Neuzulassungen Der Absturz geht in Dauerflaute über

Von Andreas Grimm 1 min Lesedauer

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Im Vergleich zum krachenden Rückgang im August fühlt sich das September-Minus wie ein sanfter Rückgang an. Doch letztlich liegt der Markt am Boden. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch.

Der Transporter ist halbleer, die Zulassungszahlen sind weiterhin im Keller. Doch mitten in der schlechten Stimmung gibt es mehr Neuaufträge.(Bild:  Grimm – VCG)
Der Transporter ist halbleer, die Zulassungszahlen sind weiterhin im Keller. Doch mitten in der schlechten Stimmung gibt es mehr Neuaufträge.
(Bild: Grimm – VCG)

Der deutsche Neuwagenmarkt verharrt im Rückwärtsgang. Im September ging die Zahl der Neuzulassungen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) vom Freitag (4. Oktober) um 7,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Damit kamen nur noch 208.848 Pkw erstmals auf die Straßen. Im August war der Rückgang mit einem Minus von 28 Prozent deutlich heftiger ausgefallen – allerdings nicht zuletzt aufgrund von Sondereffekten.

Angesichts des erneuten Rückgangs verharrt der Gesamtmarkt auf Jahressicht im Minus. In den bisherigen neun Monaten registrierte das KBA 2,116 Millionen Neuwagen. Das waren 1,0 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum. Damit liegt der Gesamtmarkt rund 620.000 Einheiten oder 23 Prozent hinter dem Ergebnis des Jahres 2019 zurück – und ist nur 100.000 Einheiten besser als im Jahr 2021.

„Der Abwärtstrend auf dem Neuwagenmarkt hält an“, bringt die Unternehmensberatung EY die Situation auf den Punkt. Die Gründe seien vielfältig, gleichwohl in einem „problematischen Mix“, analysiert Constantin M. Gall, Leiter Mobility bei EY für Westeuropa. Die an sich schon trübe Wirtschaftslage in Deutschland treffe zunehmend auf massive strukturelle Probleme des Standorts Deutschland. Im Ergebnis ist „die Stimmung bei Unternehmen wie Verbrauchern schlecht. Hinzu kommt, dass die geopolitische Lage weiterhin sehr angespannt ist und von vielen Menschen als beängstigend empfunden wird.“

Auch Thomas Peckruhn, ZDK-Vizepräsident und Sprecher des Fabrikatshandels in Deutschland, sieht eine kritische Lage. „Für den Automobilhandel ist es Besorgnis erregend, dass die Gesamtzahl der Pkw-Neuzulassungen im September erneut rückläufig ist“, sagte er. Dies gelte umso mehr, weil sowohl die privaten als auch die gewerblichen Zulassungen im Minus seien.

Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie wurden im September dieses Jahres 19 Prozent mehr Bestellungen aus dem Inland registriert. Das ist ein deutlicher Richtungswechsel. In den Vormonaten waren die Bestellzahlen meist nur leicht gestiegen – oder sogar weiter gesunken.

Elektromarkt zwischen Hoffen und Bangen

Auf dem Papier stabilisiert haben sich im September die Elektrozulassungen. Die Zahl der neu zugelassenen rein batterieelektrischen Neuwagen legte im September sogar um 8,7 Prozent auf 34.479 Einheiten zu. Allerdings gilt es derzeit bei Monatsvergleichen immer die Sondereffekte durch Förderstopps und Ähnliches zu bedenken. Wegen des Förderstopps im Vorjahr für gewerbliche Elektro-Neuzulassungen waren die BEV-Zahlen im September 2023 eingebrochen – und konnten sich von diesem niedrigen Niveau nun etwas erholen. Der Anteil der BEV-Modelle an allen Neuzulassungen lag im September bei 16,5 Prozent. Im bisherigen Jahresverkauf ist diese Antriebsart allerdings 28,6 Prozent im Minus.

Dass Elektro derzeit nicht in Mode ist, zeigt sich an den Zahlen für die Plug-in-Hybride. Die PHEV-Neuanmeldungen gingen im September um 2,9 Prozent zurück (14.936 Einheiten – Marktanteil 7,2 %). „Noch immer ist die Anschaffung von Elektrofahrzeugen für viele Kundengruppen zu teuer und auch das Vertrauen in eine passgenaue Ladeinfrastruktur nicht ausgeprägt“, analysierte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn die Lage aus Sicht des Kfz-Handels.

Der Importeursverband VDIK hat die ernüchternden Zahlen zum Anlass genommen, nochmals an die Politik zu appellieren, die für 2025 vorgesehenen CO2-Flottengrenzwerte zügig zu überprüfen. Die Branche sehe sich einem „herben Rückschlag bei der Antriebswende“ gegenüber und drohe daher die Flottenziele im kommenden Jahr zu verpassen. Die dann fälligen Milliardenstrafen würden aber als Investitionen in den weiteren Hochlauf der Elektromobilität fehlen. Notwendig seien zudem eine Reduzierung des Ladestrompreises und steuerliche Maßnahmen für Pkw und Nutzfahrzeuge. „Anreize für Privatkunden und praktische Vorteile durch die Nutzung emissionsfreier Fahrzeuge im Straßenverkehr können die Antriebswende ebenfalls unterstützen“, sagte VDIK-Präsident André Schmidt.

Auch EY-Branchenexperte Gall rechnet mit einer anhaltenden Elektro-Zurückhaltung in den kommenden Monaten. „Im laufenden Jahr werden in Deutschland voraussichtlich etwa 150.000 Elektroautos weniger verkauft als im vergangenen Jahr“, rechnet er hoch. Damit bleibe der Absatz deutlich unter dem Niveau der Jahre 2022 und 2023 und nur leicht über dem Absatz von 2021.

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Skoda setzt Bestwert beim Marktanteil

Die Entwicklung der einzelnen Marken ist meist rückläufig, wenn auch mit einigen auffälligen Ausnahmen. Insbesondere Skoda fällt aus dem Rahmen. Die Neuzulassungen der Tschechen legten im September um 34,8 Prozent auf 17.212 Einheiten zu. Die Presseabteilung des Importeurs verwies umgehend darauf, dass Skoda erstmals im September einen Marktanteil von 8,2 Prozent erreicht hat, damit auf Platz vier in der Zulassungsstatistik (vor Audi) liegt und nach drei Quartalen auf einen Marktanteil von 7,3 Prozent kommt.

Doch die Tschechen sind nicht die einzigen Gewinner. Prozentual sogar noch deutlicher legte Volvo zu (+38,3 %). Auch bei Toyota (+27,8 %) und Mini (+16,9 %) können sich die Entwicklungen sehen lassen. Zugelegt haben zudem noch Peugeot (+9,3 %) und Dacia (+3,9 %). Heftig in den Keller ging es dagegen für Fiat (-40,1 %), Citroën (-29,3 %) und Renault (-24,0 %).

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