Der Hybrid für die Autobahn

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Der Panamera Hybrid ist vielleicht kein typischer Porsche, aber eines der besten Autos für schnelles und sparsames Reisen.

Der Porsche Panamera S Hybrid ist ein schneller und leiser Reisewagen.
Der Porsche Panamera S Hybrid ist ein schneller und leiser Reisewagen.
(Foto: Porsche)

Mit dem Panamera S Hybrid bietet Porsche schon das zweite Modell mit dem Hybridantrieb an, den der VW-Konzern für Fahrzeuge mit längs eingebautem Motor entwickelt hat. Die vielzitierten „gusseisernen“ Porsche-Fans dürften sich angesichts des Komponentenmixes aus Audi-V6 und Aisin-Getriebe mit Grausen abwenden – doch wer ebenso schnell wie sparsam und leise Porsche fahren will, für den stellt der Hybrid eine überlegenswerte Alternative zum noch weniger Porsche-typischen Diesel dar.

Im Panamera sorgt ein kompressorgeladener V6-Ottomotor für Vortrieb, der seine Kraft an ein Achtganggetriebe in Planetenbauweise weitergibt. Der Sechszylinder ist deutlich langhubiger ausgelegt als der Porsche-eigene V6 im Panamera-Einstiegsmodell und durch den Kompressor auch drehmomentstärker (440 Newtonmeter). Zwischen Verbrennungsmotor und Getriebe sitzt ein elektrischer Motor mit 34 kW/47 PS, der weitere 300 Newtonmeter bereitstellt – und das im untersten Drehzahlbereich, wo der Verbrennungsmotor prinzipbedingt noch etwas schwach auf der Brust ist.

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Segeln auf der Autobahn

Bis zu einer Geschwindigkeit von 85 km/h kann der E-Motor den Zweitonner allein antreiben; die Reichweite ist jedoch auf zwei Kilometer begrenzt. Im Normalfall übernimmt der E-Motor nur den Anfahrvorgang und erhält alsbald Unterstützung durch den Verbrenner. Geht der Fahrer vom Gas, wird der V6 wieder abgeschaltet und per Kupplung komplett vom Antriebstrang abgekoppelt. Dadurch sind sehr lange Rollphasen möglich – von den Entwicklern „Segeln“ genannt – in denen der Porsche ohne Spritverbrauch daherrollt.

Im Stadtverkehr überzeugt der schwere Wagen durch eine gute Abstimmung der Antriebselemente. Die schwierige Arbeit des sogenannten Hybridmanagers, der Benzin- und E-Motor, Getriebe und Trennkupplung koordinieren muss, wird nur manchmal in etwas längeren Reaktionszeiten des Antriebs deutlich. Störende Rucke beim Zuschalten des Sechszylinders gab es hingegen nie, und auch die hohe Laufkultur des Kompressor-V6 konnte überzeugen.

Durchzugsstark bis über 200 km/h

Trotz seiner Masse von rund zwei Tonnen zeigt sich der Schwerathlet als guter Ampelstarter – dafür ist vor allem der E-Motor mit seinem früh einsetzenden Drehmoment verantwortlich. Auch bei höherem Tempo lässt die Kraft nicht nach. Erst deutlich über 200 km/h wird es langsam zäher. Insgesamt sind mit dem leisen und laufruhigen Hybridantrieb hohe Reisegeschwindigkeiten möglich.

Und wie sieht es bei diesem Tempo mit dem Verbrauch aus? Immerhin galt die deutsche Autobahn bislang als die Achillesferse von Hybridautos, weil sie dort angeblich ihren Verbrauchsvorteil komplett einbüßen sollen.

Doch beim Panamera ist das nicht der Fall. Eine unter etwas Termindruck absolvierte Fahrt von Würzburg nach München gab Gelegenheit, den High-Speed-Verbrauch zu messen. So oft es der Verkehr zuließ, wurde eine Geschwindigkeit von 200 km/h gefahren – bei Überholvorgängen auch schneller. trotzdem zeigte der Bordcomputer bei der Ankunft einen Durchschnitt von nur 10,7 Litern an. Auf der etwas langsamer absolvierten Rückfahrt sank der Wert sogar auf genau zehn Liter. Für eine rund zwei Tonnen schwere Luxuslimousine mit leistungsstarkem Ottomotor ist das aller Ehren wert.

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