Messesterben Der Genfer Autosalon wird endgültig eingestellt

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Spätestens nach den schwachen Aussteller- und Besucherzahlen in diesem März war die Krise des Genfer Salons unübersehbar. Nun wird den Veranstaltern das wirtschaftliche Risiko zu groß: Die Messe wird in der Schweiz nicht mehr stattfinden.

Ein letztes Mal Aufmerksamkeit: Lucid-Chef Peter Rawlinson stellte auf dem Genfer Salon 2024 seine Marke und die Produkte vor. Doch wo es früher Premieren hagelte, stellten dieses Jahr nur Nischenfabrikate ihre Neuheiten vor. (Bild:  GIMS)
Ein letztes Mal Aufmerksamkeit: Lucid-Chef Peter Rawlinson stellte auf dem Genfer Salon 2024 seine Marke und die Produkte vor. Doch wo es früher Premieren hagelte, stellten dieses Jahr nur Nischenfabrikate ihre Neuheiten vor.
(Bild: GIMS)

Der Genfer Autosalon ist nach 110 Jahren nun endgültig Geschichte. Angesichts des fortgesetzten mangelnden Interesses der potenziellen Aussteller aus der Automobilindustrie hat der Veranstalter nun die Reißleine gezogen. Die Geneva International Motor Show (GIMS) 2024 war die letzte ihrer Art am Genfer See. Es bestünden „zu viele Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Automobilindustrie und dem Attraktivitätsverlust der großen europäischen Automobilmessen“, heißt es in einem Statement vom Freitag, 31. Mai. Das Risiko eines weiteren Scheiterns der Messe im kommenden Jahr war zu groß.

Genfer Salon 2024: Neustart im Kleinen
Bildergalerie mit 22 Bildern

Kurz nach dem diesjährigen Genfer Salon hatten sich die Veranstalter noch positiver angehört. Zumindest der Publikumszuspruch war mit 168.000 Gästen aus Sicht der Veranstalter so gut ausgefallen, dass eine Neuauflage für 2025 bereits terminiert wurde. Die Automobilbranche benötige schließlich „ein Sprachrohr und eine Plattform, die es ihr ermöglicht, das Publikum persönlich zu treffen“.

Der erste Genfer Salon versammelte bereits im Jahr 1905 die Aussteller und Automobilbauer am Genfer See. Über viele Jahrzehnte markierte die Automesse Anfang März dann den Start in ein neues Automobiljahr, setzte Trends im Automobilbau und bot neuen Marken eine Plattform, sich bekannt zu machen. Bereits vor einigen Jahren nutzte Borgward die Messe. Zuletzt waren es vor allem chinesische Hersteller. In diesem Frühjahr sorgte der US-Hersteller Lucid für Aufmerksamkeit.

Ende mit langem Vorlauf

Doch viele Autobauer ließen die große Automesse schon länger links liegen. Bereits vor der Corona-Pandemie hatte es Absagen von namhaften europäischen Herstellern gegeben. Von der Absage des Genfer Salons im Frühjahr 2020 erholte sich die Veranstaltung dann nicht mehr. In diesem Frühjahr versuchten die Veranstalter nochmals den Neustart – doch 37 Aussteller, davon 19 Autohersteller, waren einfach zu wenig. Im Jahr 2019 hatten sich noch 184 Aussteller eingefunden und rund 600.000 Besucher. Doch schon damals waren die Zahlen rückläufig.

Genfer Autosalon 2019: Stromer-Studien dominieren
Bildergalerie mit 48 Bildern

Das mangelnde Interesse der Hersteller am Genfer Salon ist nur ein Aspekt, der das Ende besiegelt. Die ebenfalls kriselnden Messen in Paris und München würden von den Konzernen bevorzugt, bedauert Alexandre de Senarclens, Präsident der Stiftung „Comité permanent du Salon international de l’automobile“, die den Salon ausrichtet. Zudem wären Investitionen in ungenannter Höhe notwendig gewesen, um den Salon am Leben zu erhalten. Dieses Risiko wollte die Stiftung nicht mehr wagen. Es hätte es „unmöglich gemacht, die Veranstaltung fortzusetzen“. In der Folge will der Stiftungsrat nun die Stiftungsaufsichtsbehörde des Kantons Genf formell um die Genehmigung zur Auflösung der Stiftung ersuchen.

GIMS-Ableger in Katar soll weiter bestehen

Die Organisatoren des Genfer Salon hätten „ihre ganze Entschlossenheit eingesetzt, um diesen Autosalon nach der Covid-19-Pandemie wiederzubeleben“, betonte de Senarclens. Die Messe hätte sonst weder in Genf noch in Doha (im Emirat Katar) nochmals stattfinden können. Der arabische Ableger soll nach seinen Worten zunächst weiter stattfinden, das nächste Mal im November 2025. „Es ist erfreulich zu sehen, dass Automobilausstellungen nach wie vor für Marken aus den verschiedensten Teilen der Welt attraktiv sind und dass die GIMS Qatar ihre Anziehungskraft im Nahen Osten sogar noch weiter gesteigert hat“, wird Sandro Mesquita, operativer Direktor von GIMS, in dem Pressestatement zitiert.

(ID:50050662)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung