»kfz-betrieb«-Insider Aftersales bei Chinamarken – zwischen Herausforderung und Chance

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 5 min Lesedauer

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In Zusammenarbeit mit Concertare hat »kfz-betrieb« erstmals ein Stimmungsbild zum Werkstattgeschäft mit chinesischen Fahrzeugmarken ermittelt. Es zeigt, dass die Anbieter noch deutlichen Nachholbedarf haben.

Ein chinesisches Auto auf der Hebebühne – das ist heute noch selten, wird aber zunehmend zum Alltag.(Bild:  Rosenow – VCG)
Ein chinesisches Auto auf der Hebebühne – das ist heute noch selten, wird aber zunehmend zum Alltag.
(Bild: Rosenow – VCG)

Die Zuwachsraten der chinesischen Automobilhersteller im Neuwagenverkauf sind derzeit beeindruckend. 2025 registrierte das KBA insgesamt 73.400 Neuzulassungen chinesischer Marken (inklusive Polestar und Smart). Dieser Wert dürfte 2026 schon nach dem ersten Halbjahr übertroffen werden.

Allerdings macht nicht nur ein erfolgreiches Neuwagengeschäft eine Marke für den Handel attraktiv, sondern es müssen auch die Voraussetzungen gegeben sein, die Fahrzeuge in der Werkstatt effizient warten und bei Bedarf schnell und zufriedenstellend für den Kunden reparieren zu können. Und das nicht erst, wenn nach Jahren der Verschleiß zuschlägt. Unfälle können ab Tag 1 passieren, also muss ein Hersteller mit Beginn des Neuwagenverkaufs die nötige Aftermarket-Unterstützung leisten können: technische Daten und Reparaturinformationen, Ersatzteile, technische Unterstützung und Zeitvorgaben für die Reparaturen, um nur einige Punkte zu nennen.

Und hier hakt es bei vielen chinesischen Anbietern noch gewaltig. Das zeigen die Ergebnisse der Entscheiderbefragung »kfz-betrieb«-Insider, die das Marktforschungsunternehmen Concertare Ende 2025 im Auftrag von »kfz-betrieb« durchgeführt hat. Insgesamt 126 Markenhändler beteiligten sich daran, von denen 37, also knapp 30 Prozent, bereits mit den fernöstlichen Fabrikaten zusammenarbeiten.

Einig sind sich die Befragten darin, dass die chinesischen Marken ohne Aftersales-Kompetenz keinen langfristigen Erfolg haben werden. 91 Prozent stimmten dieser Aussage zu. Noch sehen die Befragten allerdings auf diesem Gebiet gewaltigen Aufholbedarf: 33 Prozent erkennen „sehr große“, weitere 43 Prozent „große“ Unterschiede zwischen etablierten Marken und chinesischen Marken beim Thema Aftersales-Professionalität.

Doch kommen wir zu den Erfahrungen der Betriebe, die bereits einen Vertrag mit einem chinesischen OEM haben. Zwar basieren die folgenden Prozentzahlen „nur“ auf den Antworten von 37 Teilnehmern und sind deshalb statistisch nicht valide. Allerdings umfassen die Handelsnetze von MG, BYD und Co. derzeit auch nur wenige Hundert Händler. Ein Stimmungsbild lässt sich aus den Ergebnissen also allemal ableiten.

Bis zu 40 Wochen Lieferzeit im Extremfall

Und das ist eher trübe: Nur 24 Prozent der Händler sind mit Lieferfähigkeit und Lieferzeit von Ersatzteilen zufrieden. Gerade einmal bei zehn Prozent der Befragten sind die Teile in weniger als einer Woche nach Bestellung da. Die durchschnittliche Lieferzeit liegt bei ein bis zwei Wochen, kann in Extremfällen aber bis zu 40 Wochen betragen. Karosserieteile, Hochvolt-Komponenten und elektronische Teile werden als besonders problematisch in der Beschaffung genannt.

Auch der Zugang zu Diagnosetechnik sowie Reparatur- und Wartungsinformationen stellt ein Problem dar: Nur jeder vierte Händler zeigte sich hier mit der aktuellen Leistung seines Herstellers zufrieden. Nicht viel besser das Bild beim Garantieprozess und der Einbauvergütung: Gerade einmal 29 Prozent der Befragten sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden, der Rest nicht so.

Unzufrieden sind die Kfz-Unternehmer mit dem administrativen Aufwand (zum Beispiel für Dokumentation, Kommunikation, Gewährleistung) im Vergleich zu anderen Marken. Dieser wird von 47 Prozent der Händler als höher im Vergleich zu etablierten Marken eingeschätzt.

Die technische Unterstützung durch die Importeure ist dagegen größtenteils vorhanden: 90 Prozent bieten eine technische Hotline, 54 Prozent einen Remote-Diagnosezugriff, und 40 Prozent verfügen über einen technischen Außendienst. Zwar berichtet jeder dritte China-Händler, dass er bereits einmal einen Fehler bei einem Auto hatte, den er nicht selbst reparieren konnte – in den meisten Fällen konnte der Importeur jedoch helfen.

Bei der Reparatur von Hochvoltbatterien zeigt sich ein uneinheitliches Bild: 41 Prozent der Händler berichten, dass es bei ihrer Marke keine generelle Regelung dazu gibt; 37 Prozent reparieren Batterien im eigenen Betrieb, während 19 Prozent defekte Batterien zum Importeur schicken. Es gibt auch Fälle, in denen das gesamte Auto zum Hersteller verbracht und dort repariert werden muss.

Insgesamt ist das Bild aber nicht so negativ, wie es vor allem die schwierige Ersatzteilsituation glauben macht. Der Aussage „Viele Aftermarket-Services, die wir von anderen Marken kennen, gibt es beim Importeur nicht oder sie kamen erst verspätet“ stimmten etwas mehr als die Hälfte der Befragten zu. Knapp die Hälfte hingegen setzte ihr Kreuzchen bei „Der Importeur stellt uns alle Werkzeuge zur Verfügung, damit wir im Aftermarket erfolgreich sein können“. Am professionellsten aufgestellt im Aftermarket ist den Umfrageteilnehmern zufolge BYD, vor MG – bei den anderen Marken fehlte es an statistisch relevanten Nennungen.

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Gar nicht mal so wenige Umfrageteilnehmer glauben übrigens, dass chinesische Marken mittelfristig Aftersales-Standards setzen könnten, die auch andere Hersteller beeinflussen könnten: 45 Prozent beantworteten dies mit „Ja“, 33 Prozent mit „Nein“ – der Rest enthielt sich.

Fazit: Anforderungen des deutschen Markts müssen erfüllt werden

Die Untersuchung zeigt deutlich: Das Aftersales-Geschäft mit chinesischen Automobilen befindet sich in Deutschland noch in einer frühen Phase. Während chinesische Hersteller im Neuwagengeschäft zunehmend Aufmerksamkeit erregen, hinkt der Aufbau professioneller Servicestrukturen noch hinterher.

Die Entwicklung der kommenden Jahre wird zeigen, ob chinesische Hersteller die identifizierten Schwächen überwinden und ein konkurrenzfähiges Aftersales-System aufbauen können. Entscheidend wird dabei sein, ob sie die spezifischen Anforderungen des deutschen Marktes an Serviceverfügbarkeit, technische Kompetenz und Prozessqualität erfüllen können. Nur dann werden sie von Händlern und Kunden als vollwertige Alternative zu etablierten Marken akzeptiert.

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