Der Retter des Volkswagen-Konzerns

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Szenenwechsel: „Ist das eigentlich der erste Golf?“, fragt mich eine Frau, geschätzt um die vierzig Jahre alt, etwas schüchtern. „Ja, das ist er“, erwidere ich und streichle in Gedanken das 33 Jahre alte Blechkleid meines Golf GLS Automatik wie das Haupt eines Rassehundes. Wir stehen beide in Bad Kissingen, dem Startpunkt der „ZF Sachs Franken Classic“.

Zum elften Mal ließ die Oldtimerrallye im Nordosten Bayerns die automobilen Oldieherzen höher schlagen. Zu Recht zählt die Tour zu einer der schönsten in Deutschland – immerhin führt ihre Route allein durch drei Naturparks. Angefangen bei Bilderbuchlandschaften über automobile Schätze auf und neben der Route bis hin zu Menschen, die ebenfalls den Hang zu Nostalgie und dem Gegenteil von Kurzlebigkeit und gesichtsloser Moderne teilen und dies öffentlich bekunden.

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Wir sind auch wer!

Wie immer, so auch bei dieser Oldtimerrallye mit von der Partie: die „üblichen Klassiker“ vom Schlage diverser Mercedes-, Porsche-, Alfa- und englischer Roadstermodelle. Nur wenige Youngtimer und Brot- und Butterautos demonstrieren vor der Kulisse des bekanntesten deutschen Kurbads den automobilgeschichtlichen Status quo einer Generation, die ihren Namen dem Wolfsburger Erfolgmodell verdankt.

Sie zeigen, dass auch sie überlebt haben – allen Recyclingblech- und Streusalzorgien der siebziger Jahre zum Trotz. Stolz fahren sie ihre meist kantigen und nüchtern gestylten Karossen entlang von Nebenstraßen und in den Fußgängerzonen, die als Kontrollpunkte für Teilnehmer der Rallye und Oldtimerbüfett für interessierte Fans dienen, zur Schau.

Sätze wie „So einen hatte ich auch mal“ und „Ach kuck mal, ein ...“ dringen in die Gehörgänge der Eigentümer von Fahrzeugen der Schlaghosengeneration und rufen in einem wach, wie schnell doch die Zeit vergeht und wie selten manch automobile Massenware mittlerweile geworden ist – oder wann haben Sie das letzte Mal einen Renault 5 oder einen Ford Granada gesehen?

Mein Golf und ich fahren durch ein Spalier aus Jung und Alt einer fränkischen Innenstadt. Der viperngrüne Metalliclack in bester Siebzigerjahre-Manier streitet mit den bunten Fassaden malerischer Fachwerkhäuser um die Wette. Ich höre klatschende Hände und sehe nickende Häupter und denke mir: ein schönes Gefühl. Danke Rudolf Leidung, danke Giorgetto Giugiaro!

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