger als günstige Preise.
Serviceleistungen wie die Teileverfügbarkeit und Lieferschnelligkeit sind für die Werkstätten wichtiger als günstige Preise.
(Bild: Hess)

Die Grenzen zwischen dem freien und herstellergebundenen Teilemarkt verwischen immer mehr. Jeder liefert an jeden: Die Fahrzeughersteller und großen Autohandelsgruppen versorgen die freien Werkstätten mit Originalteilen. Die unabhängigen Teilegroßhändler verkaufen ihre Produkte an die markengebundenen Autohäuser. Einen IAM (Interpendent Aftermarket) und OES (Original Equipment Service) werde es laut Helmut Wolk künftig nicht mehr geben: „Wir bekommen einen freien Teilemarkt“, sagte er anlässlich des Wolk-Aftermarket-Forums „OE goes IAM – IAM goes OE“ in Bonn.

Auf dem richtigen Weg sei nach Aussagen des Marktanalysten die PSA Groupe mit ihrem markenunabhängigen Werkstattkonzept „Euro-Repar“. Ziel des französischen Automobilherstellers ist es, führender Mehrmarkenhändler von Ersatzteilen in Europa zu werden. Neben Euro-Repar mit seinen rund 2.500 Werkstattpartnern in Europa sollen dabei die eigene Teilemarke „Distrigo“ mit über 200.000 Produkten, die Werkstattplattform „Autobutler“ und das Teileportal „Mister-Auto“ helfen. Für Fahrzeuge, die älter als drei Jahre sind, hat der Autokonzern unter dem Namen „Euro-Repar“ bereits 40 Produktgruppen im Teilesortiment. Ein Drittel der Ersatzteile stammen aus dem PSA-Konzern und zwei Drittel sind Fremdmarkenprodukte.

Um den Mehrmarkenhandel weiter auszudehnen, hat sich PSA erst kürzlich an einer Internetplattform für Gebrauchtwagen beteiligt. „Wir entwickeln für alle Marktsegmente digitale und serviceorientierte Mehrmarkenangebote“, betonte René Tchamendje, Leiter Budgetsteuerung und Geschäftsentwicklung bei der PSA Groupe.

Gesamtpakete schnüren

Dass mittlerweile jeder Endkunde fast jedes Verschleißteil über ein Onlineportal günstiger als eine freie Werkstatt von ihrem lokalen Großhändler bekommt, bedauert Tilman Veltjens, Geschäftsführer der Internetplattform Alfah Parts. Teilepreise, die unterhalb der unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller lägen, führten zum Margenverfall. „Player, die für die Werkstätten ein Gesamtpaket – von der Bestellung über die Rechnungsabwicklung bis zum Reklamationswesen – schnüren, werden im Ersatzteilehandel gewinnen“, sagte Veltjens.

Nach dem Motto „Alles aus einer Hand“ wirbt die Autohandelsgruppe Dello für sein markenübergreifendes Teilesortiment. Mit Originalteilen von 18 Automarken, Teilen in Erstausrüstungsqualität und der Eigenmarke „Automega“ will das Hamburger Unternehmen „die Sahne vom IAM abschöpfen“, erklärte Dello-Geschäftsführer Björn Böttcher den Forumsteilnehmern. Mithilfe seiner drei Logistikzentren und angeschlossenen Opel-Betrieben will er die freien Werkstätten tagesaktuell mit Ersatzteilen beliefern.

Autohändlern fehlt das Know-how

Doch nur wenige Autohäuser sind im Teilegeschäft so gut aufgestellt wie Dello. Die Kundengruppe „freie Werkstätten“ werde von vielen markengebundenen Kfz-Betrieben immer noch als Wettbewerber gesehen, weiß Michael Gauck von Wolk After Sales Experts. „Der Vertrieb von Originalteilen hat auf der Chefebene in den Autohäusern keine Priorität.“ Verschiedene Projekte zeigten zudem, dass einigen Autohändlern die finanziellen Ressourcen und das Know-how für den Aufbau der Logistik von Originalteilen fehlten.

Eine Befragung von 1.000 Werkstätten in Deutschland zeige, dass für die Betriebsinhaber neben der „hohen Produktqualität“ (79 Prozent), die „Teileverfügbarkeit“ (79 Prozent), „Lieferschnelligkeit“ (78 Prozent) und „einfache Teileidentifikation“ (70 Prozent) die wichtigsten Faktoren beim Teileeinkauf seien. Dagegen stünden die „günstigen Preise und Rabatte“ (42 Prozent) in der Anforderungsrangliste der Werkstätten nur auf Platz sechs – hinter der „guten Kundenbeziehung zum Teilehändler“ (50 Prozent).

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