Der Nutzfahrzeugmarkt ist hart umkämpft

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Andreas Sobe, Geschäftsführer Autohaus Lueg, Zwickau, sagt: „Im vergangenen Jahr haben wir noch einige schwere Lkw verkaufen können. Diese Fahrzeuge stehen jetzt ungenutzt auf den Höfen, aber die Raten laufen weiter. Und wenn sie dann doch genutzt werden und wartungsbedingt in die Werkstatt müssen, dann fehlt es den Unternehmern meist an Geld, um die Rechnungen zu bezahlen.“

Nicht mehr Volumen trotz Insolvenzen

Wo die Tonnen an Gütern geblieben sind, kann sich kaum jemand erklären. Als Anfang 2008 die Spedition Ricö aus Osterode Insolvenz anmelden musste, war die Hoffnung der Speditionen und Vermieter groß, dass sich das Volumen auf die übrigen Anbieter verteilen würde.

Doch dieser Schub blieb nicht nur aus, sondern die Transportbranche ließ weitere Federn – im Juni 2009 traten gleich mehrere Nutzfahrzeugvermieter den Weg in die Insolvenz an: die Hama Group, Die Fuhrparkprofis, Straub Truck & Trailer sowie die Paul Günther AG und Trailer4You GmbH.

Zudem geben immer mehr Speditionen ihre Leasingverträge aufgrund von fehlenden Auftragseingängen zurück. Allein die Lebensmittelindustrie sorgt kontinuierlich für Verkehr auf den Straßen.

Die Kraft schwindet

Auch weiteren Leuchttürmen geht die Strahlkraft aus. Die Zeiten sind scheinbar vorbei, in denen die Fahrzeugbauer ausgelastet bzw. die Fahrzeugbau-Abteilungen in vielen Unternehmen die gewinnbringenden Bilanzretter waren: So überraschte es die Branche nicht, dass auch der Fahrzeugbauer Kögel Ende Juli insolvent ging.

Denn im Grunde sind alle Konsequenzen einer gebeutelten Branche miteinander verbunden: Die sinkenden Absatzzahlen, der fehlende Wunsch nach Sonderaufbauten, ein Rückgang des Transportvolumens. Zudem kippt das schwere Gewicht der gestiegenen Lkw-Maut zu Beginn des Jahres die Waage zuungunsten der Nutzfahrzeugbranche.

Und wenn wirklich einmal Arbeit in Servicebetrieben da ist, so erschweren die Auswirkungen der Finanzkrise die Abläufe, da sich die Lieferzeit von Ersatzteilen erheblich verlängert hat.

Lange Lieferzeiten durch Kurzarbeit

Grund dafür ist die eingeführte Kurzarbeit in den Werken vieler Zulieferer. War es früher üblich, über Nacht die Ersatzteile bestellen zu können, so dauert es jetzt im schlechtesten Fall mehrere Tage, bis die Werkstatt ihre Arbeit fortsetzen kann.

Wenn ab Anfang 2010 nach und nach viele große Städte emissionsstarken Fahrzeugen die Einfahrt in ihre Umweltzonen verwehren, müssen neben Speditionsfirmen auch kleine Handwerker umdisponieren. Ob die Unternehmen für ein neues Fahrzeug mit Euro-5-Norm hinreichend liquide sind, bleibt fraglich. Und in Fällen, in denen das Kapital vorhanden wäre, scheuen sich viele Unternehmen, sich antizyklisch zu verhalten.

Dabei sei jetzt der beste Zeitpunkt, seinen Fuhrpark umzurüsten, da die Fahrzeugpreise gerade jetzt sehr günstig und attraktiv seien, bestätigt Fritz Kuckartz.

Hersteller wollen keinen Preiskampf

Trotz niedriger Preise wollen die Hersteller die Grenzen zu einem aggressiven Preiskampf bewusst nicht überschreiten. Dr. Hans Geesmann, Marketingdirektor Volvo Trucks Region Central Europe GmbH, bringt es auf den Punkt: „Wer aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation momentan kein Fahrzeug benötigt, kauft auch keines, egal zu welchem Preis.“

„Wir verfolgen ein Konzept der ruhigen Hand“, sagt Andreas Serra, Vorstand Fiat Professional. Für das Unternehmen bedeutet das die Sicherung stabiler Restwerte und keine fallenden Neuwagenpreise.

Iveco führt im Transporterbereich als Verkaufsförderung eine „Mittelstandsprämie“ ein, mit der der Hersteller Transporterkunden zum Kauf eines umweltfreundlichen Neufahrzeugs der Daily-Baureihe gewinnen will. Für das Altfahrzeug gewährleistet der Importeur bis zu 6.000 Euro. Mit EEV-konformen Fahrzeugen im Programm setzt das Unternehmen besonders auf umweltschonende Lkw.

Gegen den Trend hat auch Volkswagen Nutzfahrzeuge positive Impulse von Flottenkunden zu vermelden: British Gas hat 5.300 Caddy bestellt, und die Deutsche Post hat ihren Fuhrpark um 1.800 Caddy und 600 T5 erweitert. Das Technische Hilfswerk (THW) nennt 100 neue T5 sein Eigen.

Der Hoffnung falscher Schluss

Neben diesen hoffnungsbringenden Blitzlichtern lassen sich noch mehr Vorteile aus der Situation ableiten: Am Abend des 19. Juli (Sonntag) kam es aufgrund von Regenwetter zu einem Massenunfall auf der A2 zwischen Braunschweig und Hannover. Über 200 Fahrzeuge waren in die Karambolage verwickelt. Dabei gab es zahlreiche Personenschäden, aber keine Todesfälle. Wie Unfallhelfer und Medien kommentierten, wäre diese Rechnung an einem normalen Wochentag mit höherem Lkw-Aufkommen anders ausgegangen.

Diese Worte mögen in den Ohren aller Lkw-Fahrer sowie der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Nutzfahrzeug- und Transportbranche zynisch klingen. Wäre eine Welt ohne Lkw eine Welt mit weniger Verkehrstoten? Knallen bei solchen Worten gedanklich schon die Sektkorken und wird das Glas mit dankende Worten – zwischen den Zeilen – auf die Finanzkrise, das Sonntagsfahrverbot oder die Lkw-Maut erhoben?

Scheinbar erhält die Welt der Transporter und Lkw zu wenig Aufmerksamkeit und bekommt seitens der deutschen sowie europaweiten Politik immer neue strenge Richtlinien und Vorgaben auferlegt. Spätestens wenn weder Glas noch Sekt da ist, sollte die Branche den Respekt erhalten, den sie verdient.

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